Kurz bevor Marina Fasser zum letzten Mal auf ihr Hollandrad steigt, entlädt sich ein Sommergewitter über Berlin. Es ist der 28. Juni 2017. Die 31 Jahre alte Italienerin will in wenigen Wochen nach Wien ziehen, dort ein Doktorat beginnen. In Friedrichshain holt sie an diesem Mittwoch ihre übersetzten Zeugnisse ab, packt sie in eine braune Lederhandtasche. Sie trägt Jeans und eine schwarze Lederjacke.

Marina Fasser ist den Weg vielleicht hundert Mal gefahren. Warschauer Straße, um den Bersarinplatz, das holprige Stück auf dem Gehweg entlang der Petersburger, die Radspur auf der Danziger. Immer wieder Ampeln, warten, antreten. Kurz vor der Kreuzung mit der Greifswalder Straße endet die Radspur, mündet in die Rechtsabbiegespur.