FDP-Antrag

Kommt die Gamescom nach Berlin?

Die FDP fordert den Senat auf, die Computerspielemesse in die Stadt zu holen. Die Wirtschaftssenatorin stünde für Gespräche bereit.

Die FDP-Fraktion in der deutschen Hauptstadt fordert den Senat auf, sich um die Ausrichtung der weltgrößten Computerspielemesse Gamescom zu bewerben.

Die FDP-Fraktion in der deutschen Hauptstadt fordert den Senat auf, sich um die Ausrichtung der weltgrößten Computerspielemesse Gamescom zu bewerben.

Foto: Oliver Berg / dpa

Berlin. Der Berliner Senat soll sich dafür einsetzen, die weltweit besucherstärkste Messe für Computer- und Videospiele, die Gamescom, in die Stadt zu holen. Das geht aus einem Antrag der FDP-Fraktion vor, den die Partei in der kommenden Woche in das Abgeordnetenhaus einbringen will. Demnach solle der Senat Gespräche aufnehmen, mit dem Ziel, die jährliche Messe ab dem Jahr 2022 nach Berlin zu holen, heißt es in dem Papier, das der Berliner Morgenpost vorliegt.

Die noch bis Sonnabend laufende Gamescom findet seit 2009 auf dem Kölner Messegelände statt. Im vergangenen Jahr besuchten rund 370.000 Menschen die Veranstaltung. Erst im Frühjahr wurde der Vertrag zwischen dem ausrichtenden Verband „game“ und der Koelnmesse verlängert. Zur Vertragslaufzeit machten beide Seiten keine Angaben. Eine Sprecherin von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) erklärte auf Anfrage: „Wenn der game-Verband sich einen Umzug nach Berlin vorstellen kann, stehen wir natürlich sehr gern für Gespräche bereit.“ Der game-Verband lehnte auf Anfrage einen Kommentar zu dem Vorschlag ab.

Gamescom in Berlin: Links-Fraktion sieht FDP-Vorstoß kritisch

Die Links-Fraktion in Berlin sieht der FDP-Vorstoß kritisch: „Wenn die Veranstalter der Gamescom nach Berlin kommen wollen, freuen wir uns natürlich über die davon ausgehenden Impulse. Gleichzeitig sehen wir jedoch davon ab, aktiv um die Gamescom zu werben und damit die Standortkonkurrenz zwischen Köln und Berlin weiter anzuheizen“, teilte eine Sprecherin der Fraktion auf Anfrage mit.

In dem Antrag fordert die FDP den Senat zudem auf, ein eigenständiges Förder- und Maßnahmenprogramm zu entwickeln, um Berlin zum attraktivsten Standort für die Games-Branche in Europa zu machen. „Die Games-Branche trägt entscheidend zu technologischen und digitalen Innovationen bei. Sie gilt es zu unterstützen“, sagte der Sprecher für Digitalisierung, Bernd Schlömer. So könnte der Senat etwa verstärkt Entwicklungsaufträge für sogenannte „Serious Games“ vergeben, die unter anderem bei der Mediziner- oder Polizeiausbildung eingesetzt werden könnten, so Schlömer.

Berliner ein „Hotspot“ der Games-Branche

Die Wirtschaftsverwaltung verweist auf Anfrage darauf, dass die Branche in Berlin in den letzten Jahren bereits stark gewachsen sei. „Berlin ist eine Hochburg der Digital- und Kreativwirtschaft und wir werden weiter gemeinsam mit der Branche daran arbeiten, das innovative Potential bestmöglich auszunutzen“, sagte Wirtschaftssenatorin Pop. Mit rund 200 Games-Unternehmen, Dienstleistern, Institutionen, Verbänden und Lehrstühlen sei Berlin bereits heute der dichteste und vielfältigste Standort der Game-Industrie in Deutschland.

Auch der game-Verband teilte auf Anfrage mit, dass Berlin zu den „Hotspots der Games-Branche in Deutschland“ gehöre. Zuletzt hatten sich in der Stadt unter anderem Unternehmen wie ubisoft, Kolibri Games und auch internationale Studios wie voodoo oder etermax angesiedelt.

Berlins Erfolg hänge sowohl mit der hohen Attraktivität der Stadt als auch mit der regionalen Games-Förderung zusammen, sagte game-Vertreter Sebastian Mittag. „Klar ist aber auch: Ohne eine langfristig angelegte Bundesförderung bleiben die Wettbewerbsbedingungen für Games-Unternehmen in Berlin international kaum konkurrenzfähig“, so Mittag, der bei game Ansprechpartner für Berlin-Brandenburg ist, weiter. game begrüße daher den Antrag der FDP-Fraktion hinsichtlich der Ausarbeitung eines Förder- und Maßnahmenprogramms ausdrücklich.

Ob die Bundesförderung weitergeht, ist noch unklar

Im Bund steht die Förderung für die Games-Branche aktuell auf der Kippe: Zwar versprach die Regierung im Koalitionsvertrag eine Games-Förderung, und tatsächlich wurden für 2019 Subventionen in Höhe von 50 Millionen Euro geplant. Doch im Bundeshaushalt für 2020 fehlt bisher diese Summe. Auf der Gamescom in Köln versprach der zuständige Bundesminister Andreas Scheuer (CSU) aber, dass er dafür „fighten“ werde, damit die Förderung vom Parlament auch für 2020 bewilligt werde.

Der Berliner Senat rüttelt hingegen nicht an der Games-Förderung. Die Wirtschaftsverwaltung unterstützt die Gamesbranche nach eigenen Angaben über eine Vielzahl von Programmen. Insgesamt seien seit 2013 sind mehr als zwölf Millionen Euro in Ansiedlungs-, Wachstums- und Innovationsvorhaben von Gamesunternehmen geflossen. Darüber hinaus gebe es weitere Förderungen, unter anderem für Netzwerk-Events und auch für die Gemeinschaftsmessepräsentation der Gamesunternehmen auf der Gamescom in Köln, so die Wirtschaftsverwaltung.

Außerdem fördere auch das Medienboard Berlin-Brandenburg projektbezogen innovative interaktive Formate. „Für 2020 wollen wir das Standortmarketing inklusive der Games Capital Website deutlich ausbauen, damit der Berliner Games-Standort noch stärker als ein attraktiver Lebens- und Arbeitsort wahrgenommen wird und internationale Talente wie auch Firmen anzieht“, teilte die Wirtschaftsverwaltung mit.

Verband übt Kritik an Games-Förderung in Berlin

Dem games-Verband ist das nicht genug. Die Vereinigung kritisiert vor allem den fehlenden Fokus der Berliner Förderung: Das Medienboard etwa, unterstütze nicht nur reine Games, sondern auch Projekte, die medienübergreifend seien. „Daher fällt die reine Games-Förderung im Vergleich zu anderen Standorten zurück und zur Filmförderung sind die Summen immer noch marginal. Wir fordern daher eine Emanzipierung der Games-Förderung und eine Erhöhung der Gesamtfördersumme, die spezifisch für Games zur Verfügung gestellt wird“, heißt es in einem Papier des Verbands. Auch die Förderprogramme der Investitionsbanken in Berlin und Brandenburg seien nach wie vor nicht passend für Games-Unternehmen.