Grünanlagen

Was vom großen Putztag in Berlin übrig bleibt

Tausende säuberten am Wochenende Parks und Plätze. Nicht überall hielt der positive Effekt an.

Im Mauerpark wurden mehrere Mülleimer beschädigt, sodass der Abfall auf der Wiese liegt.

Im Mauerpark wurden mehrere Mülleimer beschädigt, sodass der Abfall auf der Wiese liegt.

Foto: Heike Dietrich / BM

Berlin.  Nach dem Cleanup ist vor dem Cleanup. So viel Kraft und Zeit Berliner in das große Reinemachen am Wochenende investiert haben mögen, kurz danach wirkt manche Grünanlage, als sei hier nichts geschehen außer Partytreiben unter blauem Himmel.

Beispiel Mauerpark: Rings um die aufgebrochenen Metallzylinder der Abfalleimer lagert Unrat, der aus den Behältern gerissen wurde. Ein Fall von Vandalismus, der eine spezielle Ursache hat, wie Alexander Puell von den Freunden des Mauerparks beobachtet. „Diese Eimer werden von Flaschensammlern geöffnet, durchsucht und entleert.“ Dass sich die Türen der Mülleimer so leicht herausreißen lassen, sei ein Konstruktionsproblem. „Viele Menschen sind gewillt, die Wiese sauber zu hinterlassen, aber die Infrastruktur passt nicht zur Parknutzung“, sagt Puell.

Am Sonntag war die große Wiese auf dem früheren Mauerstreifen jedenfalls rein. Denn tags zuvor hatten 40 Teilnehmer einer Putzaktion 120 Liter Müll zusammentragen. Überall in Berlin fanden sich Initiativen zusammen, um ihre Nachbarschaft von Abfall zu befreien. 300 Aktionen mit 16.000 freiwilligen Helfern hatte der Verein Wir Berlin für den World Cleanup Day am Freitag und Sonnabend registriert. Da griffen Neuköllner Bezirksamtsmitarbeiter in der Hasenheide zum Rechen, Schüler in Schöneberg harkten Verpackungsreste zusammen und Spandauer Angler fischten Flaschen aus dem Wasser.

Pilotprojekt der BSR läuft Ende des Jahres aus

Einen bleibenden Effekt in Sachen Sauberkeit sehen ehrenamtliche Helfer in den Bezirken vor allem dort, wo die Profis in Orange für Reinheit sorgen. Das ist zum Beispiel in Steglitz-Zehlendorf der Fall. „Seit die Berliner Stadtreinigung die Grünanlagen an Schlachtensee und Krumme Lanke reinigt, haben wir kaum noch Beschwerden über Müll“, heißt es aus dem Bezirksamt. Im Rahmen des Pilotprojekts Parkpflege setzt die BSR seit 2016 Putztrupps in ausgewählten Grünflächen der Bezirke ein. Zuletzt hat der Senat das Vorhaben auf 46 Parks ausweiten lassen. Laut BSR-Sprecher Sebastian Harnisch sammelten dort in diesem Jahr 200 Mitarbeiter bislang rund 11.000 Kubikmeter Abfall ein. Ob das Pilotprojekt verlängert oder gar auf alle Parks ausgeweitet wird, muss das Abgeordnetenhaus entscheiden. Ende 2019 läuft es aus.

Grünanlagen, die nicht zum Parkpflegeprojekt gehören, können nur so weit gepflegt werden, wie die Budgets der Grünflächenämter es zulassen. Insgesamt rund 37 Millionen Euro stehen in den Bezirken dafür bereit. Besonders von Vermüllung betroffen: Friedrichshain-Kreuzberg. Zum einen ist dies ein Innenstadtbezirk, in dem mehr Menschen unterwegs sind als etwa am Stadtrand. Zum zweiten zieht er Touristen an wie wenige andere Bezirke. 2016 lagen hier die Gesamtausgaben für Reinigung und Müllbehälterleerung in Grünanlagen bei 446.570 Euro, 2017 bei 462.386 Euro, 2018 bei 545.502 Euro. In jenem Jahr wurde im Volkspark Friedrichshain der Aufwand im Sommer von wöchentlich einer auf zwei Gesamtreinigungen erhöht, die Müllbehälterleerung von zwei- auf dreimal. Hinzu kamen dort große Sperrmüllmengen, die geräumt werden mussten. 2019 schätzt das Bezirksamt die Kosten am Jahresende auf 650.000 Euro. „Aufwand und Kosten für die Reinigung der Parks und Grünanlagen nehmen tatsächlich mit jedem Jahr zu“, fasst Bezirksamtsprecherin Sara Lühmann zusammen.

Tempelhof-Schöneberg hat die Müllbeseitigung in Parks und auf Spielplätzen komplett an eine externe Firma vergeben, erklärt Stadträtin Christiane Heiß (Grüne). Die Kosten der Vergabe beliefen sich auf rund 200.000 Euro im Jahr. Hinzu kämen Vandalismusschäden. Wenn alle Mängel regelmäßig beseitigt werden würden, so dürfte hier ein mittlerer sechsstelliger Betrag zustande kommen, schätzt Heiß.

Steglitz-Zehlendorf setzt mittlerweile Parkläufer an den Seen und im Stadtpark Steglitz ein. Das habe sich bewährt, heißt es aus dem Grünflächenamt. Es kämen kaum noch Klagen. „Kein Vergleich zu früher“, so die Mitarbeiterin. Weniger schlimm als befürchtet fallen die Schäden im Bezirk Mitte auf. Im Volkspark Humboldthain und im Weinbergspark zum Beispiel hielten sich die Schäden durch Vandalismus zuletzt in Grenzen und lagen bei etwa 10.000 Euro pro Jahr. Die Grünanlagen in der City West leiden wie überall in der Stadt unter der Dürre der vergangenen Sommer. Aber auch die Übernutzung der Anlagen fügt dem Grün Schaden zu. Besonders betroffen sind der Lietzenseepark, der Volkspark Wilmersdorf und der Preußenpark. Vor allem bei letzterem sieht man, dass die Rasenfläche durch die Thaiwiese schwer geschädigt ist. Das Bezirksamt sucht nach einer Lösung, die den Food Market erhält, aber den Park schont. Die Neuordnung, die wohl 2020 in Kraft treten soll, sieht vor, dass der Markt von der Wiese weg verlegt wird und die Kleingastronomen sich für einen der neuen festen Stände dann mit Gewerbeschein bei einem Marktleiter anmelden können.

Schauspieler werben für mehr Sauberkeit

In Pankow fehlt es nicht an kreativen Unternehmungen, um Parkbesucher aus aller Welt auf mehr Achtsamkeit einzuschwören. Im Park am Weißen See traten jetzt sogar Schauspieler auf, um für Sauberkeit und einen pfleglichen Umgang zu werben. Zuvor rief die Tourismusagentur Sandemans in einem Pilotprojekt mit dem Bezirksamt Berlin-Besucher im Rahmen von Cleanups zu Reinigungsaktionen auf. Mehr als 70 Menschen beteiligten sich gleich zur Premiere der Aktion im August im Mauerpark. Aus Sicht von Alexander Puell setzen solche Aktionen ein deutliches Signal gegen Schwarz-Weiß-Denken. Hier die spaßsüchtigen Touristen und jugendlichen Zerstörungswütigen, dort die peniblen Anwohner, die hinter ihnen aufräumen – dieses stereotype Bild stimme eben nicht, findet der Vorsitzende der Mauerparkfreunde. „Dieses Gut- und Böse-Denken bringt nichts.“ Ähnlich sieht es auch Christian Friedrich vom Bürgerpark-Verein. Vor allem neue, größere Abfallcontainer verbesserten die Sauberkeit an diesem Erholungsort deutlich, sagt Friedrich. Auch die neu eingesetzten Parkläufer sorgten für eine Entspannung. Sie sind vor allem dann unterwegs, wenn es im Bürgerpark wilder zugeht: spät abends. „Es hilft, die jugendlichen Parkbesucher auf Augenhöhe anzusprechen“, so Friedrich.

Den Tiefpunkt erreichte die Situation an den ersten wärmeren Frühlingstagen dieses Jahres. Damals rissen Unbekannte zwei Engelsfiguren vom Dach des historischen Rosenpavillons und warfen sie in die Panke. Christian Friedrich fischte sie persönlich heraus. 50.000 Euro Schaden entstanden über Nacht. Seitdem die Parkläufer in Pankow patrouillieren, hat sich aus Sicht des Vereins eine deutliche Besserung der Situation eingestellt: Nächtliche Zerstörungsorgien blieben aus. Aber das Bezirksamt will sich auf den Frieden nicht verlassen und versucht, Beschädigungen und Graffiti ein einfaches Mittel entgegenzusetzen: Licht. Dem frisch restaurierten Rosenpavillon kann sich jetzt nachts niemand mehr nähern, ohne dass er dank eines Bewegungssensors in gleißendem Flutlicht steht.