Tag der offenen Tür

Ein Blick hinter die Kulissen der Macht

Beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung strömen Zehntausende Besucher in die Bundesministerien.

Im Garten des Amtssitzes der Bundeskanzlerin kann man einen Hubschrauber der Bundespolizei inspizieren.

Im Garten des Amtssitzes der Bundeskanzlerin kann man einen Hubschrauber der Bundespolizei inspizieren.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Imposant stand sie da: die Limousine von Kanzlerin Angela Merkel. Direkt vor dem Eingang zum Bundeskanzleramt rang sie den Besuchern, die nach langer Wartezeit den Innenhof von Merkels Amtssitz betraten, ein erstes ehrfürchtiges Raunen ab. „Wow“, „cool“ oder „krass“ waren die Kommentare, die den Gästen des Tags der offenen Tür der Bundesregierung, entfuhren.

Nach nur ganz kurzem Zögern trauten sie sich dann auch nah heran an das gepanzerte Auto, schauten durch die Fenster oder setzten sich auf die Polizei-Motorräder, die um die Limousine herum platziert waren. Das Kanzlerfahrzeug war das erste von vielen beliebten Fotomotiven an diesem Tag.

Das ganze Wochenende über öffnen das Kanzleramt, die 14 Ministerien und das Bundespresseamt ihre Türen für einen „Staatsbesuch“ der Bürger – zum Tag der offenen Tür der Bundesregierung. Auf dem Programm stehen mehr als 800 Angebote, darunter Führungen, Diskussionsrunden, Ausstellungen, Mitmachaktionen und Musik. Erwartet werden dieses Jahr bei der 21. Auflage des Tags der offenen Tür Zehntausende Besucher. Im Vorjahr waren es laut Bundesregierung mehr als 130.000.

Amtssitz der Kanzlerin ist beliebtes Ausflugsziel

Besonders beliebt bei den Besuchern ist traditionell der Amtssitz der Bundeskanzlerin. Die Schlange hier ist berüchtigt, Gäste mussten am Sonnabend Zeit und Geduld mitbringen – etwa eine Stunde musste man warten, ehe Einlass gewährt wurde. Dafür spielte dann aber zur Begrüßung auch eine Marschkapelle und der rote Teppich war ausgerollt. Spätestens jetzt zückten die letzten Besucher ihre Handys und schossen Fotos vom Kanzleramt. Und auch im Haus drinnen wollten die aufmerksamen Gäste alles fotografieren.

Ein Ehepaar, das übers Wochenende aus Hannover in Berlin zu Besuch ist, hatte zufällig vom Tag der offenen Tür erfahren – und spontan die Chance für einen Besuch genutzt. „Das ist mal was ganz anderes, so ein Ausflug ins Kanzleramt“, sagte die Hannoveranerin. Von innen sei es viel größer als man von außen vermuten würde, war sich das Ehepaar einig. „330 Büros soll es hier geben. Das ist schon enorm.“ Übrigens: Am Sonntag führt Merkel persönlich durchs Haus.

Am Sonnabend stand im Haus der Bundespressekonferenz Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) den Besuchern Rede und Antwort. Der moderne Raum mit der berühmten blauen Wand war am Vormittag bis fast auf den letzten Platz gefüllt. Besucher lauschten den Worten der Ministerin – und fragten sie aus. Zu den Themen, die die Menschen hier interessierten, gehörten zum Beispiel E-Roller. Ein Gast aus Schleswig-Holstein wollte von Schulze wissen, wie sie zu dem trendigen Fortbewegungsmittel stehe. Die Ministerin antwortete offen: „Ich finde E-Roller in der Stadt total nervig. Und für mich ist das auch kein echter Beitrag zum Klimaschutz.“ Eine Studentin aus Berlin, die ebenfalls im Publikum saß, stellte der Umweltministerin eine persönliche Frage: „Ich würde gern wissen: Was tun Sie denn persönlich für den Klimaschutz?“ Schulze erklärte, dass sie bevorzugt Fahrrad fahre, seit Jahren kein Fleisch mehr esse und soweit wie möglich aufs Fliegen verzichte. „Privat in den Urlaub zu fliegen ist unvorstellbar für mich. Dienstlich fliege ich manchmal, aber privat verzichte ich darauf.“

Faszinierend: Szenen aus dem Fernseher real erleben

Das faszinierende am Tag der offenen Tür der Bundesregierung? Dass man als Normalsterblicher einmal einen Blick hinter die sonst verschlossenen Türen der Macht werfen kann. Eine Besucherin aus Wolfsburg, die sich die Pressekonferenz angesehen hat, sagte: „Die blaue Wand kennt man ja sonst nur aus den „Tagesthemen“. Das wollte ich schon immer mal in Echt sehen. Dass man den Politikern hier so nah kommt, hätte ich aber nicht gedacht.“

Wie bereits im vergangenem Jahr, lautet auch 2019 das Motto wieder „Hallo, Politik!“ Und es ist ein Jahr der Jubiläen: 30 Jahre Mauerfall, 70 Jahre Grundgesetz, 100 Jahre Weimarer Reichsverfassung. Zum Tag der offenen Tür können Besucher daher auch eine besonders gestaltete Jubiläumsausgabe des Grundgesetzes mitnehmen.

Zum Beispiel im Bundesinnenministerium. Auch hier mussten Besucher etwa eine Stunde Wartezeit einplanen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind an beiden Tagen hoch, Taschen werden durchleuchtet, Ausweise müssen vorgezeigt werden. In den Innenhöfen des Hauses erwarteten die Gäste dann verschiedene Stände. Hier stellte unter anderem das Deutsche Rote Kreuz seine Arbeit vor, aber auch die Polizei oder die Handwerkskammer.

Als besonderes Highlight konnte man beobachten, wie die Fallschirmspringer der GSG9 mit schwarz-rot-goldenen Fallschirmen aus einem Helikopter über dem Ministerium absprangen. Das sorgte insbesondere bei Kindern und ihren Vätern für begeisterte Ausrufe.

Ähnliche Szenen spielten sich auch im Bundesverteidigungsministerium ab. Im Hof des Bendlerblocks standen verschiedene Panzer, auf denen kletterten faszinierte Kinder herum. Ein weiteres Highlight: Der Kampfjet der Bundeswehr. Jeder Besucher, der sich durch die lange Warteschlange gequält hat, bekam hier von waschechten Soldaten die Technik erklärt. Probesitzen inklusive.

Programm

Zu den Höhepunkten gehört der traditionelle Rundgang von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntagnachmittag um 14 Uhr durch ihren Amtssitz, das Bundeskanzleramt. Im Bundesfinanzministerium werden ab 15.15 Uhr öffentliche Pfandsachen versteigert – darunter wertvoller Schmuck oder erlesene Spirituosen. Neu ist in diesem Jahr die App „Hallo, Politik“, die Besucher herunterladen können, um ihren Ministeriumsbesuch zu planen. Zum Beispiel, um Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) um 14.30 Uhr im Haus der Bundespressekonferenz zu befragen. Ganztägig fährt ein kostenloser Bus-Shuttle. An den Eingängen der beteiligten Häuser gibt es Sicherheitskontrollen. Besucher müssen einen Lichtbildausweis vorzeigen und sollten auf größere Gepäckstücke verzichten.