Prozess

Messerattacke auf Roma-Angehörige: 38-Jährige vor Gericht

In einer U-Bahn beschimpfte eine 38-Jährige drei Roma, schlug auf sie ein und stach schließlich zu. Seit Montag steht sie vor Gericht.

Der Prozess läuft am Landgericht Berlin. (Archivbild)

Der Prozess läuft am Landgericht Berlin. (Archivbild)

Foto: Taylan Gökalp / dpa

Berlin. Sechs Monate nach einer von blindwütigem Hass gekennzeichneten Attacke auf drei Roma-Angehörige hat am Montag vor dem Landgericht der Prozess gegen die Berlinerin Denise H. begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft der 38-Jährigen versuchten Mord aus niederen Beweggründen vor. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sollen der Anklage zufolge die Motive für die Tat in einem Zug der U-Bahnlinie 6 sein. Dass die erhobenen Vorwürfe zutreffen, daran besteht kein Zweifel, die Überwachungskamera im Zug hat alles aufgezeichnet.

Am 30. März bestiegen Maria P. (49), ihr Ehemann und ihr Schwager am Bahnhof Scharnweber Straße einen Zug der U6 in Richtung Zentrum. Nur wenige Augenblicke später tauchte die Angeklagte vor ihnen auf und begann augenblicklich, dass Trio wüst zu beschimpfen. „Dreckige Zigeuner, was wollt ihr hier“, lautet einer der Sätze, die Zeugen zufolge fielen. Denise H. war ganz offensichtlich nicht gewillt, es bei verbalen Attacken zu belassen, sie ging schnell dazu über, auf die drei Roma einzuschlagen.

Schließlich konnte die Angreiferin überwältig werden

Es war Maria P., die sich zur Wehr setzte, sowohl ihr Mann als auch der Schwager waren und sind schwer krank. Durch die Gegenwehr offenbar erst recht angestachelt, holte die Angeklagte plötzlich ein Messer aus der Tasche und ging damit auf das Trio los. Sowohl Maria P., die sich schützend vor ihren Mann gestellt hatte, als auch ihr Schwager trugen mehrere Stichwunden davon.

Die meisten Fahrgäste in dem Waggon schienen gar nicht mitzubekommen, was das passierte oder wollten es gar nicht mitbekommen, berichtete Maria P. als Zeugin. Ein in der Nähe sitzender Mann habe Anstalten gemacht, ihr zu Hilfe zu eilen, sich dann aber von seiner Ehefrau überreden lassen, sich nicht einzumischen. Erst als der Mann sich doch entschloss einzugreifen, sei es gelungen, die Messerstecherin zu überwältigen.

Obwohl auf dem Boden fixiert, gebärdete sich die Angeklagte weiter wie von Sinnen. Am Bahnhof Rehberge wartete bereits die Polizei, vier Beamte hatten Mühe, der 38-Jährigen Handfesseln anzulegen. Mit ihren gezielten Messerstichen habe die Angeklagte tödliche Verletzungen ihrer Opfer billigend in Kauf genommen, so begründete die Staatsanwaltschaft ihre Anklage wegen versuchten Mordes.

Angeklagte bedauert die Tat und kann sich nicht erinnern

Der Vorfall schaffte es im Frühjahr nur als kurze Meldung in die Medien. Dennoch war der Andrang an Zuhörern riesig. Der Verhandlungssaal fasste kaum alle interessierten Zuhörer, überwiegend junge Frauen, die sich in Initiativen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit engagieren. So brauchte es seine Zeit, bis alle Anwesenden schließlich einen Platz gefunden hatten.

Die Angeklagte ließ über ihren Verteidiger erklären, sie bedauere die Tat und habe sich bei Betrachtung des Videos über sich selbst erschrocken. An die Tat selbst habe sie nur „bruchstückhafte“ Erinnerungen, Rassismus spiele in ihrem normalen Leben ansonsten keine Rolle. Bislang gibt es keine Hinweise auf eine verminderte Schuldfähigkeit. Eine Sachständige wird dazu im weiteren Verlauf der Verhandlung noch gehört. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.