Nahverkehr

Warum die neue S-Bahn nur nachts durch Berlin fährt

Ab 2021 sollen bei der S-Bahn neue Züge im Einsatz sein. Bereits jetzt fährt ein Exemplar des neuen Modells - allerdings nur nachts.

Ein Zug der neuen S-Bahn-Baureihe 483/484 fährt zur nächtlichen Probefahrt aus dem Depot in Grünau heraus.

Ein Zug der neuen S-Bahn-Baureihe 483/484 fährt zur nächtlichen Probefahrt aus dem Depot in Grünau heraus.

Foto: Foto: André Groth / André Groth

Berlin. Wer sie sehen will, sollte früh aufstehen oder sich gar nicht erst schlafen legen: Seit Wochenbeginn dreht die neue S-Bahn für Berlin erstmals ihre Runden an ihrem künftigen Einsatzort, wie die Deutsche Bahn am Mittwoch mitteilte. Gefahren werden die Triebwagen der Baureihe 483/484 aber nur in den Nachtstunden, wenn der reguläre S-Bahnverkehr Pause macht. Und es sind auch noch keine Fahrgäste an Bord, dafür haben die Züge noch keine Zulassung.

Testfeld für 483/484 ist das gesamte S-Bahn-Netz

Bereits im Juni waren die ersten von insgesamt zehn der sogenannten Vorserienzüge in der Berliner Hauptwerkstatt der S-Bahn in Schöneweide eingetroffen. Streng abgeschirmt vor neugierigen Blicken Außenstehender wurden dort die einzelnen Komponenten von den Bremsen über die Heizung und die Klimaanlage bis zum Scheibenwischer umfangreich geprüft.

Nun sei es an der Zeit, die „Neue“ unter Realbedingungen zu testen, sagte S-Bahn-Sprecherin Sandra Spieker. Gefahren werde der Zug mit der Seriennummer 484.004 nun „Nacht für Nacht“. Mitte September soll dann ein zweiter Testzug hinzu kommen.

Trainspotter werden es beim Fotografieren der neuen S-Bahn nicht leicht haben

Die Trainspotter, wie sich die Fotografen selbst nennen, die gerne neue oder besonders selten zu sehende Schienenfahrzeuge fotografieren, werden es dabei nicht leicht haben, eine neue Bahn vor die Linse zu bekommen. Denn das Testfeld sei „jeder Winkel“ des rund 327 Kilometer langen S-Bahnnetzes in Berlin und Brandenburg, so Spieker.

Besonders groß dürften aber die Chancen auf eine Begegnung entlang des S-Bahnrings sein, auf dem die neuen Bahnen ab 2021 im regulären Fahrgastbetrieb zum Einsatz kommen sollen. Die Premierenfahrt ist von S-Bahnchef Peter Buchner bereits für den 1. Januar, kurz nach 4 Uhr, mit Start am Bahnhof Südkreuz angekündigt worden. Von dort aus soll es dann nach Spindlersfeld und wieder zurück gehen.

Zulassung neuer Züge oft mit Problemen

Ob es tatsächlich dazu kommt, muss sich allerdings erst noch zeigen. In der Vergangenheit hat es immer wieder Probleme bei der Zulassung neuer Schienenfahrzeuge gegeben. In der Region bekommen das aktuell die Fahrgäste der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) zu spüren.

Die NEB musste für die wichtige Pendlerstrecke RB26 (Berlin–Kostrzyn) beim polnischen Hersteller Pesa erst länger als geplant auf die neuen Triebwagen warten, bis heute können die Züge nicht wie ursprünglich auch im Dreierverbund eingesetzt werden.

Siemens und Stadler Pankow bauen die S-Bahn 483/484

Die Züge der neuen S-Bahn-Baureihe 483/484 werden von einem Konsortium aus den Herstellern Siemens und Stadler Pankow gebaut. Bestellt hat die S-Bahn für den Einsatz auf den Ringbahnlinien 21 zweiteilige Einheiten (Baureihe 483) sowie 85 Vierwagenzüge (Baureihe 484). Gebaut wurden bisher je fünf Einheiten pro Baureihe, die nun als Vorserienfahrzeuge intensiv getestet werden. A

Aus Bahnkreisen war zu hören, dass bei Fahrten im Siemens-Testcenter im niederrheinischen Wegberg-Wildenrath bereits einige technische Probleme deutlich wurden, an deren Lösung nun gearbeitet wird. Die Hersteller sind bislang aber sehr zuversichtlich, dass der Zeitplan gehalten werden kann.