Umwelt

Förderprogramm startet: Berlins Dächer sollen grüner werden

Mit GründachPLUS möchte Umwelt-Senatorin Regine Günther einen Anreiz für Dach-Begrünung setzen. Aber ist ein grünes Dach auch sinnvoll?

Auf dem Bikinihaus in der Budapester Straße gibt es bereits eine Dachbegrünung.

Auf dem Bikinihaus in der Budapester Straße gibt es bereits eine Dachbegrünung.

Foto: imago stock&people / imago/robertharding

Berlin. Ein optischer Hingucker und eine aktive Maßnahme zum Klimaschutz zugleich: Mit bepflanzten Dächern möchte Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) Berlins Dächer grüner und ökologischer gestalten. Dafür hat die Grünen-Politikerin zusammen mit der Investitionsbank Berlin (IBB) und der Berliner Regenwasseragentur das Förderprogramm GründachPLUS gestartet.

Um es möglichst vielen Berlinern zu ermöglichen, mittels finanzieller Unterstützung das eigene Dach umzugestalten, stellt die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz zunächst bis 2023 Fördergelder in Höhe von 2,75 Millionen Euro zur Verfügung. Die Berliner Morgenpost gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum sollen die Berliner Dächer grüner werden?

„Berlin ist eine der grünsten Metropolen der ganzen Welt“, sagte Umweltsenatorin Regine Günther bei der Vorstellung des neuen Förderprogramms. Die Gründächer würden einen Beitrag dafür leisten, das dies so bliebe. Neben einer erhöhten Lebensqualität würde eine Dachbegrünung auch die Artenvielfalt stärken. Zudem könne mit ihnen auf den Klimawandel reagiert werden. Während sich herkömmliche Dächer im Sommer auf über 50 Grad erhitzten, würden begrünte Dächer sich nur um zehn bis 20 Grad erwärmen. Zudem sollen die Dächer Regenwasser auffangen. „Gründächer sollen die Funktion eines Schwammes erfüllen“, beschreibt Günther. Deshalb arbeite man auch mit der Berliner Regenwasseragentur zusammen.

Norbert Kühn, Professor an der Technischen Universität (TU) Berlin und Fachgebietsleiter für Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung, bringt noch einen weiteren Aspekt an: „Hinzu kommt, dass mit einer Begrünung das Haus isoliert wird. Bei guter Ausführung spart man so Heizkosten“, sagte Kühn der Morgenpost.

Wie möchte die Senatsverwaltung fördern?

Grundsätzlich gilt das neue Förderprogramm für Bestandsgebäude, die eine Begrünungsfläche von mindestens 100 Quadratmeter haben. Neubauten sind für die Förderung nicht vorgesehen. Bei der Förderung unterscheidet die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (SenUVK) zwischen zwei verschiedenen Modellen.

Wer eine reguläre Förderung, beispielsweise für sein Haus oder sein Garagendach beantragt, kann drei Viertel der Material- und Ausführungskosten aus Fördermitteln finanzieren lassen – solange der Ausbau nicht teurer als 60.000 Euro ist. Bis zu 10.000 Euro kann auch die Hälfte der Kosten für Planungs- und Beratungskosten aus dem Programm getragen werden.

Neben Wohngebäuden gilt das auch für Büro- und Gewerbegebäude. Neben der regulären Förderung gibt es noch das Programm „Green Roof Lab“. Dieses richtet sich an besonders innovative Projekte, die einen hohen gesellschaftlichen Nutzen versprechen. Wer beispielsweise sein Gebäude in exponierter Lage begrünen und für die Öffentlichkeit zugänglich machen möchte, hat gute Chancen, dass die Herstellungskosten vollständig übernommen werden.

Die Förderung beschränkt sich zunächst auf ein erweitertes Gebiet rund um den S-Bahn-Ring.

Wer hat Anspruch auf die Förderung?

Das Programm richtet sich an Hausbesitzer, die eine Bestands-Immobilien besitzen, auf der mindestens 100 Quadratmeter Grünfläche angebaut werden könnte. Neben den Grundeigentümern sind auch Erbbau- und Verfügungsberechtigte berechtigt, das Förderprogramm in Anspruch zu nehmen. Das hat den Effekt, dass beispielsweise Seniorenheime, Vereine oder Interessensgruppen einen Antrag auf Förderung stellen können – wenn sie die Erlaubnis des Verfügungsberechtigten eingeholt haben.

Die Antragsformulare gibt es im Internet unter www.gruendachplus.de.

Was kann überhaupt alles auf Dächern gepflanzt werden?

Bei der Begrünung gibt es kaum Einschränkungen. Einfache Dachbegrünungen mit Rasen oder Wildblumen kommen häufig vor. Doch es gibt auch Projekte, bei denen Gebäude mit ganzen Bäumen bepflanzt werden. Das Bosco Verticale in Mailand gehört zu den bekanntesten Beispielen.

Wer sich einen Baum auf das eigene Dach setzen möchte, sollte mögliche Risiken beachten, rät TU-Professor Kühn: „Zum einen sollte man auf hohen Dächern den Wind berücksichtigen, zum anderen fehlt es an nötigem Wurzelraum für große Bäume. Es gibt auch Bäume, die aggressive Wurzeln und Rhiziome ausbilden, und zum Problem für das Dach werden könnten. Dazu zählen Robinien, Götterbäume und Weiden. Die meisten Bäume benötigen zudem viel Wasser, so dass ein separates Bewässerungssystem nötig wird.“

Vertragen die Pflanzen die Sommerhitze?

Die zuletzt sehr heißen Hitzeperioden in diesem und im vergangenen Sommer haben einige Pflanzen austrocknen lassen. „Die vergangenen Sommer waren mit ihren heißen Trockenperioden extrem problematisch für Pflanzen auf Dächern“, sagt Kühn.

Aber es gebe auch Pflanzen, die die Hitze gut überstehen würden: „Dazu gehören Arten der Gattung Fetthenne, die sukkulent sind. Das bedeutet, dass diese Pflanzen selber Wasser speichern können.“ Zudem könne man Wasserspeichersysteme auf dem eigenen Gründach verbrauchen. „Auf der Deckschicht können Wasserspeichermatten integriert werden. Diese Noppen sind wenige Zentimeter hoch, so können pro Quadratmeter also fünf bis zehn Liter Regenwasser gespeichert werden“, sagt Kühn.

Kann jedes Dach genutzt werden?

Theoretisch können Begrünungen auch bei Satteldächern vorgenommen werden, üblich ist es aber, auf Flachdächern zu pflanzen. Wer sich für ein Gründach entscheidet, sollte dieses pflegen und regelmäßig in Augenschein nehmen, empfiehlt Kühn: „Für eine richtige Wartung sollten die Abflüsse regelmäßig kontrolliert werden, da sonst die Gefahr eines Wasserschadens besteht. Wenn sich Schilf bildet, kann das ein Indikator für ein Feuchtigkeitsproblem sein.“Laut Umwelt-Senatorin Günther würden derzeit vier Prozent der Berliner Dächer für Grünflächen genutzt werden, das entspreche der Fläche von 560 Fußballfeldern.

Was passiert, wenn das Fördergeld aufgebraucht ist?

Schon vor dem Start des Projekts habe es 35 Anfragen gegeben, berichtet Dirk Maass, Geschäftsführer der IBB Business Team GmbH, die das Förderprogramm umsetzt. Sollten die Mittel schon vor 2023 aufgebraucht sein, sei man bereit nachzulegen, sofern der Haushalt dies hergebe, sagte Günther.