Luftlöcher

Vorfall in Tegel: So schützen sich Fluggäste bei Turbulenzen

Ein Flugzeug ist auf dem Flug nach Tegel in Turbulenzen geraten. Ein Video zeigt, wie eine Maschine nach so einem Vorfall aussieht.

Eine Eurowings-Maschine geriet am Montagabend beim Landeanflug auf den Flughafen Tegel (TXL) in Turbulenzen. Acht Passagiere wurden verletzt.

Eine Eurowings-Maschine geriet am Montagabend beim Landeanflug auf den Flughafen Tegel (TXL) in Turbulenzen. Acht Passagiere wurden verletzt.

Foto: Morris Pudwell

Berlin. Nach dem Vorfall mit acht Verletzten nach Turbulenzen beim Anflug auf den Airport Tegel am Montag rät die Vereinigung Cockpit allen Fluggästen dringend, im Flugzeug stets angeschnallt zu sein. „In Wolken kann es immer zu Turbulenzen kommen“, sagte Janis Georg Schmitt, Pilot und Sprecher der Pilotenvereinigung der Berliner Morgenpost. Das sei dann unabhängig von der Gegend, über die gerade geflogen wird.

„Das Wetter ist dynamisch, und es gibt tatsächlich besondere Gebiete, in denen es häufiger zu Turbulenzen kommt, aber grundsätzlich können sie überall und zu jeder Zeit entstehen.“ „Wer seinen Platz aus welchem Grund auch immer mal verlassen muss, sollte sich anschließend auch wieder anschnallen.“

Verletzte nach Turbulenzen beim Anflug auf Tegel: Pilot hatte dichte Wolken gesichtet

Schmitt sagte, dass Piloten in den meisten Fällen bereits an der Form der Wolken erkennen, ob mit Turbulenzen zu rechnen ist, oder nicht. Dann würde man diese, wenn möglich, umfliegen oder das Anschnallzeichen einschalten und mit einer Durchsage dazu auffordern. Besonders in Gewitterfronten ist mit Turbulenzen zu rechnen. Diese sind aber auf dem Wetterradar zu erkennen. Je nach Möglichkeit umfliegen Piloten die Gewitter.

Der Kapitän der Eurowings-Maschine habe dichte Wolken gesichtet, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Er habe vorsorglich die Anschnallzeichen angeschaltet. „Zusätzlich erfolgte die Ansage auf Deutsch und Englisch durch die Crew mit der Bitte, die Gurte wieder anzulegen.“ Während der Ansage sei es zu Turbulenzen gekommen, „bei denen sich bedauerlicherweise Fluggäste, die so schnell noch nicht angeschnallt waren, verletzten“.

Nach Turbulenzen: Video zeigt verwüstetes Aeroflot-Flugzeug

Was Turbulenzen in einem Flugzeug anrichten können, zeigt ein Video eines Stewards. Im August war die Aeroflot-Maschine auf dem Flug von Moskau nach Seoul in 10.000 Metern Höhe unvermittelt in Turbulenzen geraten. Nicht angeschnallte Passagier wurden aus ihren Sitzen geschleudert, Gegenstände und Ausrüstung der Kabinencrew flogen quer durch den Innenraum des A330. Mehrere Menschen sollen laut des russischen TV-Senders Rossija dabei verletzt worden sein. Das Flugzeug setzte seinen Kurs fort und landete später sicher in Seoul.

Besonders gefährlich sind "Clear Air Turbulences"

Ein weiteres Phänomen sind die Clear Air Turbulences (CAT), so Schmitt. „Das sind Turbulenzen in wolkenfreier Luft. Sie können während eines Fluges auftreten, ohne dass der Pilot sie durch die Beobachtung des Luftraumes sehen kann.“ Fachleute sprechen von einer starken Luftbewegung in Bereichen ohne sichtbare Wolkenphänomene. Dabei treffen größere Luftmassen mit unterschiedlich hohen Geschwindigkeiten aufeinander Sie können zu einer ungewollten Höhenänderung des Flugzeuges führen. Das wird von den Passagieren häufig auch als „Luftloch“ bezeichnet.

Die CAT kann eine erhebliche Gefährdung für die Luftfahrt darstellen, da sie weder mit dem bloßen Auge noch mit Radar geortet werden kann und deshalb nicht rechtzeitig durch Umfliegen ausgewichen werden kann. „Wenn Piloten eine CAT durchfliegen, dann geben sie das an den nächsten Lotsen weiter“, erklärte Schmitt. „Die warnen dann die anderen Piloten per Funk.“ Piloten sind während des gesamten Fluges mit dem Beckengurt gesichert, bei Start und Landung sichern sie sich zusätzlich mit einem Schultergurt, den sie aber auch bei angesagten Turbulenzen anlegen.

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Der erfahrene Pilot Schmitt warnt ebenfalls davor, den Anschnallgurt zu öffnen, bevor die Maschine am Terminal angehalten hat. „Wenn die Maschine nach der Landung zu seinem endgültigen Haltepunkt rollt kann es passieren, dass der Pilot stark bremsen muss“, sagte er. „Eine Vollbremsung kann dann zu ernsthaften Verletzungen bei den Passagieren führen.“

Flughafen Tegel: Eurowings-Maschine landete mit Verletzten

Auf dem Berliner Flughafen Tegel war am Montag eine Eurowings-Maschine vor dem Landeanflug in Turbulenzen geraten und anschließend mit mehreren Verletzten an Bord sicher gelandet. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers wurden dabei insgesamt acht Personen verletzt – sechs von ihnen mussten in ein Krankenhaus gebracht werden. Eine Frau erlitt bei dem Vorfall schwere, aber nicht lebensgefährliche Verletzungen. Zuerst war von 13 Verletzten die Rede. Ein Notarzt hatte diese jedoch lediglich gesichtet und bei acht von ihnen Verletzungen festgestellt.

Unter den Verletzten befanden sich auch zwei Eurowings-Besatzungsmitglieder. Die Betroffenen zogen sich Fingerbrüche, Platzwunden und Halswirbelverletzungen zu. Die Feuerwehr war mit 28 Kräften vor Ort. Es waren sechs Rettungswagen und zwei Notarztwagen im Einsatz. Auch die Flughafenfeuerwehr unterstützte. Die weiteren Passagiere wurden ins Terminal gebracht und befanden sich am späten Nachmittag bereits auf dem Weg nach Hause.

Turbulenzen in Tegel: Eurowings-Flug kam aus Italien

Der Flugbetrieb lief trotz des Vorfalls weiter nach Plan, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Im Luftraum über Berlin-Brandenburg war es etwa 20 Minuten vor der Landung zu Turbulenzen gekommen, als der Airbus A319 in eine Wolke geriet.

Der Kapitän habe dichte Wolken gesichtet, teilte Eurowings auf Anfrage mit. Er habe vorsorglich die Anschnallzeichen angeschaltet. „Zusätzlich erfolgte die Ansage auf Deutsch und Englisch durch die Crew mit der Bitte, die Gurte wieder anzulegen.“ Während der Ansage sei es zu Turbulenzen gekommen, „bei denen sich bedauerlicherweise Fluggäste, die so schnell noch nicht angeschnallt waren, verletzten“.

Die Maschine konnte dennoch sicher landen. Das Flugzeug sei durch die Turbulenzen zu keiner Zeit in seiner Sicherheit beeinträchtigt gewesen, hieß es von Eurowings. Die Maschine werde nun routinemäßig inspiziert, bevor es wieder im regulären Flugbetrieb eingesetzt werde.

Die Maschine der Fluggesellschaft Eurowings hatte die Flugnummer EW 8855 und kam aus Süditalien aus Lamezia Terme. Die Maschine vom Typ Airbus A319 sollte planmäßig um 16.35 Uhr landen, kam aber nach dem Vorfall verspätet um 16.52 Uhr an. Ob das Flugzeug voll besetzt war, war noch unklar.