Unterschriftensammlung

Eltern machen gegen dreckige Schulen in Berlin mobil

Mit Unterschriftensammlungen wollen Eltern und Lehrer in fünf Berliner Bezirken mehr Sauberkeit in Berlins Schulen erwirken.

Mitglieder der Initiative Schule in Not. Die Initiative setzt sich für sauberere Schulen in Berlin ein.

Mitglieder der Initiative Schule in Not. Die Initiative setzt sich für sauberere Schulen in Berlin ein.

Foto: Julia Lehmann

Schmuddelige Flure, übelriechende Toiletten, Dreck in den Ecken: Eltern haben genug von den schlechten Bedingungen in Sachen Sauberkeit an städtischen Berliner Schulen. In dieser Woche startet die in diesem Jahr gegründete Initiative „Schule in Not“ in Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Pankow Einwohneranträge für saubere Schulen.

Einwohneranträge sind eine Form direkter Mitsprache im Bezirk. Dafür werden Unterschriften gesammelt und die Forderungen dann als Empfehlungen der Bezirksverordnetenversammlung vorgelegt. Bei einem Einwohnerantrag müssen in einem Bezirk 1000 Unterschriften gesammelt werden. In Neukölln, wo die Initiative ihren Ursprung fand, ist man schon weiter. Seit August kamen dort gut 2500 Unterschriften für ein Bürgerbegehren zusammen. Wenn es gelingt, bis zum Jahresende mindestens 7000 Unterstützer zu gewinnen, hat die Initiative die Gelegenheit, mit dem Bezirk in Verhandlungen zu treten.

Reinigungskräfte haben zu wenig Zeit

Das Problem sei ein berlinweites, sagten Vertreter der Initiative, in der auch Lehrer und ein Hausmeister mitwirken, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in der Kreuzberger Sozialeinrichtung Bilgisaray. Eltern und Lehrer aus Pankow, Neukölln und Kreuzberg-Friedrichshain berichteten von den schwierigen Situationen an den Schulen.

Gerade bei Grundschülern entwickle sich das Problem so weit, dass einzelne Kinder die Toiletten nicht mehr nutzen wollen. Auch von Schulen putzenden Lehrern und Eltern ist die Rede. Ilker Egilmez ist Vater einer Tochter. Sie geht in die vierte Klasse in einer Schule in Kreuzberg. Im April hätte er mit anderen Eltern die Schule gesäubert. „Der Staub lag zum Teil millimeterdick“, sagte Egilmez. Die Schulen selbst wirken hilflos, verweisen ans Bezirksamt.

Vielerorts hätten Reinigungskräfte zu wenig Zeit für ihre Arbeit, hieß es. Häufig werde zu selten geputzt. Als problematisch schätzt die Initiative auch die schlechte Entlohnung der Reinigungskräfte ein. „Die Reinigungsleistungen werden von externen Dienstleistern übernommen und das Bezirksamt nimmt in der Regel das billigste Angebot“, so Philipp Dehne, Mitbegründer der Initiative.

Initiative fordert Rekommunalisierung

Ein Problem seien auch die häufig wechselnden Firmen. Um der mangelhaften Qualität der Reinigung und schlechten Bezahlung der Arbeitskräfte entgegenzuwirken, fordern die Aktiven von Bezirken und Senat die Rekommunalisierung der Schulreinigung, also die Anstellung der Reinigungskräfte beim Bezirk, bis zum Schuljahr 2021/22 und sofort mehr Geld für die Bezahlung der Firmen bereitzustellen.

In Neukölln hat der Bezirk ein Pilotprojekt gestartet. 390.000 Euro habe man dort in den Haushalt 2020/21 eingestellt, um eine zusätzliche Reinigung am Tage in 15 (von 60) Neuköllner Schulen zu installieren. Dies könne zwar die Qualität der Reinigung, nicht aber die Arbeitsbedingungen verbessern, sagte Philipp Dehne.

„Gute Reinigung braucht gute Arbeitsbedingungen und realistische Leistungsvorgaben für die Reinigungskräfte. Weil der Markt beides nicht gewährleisten kann, muss die Reinigung zurück in die öffentliche Hand“, heißt es auf der Internetseite der Initiative.

Mehr Infos unter www.schule-in-not.de