Berlin hat noch mal einen schönen Spätsommertag erlebt, mit 20 Grad und viel Sonnenschein. Die SPD-Politikerin Mirjam Blumenthal kommt vom Einkaufen nach Hause. Blumenthal, 47 Jahre alt, lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in einem Reihenhaus in der Hufeisensiedlung in Britz. Im Flur sieht sie, dass der Anrufbeantworter blinkt. Sie stellt die Einkaufstaschen ab, drückt den Abhörknopf. Es macht Piep. Eine Computerstimme sagt, um 19.47 Uhr sei ein Anruf eingegangen. Kurze Pause. Dann meldet sich eine Männerstimme: „Ja, hier ist der faschistische Widerstand. So etwas wie dich hätten wir früher vergast. Wir sind überall. Nicht nur in Britz.“ Wieder ein Piep. Ende der Nachricht.
Nicht schon wieder, denkt Blumenthal. Die Männerstimme. Das rollende R. Die zackige Betonung. Blumenthal sitzt in ihrer Küche und scrollt durch Ordner in ihrem Computer, in dem sie die Bedrohungen und Angriffe gesammelt hat. Der Anruf aus dem Jahr 2012 ist einer von vielen. „Diese Attacken haben unser Leben verändert“, sagt sie. Es vergehe kein Tag, an dem sie nicht daran denke.


