Defensiv fahren, abwarten, den anderen Autofahrern die Initiative überlassen, dann Gas geben. Und wenn es knallt, ist der andere schuld. So funktioniert, in einfachen Worten beschrieben, die viel erprobte Masche, bei der mit fingierten Verkehrsunfällen die Versicherungen abgezockt werden. Salam J. soll ein wahrer Könner auf diesem Gebiet gewesen sein, glaubt zumindest die Berliner Staatsanwaltschaft. Nach langwierigen Ermittlungen hat sie den im Irak geborenen Deutschen angeklagt, seit Montag muss sich der 29-Jährige vor einem Schöffengericht verantworten.

23 Fälle zwischen Anfang 2012 und Ende 2015 sind in der Anklage aufgelistet. Dabei soll J. unübersichtliche und besonders „knifflige“ Verkehrssituationen abgepasst haben, um die Unfälle herbeizuführen und die alleinige Schuld hinterher auf den Unfallgegner abzuwälzen. 23-mal gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und gewerbsmäßiger Betrug wird dem Deutsch-Iraker vorgeworfen. Denn ausschließliches Ziel der Aktionen soll es gewesen sein, die Versicherungen zur Kasse zu bitten.