Luftfahrtschau

Künftig weniger Flugshows bei der ILA

Der Fokus der Luftfahrtschau am BER soll nach 2020 auf Innovationen liegen. Davon könnte auch die Industrie profitieren.

Die Zukunft der ILA ist gesichert. Künftig wird es aber weniger Flugshows geben.

Die Zukunft der ILA ist gesichert. Künftig wird es aber weniger Flugshows geben.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Wildau. Lange haben die Länder Berlin und Brandenburg um die Zukunft der Luftfahrtschau ILA gerungen. Klar ist mittlerweile: Die Leistungsschau der Luftfahrtindustrie wird es auch über das Jahr 2020 hinaus geben. Konzeptionell wird sich die Messe allerdings verändern, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bei einer Podiumsdiskussion in Wildau (Landkreis Dahme-Spreewald). „Wir sind uns mit Berlin einig, dass wir die ILA in der Region brauchen“, erklärte Woidke. Die Schau bedeute jedesmal einen Schritt nach vorne für die Luftindustrie-Unternehmen in der Region, sagte er. In ihrem Charakter werde die ILA auch deshalb „deutlich geändert“, erklärte Woidke. Künftig werde die ILA eine „Hochtechnologie-Messe“ sein, so Woidke.

Flugshows hingegen werden immer weniger im Fokus des Branchentreffens stehen. Die ILA findet am neuen Hauptstadt-Flughafen BER statt, nutzt dort auch Start- und Landebahn. Sollte der Airport wie geplant im Oktober 2020 eröffnen, gebe es künftig bei der ILA zwischen den regulären Starts- und Landungen nur noch kleine Zeitfenster für Flugschauen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Volker Thum. Der BDLI stehe komplett hinter dem Konzept, betonte Thum. Andere Luftfahrtmessen, etwa die „Asian Aerospace“ in Singapur, machten es vor, wie Messen während des laufenden Flugbetriebs an einem Airport durchgeführt werden könnten, so Thum.

ILA: Berlin und Brandenburg einigen sich bei Finanzierung

Künftig sollen Gelände und Hallen der ILA aber auch abseits der Messe-Zeiten genutzt werden. Erst kürzlich hatte die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) grünes Licht für den Kauf der Liegenschaften erhalten. Berlin und Brandenburg hatten in den vergangenen Wochen zudem weitere Weichen für die Zukunft der chronisch defizitären Luftschau gegeben. Die nächste ILA findet im Mai 2020 statt. Weitere Ausgaben bis 2030 standen zunächst auf der Kippe. Gerungen wurde vor allem um die Finanzierung. Bislang kam vor allem die Messe Berlin für die Verluste der Luftfahrtindustrie-Messe auf. Für die nächsten Jahre sei das Risiko nun fair verteilt, sagte der Berliner Senatskanzlei-Chef Christian Gaebler (SPD). „Darauf haben wir uns verständigt“, erklärte er. Finanzielle Details nannte Gaebler nicht.

Die Luftfahrtmesse lockt alle zwei Jahre Zehntausende Privat- und Fachbesucher nach Schönefeld. Fluggesellschaften besiegeln dort Millionengeschäfte, Hersteller zeigen Neuheiten. Schon vor zehn Jahren war die Erneuerung des jeweils zehnjährigen Vertrags eine Hängepartie gewesen. Der Veranstalter BDLI hatte zeitweise sogar damit gedroht, die Schau nach Leipzig-Halle zu verlagern. Künftig soll die ILA verstärkt Schaufenster für die Leistungsstärke der hier ansässigen Luft- und Raumfahrtindustrie werden, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Woidke. „Die Hauptstadtregion hat sich in den vergangenen fast 30 Jahren zum drittwichtigsten Standort der Luft- und Raumfahrtindustrie entwickelt. Sie zählt zu den absoluten Zukunftsbranchen“, betonte Woidke.

Mittlerweile sind in beiden Ländern mehr als rund 160 Unternehmen und Organisationen in dem Bereich tätig. Etwa 25.000 Menschen leben in der Hauptstadtregion nach Angaben des BDLI von der Luft- und Raumfahrt. Mit inzwischen 7500 Industrie-Arbeitsplätzen sind die Beschäftigungszahlen in den vergangenen Jahren zudem deutlich gewachsen. Weltmarktführer wie Rolls-Royce und MTU bauen hier Spitzentechnologie.

Rolls-Royce arbeite hier auch an den Flugzeugantrieben der Zukunft, sagte der Entwicklungschef des britischen Unternehmens, Peter Wehle. Künftig würden bei Fliegern auch Elektro- und Hybridantriebe eine Rolle spielen, auch Wasserstoffspeicher mit angeschlossener Brennstoffzelle seien in Flugzeugen denkbar. Zudem nehme die Digitalisierung zu, wenn es darum gehe, die Triebwerke effektiver auszulasten, so Wehle. Soll das Fliegen in naher Zukunft aber tatsächlich emissionsärmer sein, hätten auch Airlines und Flughäfen eine Verantwortung. Um weiter CO2 einzusparen, könnten Airports etwa dafür sorgen, vor dem Abheben Warteschlangen von Maschinen zu vermeiden, so Wehle.