Großprojekt

Darum verzögert sich die neue S-Bahnstrecke zum Hauptbahnhof

Es gibt Probleme im Untergrund: Die Strecke zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof geht wohl erst 2021 in Betrieb.

Hinter dem Berliner Hauptbahnhof findet der Neubau der S21 in Richtung Norden statt.

Hinter dem Berliner Hauptbahnhof findet der Neubau der S21 in Richtung Norden statt.

Foto: Simulation Deutsche Bahn

Berlin. Der Großflughafen BER, das Humboldt Forum, die Sanierung der Staatsoper: Berlin hat eine lange Liste von Großprojekten, die nicht pünktlich fertig wurden und werden. Nun droht einem weiteren wichtigen Vorhaben der Stadt neuer Zeitverzug.

Die City-S-Bahn, die den Berliner Norden mit dem Hauptbahnhof verbinden soll, kann offenbar nicht wie zuletzt angekündigt Ende nächsten Jahres eröffnet werden. Eine Inbetriebnahme der Strecke sei erst 2021 möglich, sagte Thomas Rüffer, Projektleiter der Bahntochter DB Netze. „Wir liegen zeitlich hinterher“, räumte Rüffer beim Baustellen-Rundgang am Montagabend ein. Ursprünglich sollten bereits 2017 die ersten S-Bahnzüge auf der Strecke fahren.

Neue City-S-Bahn S21 in Berlin: Neuer Zeitplan wird geprüft

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn bestätigte am Dienstag, dass der Zeitplan für das auch unter dem Kürzel S21 bekannte S-Bahn-Projekt aktuell überprüft werde. Eine vorläufige Inbetriebnahme der City S-Bahn in 2020 sei dabei von den baulichen Gegebenheiten und vom weiteren Baufortschritt in diesem Bereich abhängig. Eine genaue Aussage dazu könne voraussichtlich erst im Herbst 2019 getroffen werden, so die Sprecherin weiter. Der Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung verwies auf noch laufende Gespräche zum S21-Zeitplan.

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Laut Bahn-Projektleiter Rüffer gab es erhebliche Probleme bei den Anlagen, die etwa unter der Bundesstraße 96 (Heidestraße) sowie im Baufeld für ein auf dem Europaplatz geplantes, bis zu 150 Meter hohes Hochhaus errichtet wurden. Diese hätten zeitaufwendige Umplanungen sowie die Anwendung anderer als ursprünglich vorgesehener Bauverfahren notwendig gemacht, um die Tunnel fertigzustellen.

Unter anderem musste eine Maschine aus Norwegen herangeschafft werden, die sonst beim Bau von Ölplattformen im Meer zum Einsatz kommt. Inzwischen sind laut Rüffer die Anlagen im Rohbau fertig, es müssten aber noch Gleise verlegt sowie die Stromversorgung der Züge und Zugsicherungstechnik eingebaut werden.

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Deutsche Bahn und Berliner Senat halten Trasse der S21 für dringend notwendig

Die zwei Kilometer lange Strecke vom nördlichen Ring bis zum Hauptbahnhof ist Teil einer seit Langem geplanten zweiten Nord-Süd-Verbindung für die Berliner S-Bahn. Sowohl die Deutsche Bahn, als auch der Berliner Senat halten die Trasse für dringend notwendig, um den 2006 eröffneten Hauptbahnhof zunächst vom Norden, später auch von Süden her ans S-Bahnnetz anzuschließen. Derzeit fahren die rot-gelben Züge lediglich über die Stadtbahntrasse, also in Ost-West-Richtung, den Bahnknoten an.

Zugleich soll aber auch die bestehende Nord-Süd-Verbindung über Nordbahnhof, Friedrichstraße und Anhalter Bahnhof entlastet werden. Aktuell fahren dort Züge der S1, S2, S25 und S26 im Abstand von wenigen Minuten durch eine enge, kurvenreiche Tunnelstrecke. Die unterirdischen Anlagen sind inzwischen mehr als 80 Jahre alt. Entsprechend hoch ist der Wartungsaufwand und die Gefahr von Streckensperrungen.

Erste Teilstrecke der S21sollte schon 2017 in Betrieb gehen

Bereits das 1992 verabschiedete Pilzkonzept für den Bahnverkehr im wiedervereinten Berlin sah eine zweite Nord-Süd-Trasse für die S-Bahn vor. Doch es sollten fast zwei Jahrzehnte vergehen, bis im Juni 2011 der Bau in Angriff genommen wurde. Der von der damaligen Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) vorgestellte Zeitplan sah vor, dass die erste Teilstrecke, die den Hauptbahnhof im Norden mit den S-Bahnstationen Wedding und Westhafen verbindet, 2017 in Betrieb gehen sollte. Ab 2019 sollte die Strecke nach Süden bis zum Potsdamer Platz verlängert werden. Ein Zeitplan, der sich wegen zahlreicher Bauprobleme im Untergrund schnell als Makulatur erwies.

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Zug der Berliner City-S-Bahn soll im Zehnminutentakt pendeln

Um das erste, rund 400 Millionen Euro teure Teilstück der S21 bald nutzen zu können, einigten sich Bahn und Senat auf die Anlage eines vorläufigen Bahnsteigs nördlich des Hauptbahnhofs. Weil der Bahnsteig unterhalb der Invalidenstraße jedoch nur 80 Meter lang ist, können dort nur Züge halten, die aus maximal vier Wagen bestehen. Das Betriebskonzept für die City-S-Bahn sieht vor, dass der Zug im Zehnminutentakt zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof pendelt. Der S21-Halt unter dem Hauptbahnhof soll nach heutiger Planung im Jahr 2026 in Betrieb gehen.

Alexander Kaczmarek, Bahnbevollmächtigter für Berlin, hofft, dass bis dahin auch die Siemensbahn wieder in Betrieb ist. Derzeit laufen Voruntersuchungen, wie die 1980 stillgelegte S-Bahntrasse zwischen Siemensstadt und Jungfernheide reaktiviert werden kann. Ziel ist es, dass die S-Bahn den künftigen Siemens-Campus in nur 20 Minuten mit dem Hauptbahnhof verbindet.