Auftragsmord vermutet

Dieser Mann soll in Moabit geschossen haben: Zeugen gesucht

Nach den tödlichen Schüssen auf einen Georgier in Moabit wurde ein mutmaßlicher Täter, ein russischer Staatsangehöriger, festgenommen.

In Berlin wurde ein Mann von einem vorbeifahrenden Fahrradfahrer erschossen. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob es politische Hintergründe geben könnte.

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Berlin. Nach den tödlichen Schüssen auf einen Georgier im Kleinen Tiergarten in Moabit sucht die Berliner Polizei nun nach Zeugen. Die Tat ereignete sich am 23. August gegen 11.55 Uhr nahe der belebten Straßenkreuzung Turmstraße Ecke Stromstraße in einer Grünanlage.

Ein mutmaßlicher Täter, ein russischer Staatsangehöriger, wurde nur kurz nach der Tat festgenommen. Die Beschreibung des Mannes war so gut, dass die Ermittler sich sicher sind, den richtigen festgenommen zu haben. Der Mann sitzt seitdem in Untersuchungshaft und schweigt.

Die bisherigen Ermittlungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft ergaben, dass sich der Beschuldigte mit einem Fahrrad dem 40-jährigen Opfer genähert haben soll. Dann soll er mehrere Schüsse abgefeuert haben.

Wie die Polizei mitteilt, sei der Beschuldigte mit seinem Fahrrad geflüchtet und habe sich einen E-Scooter als mögliches Fluchtmittel bereitgestellt.

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Mann im Moabit erschossen - Mordkommission der Berliner Polizei fragt:

  • Wer hat den Beschuldigten zwischen dem 20. August und der Tat am 23. August gesehen?
  • Wer kann Hinweise zu seinen Aufenthaltsorten in diesem Zeitraum geben?
  • Wer kennt den Beschuldigten und kann sonstige Angaben machen?
  • Wer kann Angaben zu dem abgebildeten Fahrrad (Hersteller Commencal) machen?
  • Wer kann Angaben zu dem abgebildeten Scooter (VOLTeBoard M400 pro) machen?

Hinweise nimmt die 7. Mordkommission unter 030 4664 911 777 oder per Mail an LKA117@polizei.berlin.de oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Zeugen hatten die Tat am 23. August beobachtet. Sie sahen, wie sich ein Mann dem späteren Opfer auf dem Fahrrad näherte, ihm erst in den Rücken schoss und dann in den Kopf. Eine Frau berichtete der Berliner Morgenpost, dass K. regelrecht hingerichtet worden sei.

Mann in Berlin-Moabit erschossen - der Fall in Kürze:

  • Ein 40 Jahre alte Georgier ist am Freitag gegen 12 Uhr im Kleinen Tiergarten in Berlin-Moabit erschossen worden.
  • Ein Radfahrer gilt als tatverdächtig. Gegen den 49 Jahre alten Russen wurde Haftbefehl erlassen.
  • Die Berliner Polizei hat Fahndungsfotos veröffentlicht und bitte um Hinweise aus der Bevölkerung
  • Die Tatwaffe, eine Pistole, wurde am Holsteiner Ufer in der Spree, gefunden.
  • Eine Zeugin der Tat berichtete der Morgenpost, es habe sich um eine Art Hinrichtung gehandelt.
  • Möglicherweise handelt es sich um einen Auftragsmord.

Schüsse in Berlin-Moabit: Ist der Täter ein Auftragskiller?

Die Indizienlage gilt als gut. Es gibt zahlreiche Zeugen der Tat, und noch am selben Tag fischten Polizeitaucher am Holsteiner Ufer einen Beutel mit Sachen und der mutmaßlichen Tatwaffe aus der Spree. Das ist nur einige hundert Meter vom Tatort entfernt. Auch das Fahrrad wurde dort entdeckt.

Seitdem ranken sich um die Tat mehrere Gerüchte. Russische und georgische Medien berichten intensiv über den Fall. Im Fernsehen laufen Sondersendungen. Die deutschen Behörden geben sich allerdings zugeknöpft, wollen nichts bestätigen oder ausschließen und betonen, in alle Richtungen zu ermitteln. Nach Informationen der Berliner Morgenpost halten die Ermittler aber ein persönliches Motiv oder eine Raubstraftat für eher unwahrscheinlich. Vielmehr verdichten sich die Hinweise, dass es sich möglicherweise um einen Auftragsmord handelt.

Opfer war auf dem Weg zum Freitagsgebet in einer Moschee

Nach bisherigen Erkenntnisse war Zelimkhan K., der mit Frau und Kindern in Berlin lebte und hier von den Behörden zeitweise als islamistischer Gefährder geführt worden sein soll, auf dem Weg zum Freitagsgebet. Laut georgischen Medienberichten ist K. in seiner Heimat kein Unbekannter. Demnach soll K. während des zweiten Tschetschenien-Krieges (1999 bis 2009) als Kämpfer gegen russische Einheiten im Einsatz gewesen sein.

K. soll aus einem Dorf in der Pankissi-Schlucht im nordöstlichen Georgien stammen. Ein georgischer Fernsehsender zeigte Bilder aus seiner Heimat und sprach mit Angehörigen. Die Gegend ist mehrheitlich muslimisch geprägt. Auch in Berlin lebte K. streng religiös. Während des Tschetschenien-Kriegs soll er für die georgische Regierung als Vermittler tätig gewesen sein, die wegen seiner ausgezeichneten Ortskenntnisse immer wieder mit ihm zusammengearbeitet haben soll.

Auf K. sollen bereits mehrere Mordanschläge verübt worden sein

Nach unbestätigten Informationen soll der russische Geheimdienst FSB den Georgier K. aber als Terroristen eingestuft haben. Sie sahen K. als Mitglied der tschetschenischen Terrorgruppe „Kaukasisches Emirat“. Bereits im Jahr 2015 soll auf K. in der georgischen Hauptstadt Tiflis ein Mordanschlag verübt worden sein. Unbekannt gebliebene Täter sollen damals mehrfach auf ihn geschossen haben. Nach diesem Mordanschlag verließ K. mit seiner Familie Georgien und flüchtete nach Deutschland. Dem Sender rbb zufolge war K. ausreisepflichtig und sollte abgeschoben werden, wogegen er zuletzt geklagt haben soll.

War die Tat also ein Auftragsmord? Wenn ja, von wem? Wollten ehemalige Gefolgsleute K. aus dem Weg schaffen? Oder steckt hinter dem Mord gar der russische Geheimdienst? Auf Nachfrage will sich die Generalstaatsanwaltschaft nicht äußern und verweist auf die laufenden Ermittlungen. Die Bild-Zeitung zitiert einen Sohn von K., wonach auf seinen Vater bereits vier Mordanschläge verübt worden sein sollen - neben den Schüssen in Tiflis auch ein Gift-Anschlag.

Anschlag in Berlin angeblich in Zusammenhang zu Militäraktion

Georgische Medien berichten, dass der Anschlag in Berlin im Zusammenhang mit einer Militäraktion im Jahr 2012 stehen soll. Damals hatten Islamisten in der Lopota-Schlucht mehrere Geiseln genommen und sich Gefechte mit georgischen Einheiten geliefert. Auf beiden Seiten gab es Verluste. K. soll damals wegen seiner Kenntnisse als Unterhändler aufgetreten sein. Aufseiten der Islamisten kämpfte laut Medienberichten auch Ahmed Tschatajew. Er gilt wiederum als Drahtzieher des Terrorangriffs auf den Flughafen von Istanbul im Jahr 2016 mit Dutzenden Toten.

Aus der georgischen Botschaft hieß es auf Nachfrage der Berliner Morgenpost, dass es sehr bedauerlich sei, das Menschen mitten in Berlin auf so heimtückische Weise getötet werden. „Berlin ist eigentlich ein sicherer Ort für viele Menschen und so soll es auch bleiben“, sagte Konsul Kakhaber Shishniashvili auf Nachfrage. Die Behörden hätten schnell reagiert und einen Verdächtigen festgenommen.

Bundesanwaltschaft in Karlsruhe verfolgt die Ermittlungen

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe verfolgt die Ermittlungen sehr genau. „Wir haben die Sache im Blick und stehen im engen Kontakt mit der Berliner Justiz“, sagte ein Sprecher der obersten Strafverfolgungsbehörde am Montag. Für eine Übernahme des Falls durch den Generalbundesanwalt müsste es allerdings den Verdacht geben, dass hinter der Tat der „Geheimdienst einer fremden Macht“ stehen könnte. Für die Verfolgung „geheimdienstlicher Agententätigkeit“ ist die Spionage-Abteilung der Bundesanwaltschaft zuständig. Grund ist, dass dadurch die äußere Sicherheit Deutschlands gefährdet sein könnte.

Aus Berliner Justizkreisen war zu vernehmen, dass es aktuell keine Anzeichen gebe, dass die Berliner Generalstaatsanwaltschaft das Verfahren an Karlsruhe abgeben werde. Noch würde es sich um eine Mordermittlung handeln. Es wurde aber auch eingeräumt, dass der Staatsschutz bei den Ermittlungen involviert sei. Der mutmaßliche Täter, ein 49 Jahre alter Russe, soll als Tourist nach Berlin gereist sein. Es sei bislang keine Beziehung zwischen Opfer und Täter erkennbar.

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