„Fridays for Future“-Demo

Berlins Rot-Rot-Grün ruft Schüler zu Klima-Schulstreik auf

Am 20. September tagt das Klimakabinett, „Fridays for Future“ plant den Großstreik. Rot-Rot-Grün unterstützt sie.

Im April demonstrierten Schüler für mehr Klimaschutz im Invalidenpark. Am 20. September soll hier die größte Kundgebung stattfinden.

Im April demonstrierten Schüler für mehr Klimaschutz im Invalidenpark. Am 20. September soll hier die größte Kundgebung stattfinden.

Foto: Reto Klar

Bis zu 25.000 Demonstranten sind beim bislang größten Klimastreik in Berlin auf die Straßen gegangen. Das war im März, Greta Thunberg führte den freitäglichen Schulstreik für eine entschlossene Klimapolitik an. Jetzt wollen die Aktivisten von „Fridays for Future“ den Rekord brechen – und Rot-Rot-Grün hilft mit einem Aufruf an die Schulen.

Am 20. September, während im Regierungsviertel das sogenannte Klimakabinett der Großen Koalition seine Maßnahmen zum Erreichen der Klimaziele vorstellen möchte, will „Fridays for Future“ einen „globalen Großstreik“ organisieren. In 80 Ländern, an hunderten Orten in Deutschland und mit Teilnehmerrekord am Brandenburger Tor.

Jetzt hat erstmals auch die rot-rot-grüne Koalition im Berliner Abgeordnetenhaus die Schüler zum Demonstrieren aufgerufen. In einer Mitteilung der schulpolitischen Sprecherinnen der Regierungsfraktionen steht: „Diese Jugend macht Hoffnung! Wir stehen solidarisch an ihrer Seite!“ Und: „Wir rufen alle Berliner Schulen auf, den Globalen Klimastreiktag am 20. September 2019 zum Projekttag für die Einhaltung des Pariser Abkommens und gegen die anhaltende Klimazerstörung zu machen.“

„Wenn man den Gang zur Demonstration in die Reflexion im Unterricht einbettet, dann ist das durch das Berliner Schulgesetz gedeckt“, erklärt die Sprecherin für Bildung in der SPD-Fraktion Maja Lasić. Es sei ein einmaliger Aufruf zur Auseinandersetzung mit Themen wie demokratischer Teilhabe, Protest und Klimapolitik.

„Wenn eine ganze Schule kollektiv zur Demonstration geht, dann halte ich davon gar nichts“

Marianne Burkert-Eulitz, Sprecherin für Familie, Kinder und Jugend der Grünen im Abgeordnetenhaus sagt: „Es geht nicht darum, die Bewegung für die eigene Politik zu instrumentalisieren.“ Vielmehr sei es pädagogisch wertvoll für die Schüler, zu sehen, wie sich Kinder und Jugendliche zu einem Thema engagieren, bei dem „entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt werden.“

Anders sieht das Dirk Stettner, bildungspolitischer Sprecher der CDU. Zwar sei es auch in seinen Augen sinnvoll, sich im Unterricht mit Klimaschutz zu beschäftigen. „Wenn eine ganze Schule kollektiv zur Demonstration geht, dann halte ich davon gar nichts“, sagt Stettner.

Die Freitagsdemonstrationen der Schüler sind als Schulstreiks angelegt. Bislang hatte die Senatsverwaltung für Bildung immer auf die Schulpflicht verwiesen – und gleichzeitig auf die Wichtigkeit der demokratischen Teilhabe durch Schüler und die Möglichkeiten, das Fernbleiben vom Unterricht zu kompensieren. Der Aufruf der Regierungsfraktionen war nicht mit der Senatsverwaltung abgestimmt. Die Senatorin sagte dazu auf Anfrage: „Schulen können selbst entscheiden, ob sie sich an einem solchen Projekttag beteiligen.“

Alle Generationen sind aufgerufen, sich zu beteiligen

Auch die schulpolitischen Sprecherinnen betonen, dass es sich nicht um eine Aufruf zum Schulstreik handelt. Vielmehr gehe es darum, die Begleitung der Demonstration im Unterricht vor- und nachzubereiten. In der Mitteilung heißt es weiter: Weltweit hätten Schüler erkannt, dass sie sich einbringen und selbst für ihre und die Zukunft des Planeten auf der Straße kämpfen müssten.

„Fridays for Future“ mobilisiert seit Tagen Anhänger in den sozialen Medien. Unter dem Motto „#AlleFürsKlima“ soll die Kundgebung diesmal kein reiner Schülerstreik sein. Vielmehr steht ein breites Bündnis von mehreren Dutzend Organisationen dahinter. „Viele Erwachsene haben noch nicht verstanden, dass wir jungen Leute die Klimakrise nicht alleine aufhalten können. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Menschheit“, heißt es in einer Mitteilung der Initiatorin der Klimabewegung Greta Thunberg. Man rufe alle Generationen auf, sich am weltweiten Streik zu beteiligen.

Während sich bereits mehr als 12.000 Wissenschaftler als „Scientists for Future“ oder Unternehmer als „Entrepreneurs for Future“ hinter die Forderungen der Schülerbewegung gestellt haben, versuchen die Klimaaktivisten nun große Arbeitgeber und Gewerkschaften in Berlin zum Klimastreik zu überreden. So strahlten sie in der Nacht zum Freitag etwa die Zentrale der BVG, der Deutschen Bahn und den Sitz des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit Projektoren an: „Klimastreik 20.09. Wir brauchen Euch! Seid Ihr dabei?”

„Von den größten Arbeitgebern der Hauptstadt haben wir noch kein klares Ja zu den Forderungen der Jugend gehört. Werden sie ihre Mitarbeiter ermutigen, beim Klimastreik mitzumachen und sie freistellen?“, fragt Kirsten Krüger von Campaigning-Organisation „Fossil Free Berlin“. Die Antwort der BVG: „Das wäre kontraproduktiv“, so Sprecherin Petra Nelken. Gerade die klimafreundlichen öffentlichen Verkehrsmittel müssten an Tag der Kundgebung funktionieren. Der DGB ließ verlautbaren: Man unterstützte die Forderungen von „Fridays for Future“. Einen Streik möchte man sich allerdings für den Arbeitskampf vorbehalten.