Prozess in Berlin

Zigarette löste Brand mit drei Toten in Berliner Sauna aus

Drei Menschen starben bei dem Feuer in einem Saunaclub. Vier Männer stehen wegen fahrlässiger Tötung und Brandstiftung vor Gericht.

In einer Sauna in der Kurfürstenstraße in Schöneberg war am 5. Februar 2017  gegen Mitternacht ein Feuer ausgebrochen, das drei Todesopfer forderte. Ein Mann erlitt schwerste Verletzungen. Der Vorwurf: Der Betreiber sorgte nicht ausreichend für den Brandschutz.

In einer Sauna in der Kurfürstenstraße in Schöneberg war am 5. Februar 2017 gegen Mitternacht ein Feuer ausgebrochen, das drei Todesopfer forderte. Ein Mann erlitt schwerste Verletzungen. Der Vorwurf: Der Betreiber sorgte nicht ausreichend für den Brandschutz.

Foto: Peise

Berlin. Eine simple Zigarettenkippe hat drei Menschen das Leben gekostet. Weil sie nicht ordnungsgemäß entsorgt wurde. Bei dem durch die noch glühende Kippe ausgelösten Brand in einem Sauna-Club an der Kurfürstenstraße in Schöneberg wurden am 5. Februar 2017 drei Besucher getötet, ein Vierter erlitt schwerste Verletzungen. Ab kommenden Freitag müssen sich vier Männer wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Brandstiftung, zum Teil durch Unterlassen vor dem Landgericht verantworten.

Dem Angeklagten Tareq Al T. (37) wird vorgeworfen, als Gast der Sauna in einer Kabine des Clubs die Zigarettenkippe achtlos in einem Abfallbehälter entsorgt zu haben. Der noch glimmende Zigarettenrest entzündete zunächst eine Plastikmülltüte und breitete sich dann schnell aus, wodurch es zu einem Brand mit extrem starker Rauchgasentwicklung im gesamten Club kam.

Staatsanwalt: Brandschutz war nicht gewährleistet

Mitangeklagt sind Fabian W. (44) und Marcel M. (42). Sie sollen es nach Angaben der Staatsanwaltschaft als Geschäftsführer der Betreibergesellschaft unterlassen haben, die nötigen Umbaumaßnahmen durchzuführen, um den Club nach der Übernahme vom Vorbesitzer in einen den Brandschutzbestimmungen entsprechenden Zustand zu versetzen.

Der vierte Angeklagte Timo Z. (33) war zum Zeitpunkt der Brandkatastrophe Betriebsleiter des Sauna-Clubs. Für die Staatsanwaltschaft ist Z. in seiner beruflichen Funktion für den desolaten Zustand der Entrauchungsanlage ebenso verantwortlich wie für zugestellte Rettungswege, die die Feuerwehr so stark bei ihren Rettungsmaßnahmen behinderte, dass sie drei Sauna-Besucher nur noch tot bergen konnte. Von „katastrophalen und unverantwortlichen Zuständen“ sprach nach dem Einsatz ein Feuerwehrsprecher.

Die Entrauchungsanlage sorge nicht für den in einem Brandfall überlebenswichtigen Luftaustausch in den Räumen der Sauna, Notausgänge waren nicht beleuchtet und Rettungswege fanden die Einsatzkräfte verbaut und verstellt vor.

Den Angeklagten Al T. fassten die Ermittler aufgrund eines Hinweises aus der Bevölkerung, nachdem die Polizei zuvor einen Zeugenaufruf mit Bildern aus Kameras im Innern des Saunaclubs veröffentlicht hatte. Al T. soll zum Zeitpunkt, als er sich in dem Saunaclub aufhielt, Freigänger gewesen sein.

Die Situation nach Ausbruch des Brandes gegen 22.30 Uhr muss laut Zeugenaussagen praktisch unbeschreiblich gewesen sein. Bei der panischen Flucht vor den hochgiftigen Rauchgasen seien Gäste hilflos umhergeirrt und hätten selbst nach Wegen aus dem Gebäude suchen müssen, hieß es in einer Aussage. Die Feuerwehr wiederum hatte aufgrund der zugebauten oder verstellten Rettungswege massive Probleme, möglichst schnell an den Brandherd zu gelangen.

Sauna laut Bezirk ohne Genehmigung betrieben

Von Seiten des zuständigen Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg hieß es nach dem Brand, die Sauna sei nach ersten Erkenntnissen ohne Genehmigung betrieben worden.

Notwendige Umbaumaßnahmen hätten von der Bauaufsicht abgenommen werden müssen, dies sei nicht erfolgt. Ob ein ordnungsgemäßer Zustand des Sauna-Clubs den Tod der drei Besucher verhindert hätte, das ist die Frage die das Gericht jetzt klären muss.

Im Prozess werden neben anderen auch die Gäste als Zeugen gehört, die den verheerenden Brand damals überlebten.

Die Hauptverhandlung, für die fünf Tage angesetzt sind, ist vor allem geprägt von Gutachten der Brandsachverständigen und technischen Untersuchungsberichten. Ob sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußern werden, ist noch unklar.