Bildung

Berlin rutscht in Bildungsranking auf letzten Platz ab

Bei einem neuen Ländervergleich zur Bildungsqualität belegt Berlin den letzten Platz. 2018 rangierte die Hauptstadt noch auf Rang 13.

In einer ersten Klasse der Evangelischen Grundschule hilft ein Lehrer einer Schülerin während des Unterrichts.

In einer ersten Klasse der Evangelischen Grundschule hilft ein Lehrer einer Schülerin während des Unterrichts.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Berlin. Letzter Platz der Bundesländer im Ranking des diesjährigen Bildungsmonitors – Berlin trägt wieder die rote Laterne. Hatte man letztes Jahr noch den 13. Platz belegt, fällt man nun auf Platz 16 zurück. Auch ganz unten, auf dem vorletzten Platz, findet sich das benachbarte Bundesland Brandenburg. Und doch lohnt sich ein genauer Blick, denn die Gründe für das schlechte Abschneiden sind in beiden Ländern unterschiedlich.

So wird in der Hauptstadt die Schulqualität bemängelt. Zwar liegt die Zahl der offenen und gebundenen Ganztagsschulen mit fast 80 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt (nur 42 Prozent), doch gelernt wird offenbar zu wenig. Bei den Schülervergleichsarbeiten des IQB – des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen – erreiche „ein relativ hoher Anteil der Schüler nicht die Mindeststandards“, heißt es im Bildungsmonitor. Bemängelt werden auch die Klassengrößen an Grundschulen, die höher sind als in vielen anderen Bundesländern.

Zu guter Letzt liege die Schulabbrecherquote 2017 mit 9,2 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt (6,3 Prozent), bei ausländischen Jugendlichen erreicht diese Quote sogar 20,8 Prozent. Eine Caritas-Studie hatte zuletzt von einer höheren Schulabbrecherquote von 11,7 Prozent für 2017 gesprochen. Doch dieser Wert deckt sich nicht mit den Zahlen des Statistischen Landesamtes, die dem aktuellen Bildungsmonitor entsprechen.

„INSM-Bildungsmonitor“: Berlin mit schlechtester Ausbildungsplatz-Quote in ganz Deutschland

Der Bildungsmonitor, der im Auftrag der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ zusammengestellt wird, geht aber über die Schulzeit hinaus – auch die spätere Berufsausbildung und die Universitäten sind hier im Blick. Die Zahl der angebotenen betrieblichen Ausbildungsplätze sei in der Hauptstadt unterdurchschnittlich, heißt es nun – die schlechteste Quote in ganz Deutschland. Dadurch blieben viele Jugendliche ohne ein Ausbildungsplatz-Angebot: fast 15 Prozent sind es hier, im Bundesdurchschnitt dagegen nur 9,3 Prozent.

Es macht sich in diesem Punkt bemerkbar, dass Berlin verhältnismäßig wenig Industrie hat. Die meisten Ausbildungsplätze werden im Hotel- und Gaststättengewerbe angeboten. Dort hat man allerdings schwierige Arbeitszeiten, die Abbrecherquote unter den Auszubildenden ist hier traditionell hoch. Auch das schlägt sich nun statistisch nieder: über 39 Prozent der jungen Arbeitnehmer brechen ihre Ausbildung vorzeitig ab – im Bundesdurchschnitt sind es nur 28,3 Prozent.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) kündigte deshalb an, mit dem Hotel- und Gaststättenverband Kontakt aufzunehmen. Außerdem ist ab 2020 zusammen mit der IHK ein Talentecheck für Achtklässler geplant, damit die früher eine klare Vorstellung von ihrer Berufswahl kriegen. Axel Plünnecke, Studienleiter des Bildungsmonitors, hat aber noch eine weitere Erklärung für den hohen Ausbildungsabbruch, die mit der unterdurchschnittlichen Schulqualität der Stadt zusammenhängt. Verlassen die Schüler mit zu wenig Können die Schule, kann das auch später noch zum Problem werden. „Wenn die Wissenslücken größer werden, ist der Ausbildungsabbruch wahrscheinlicher“, sagte Plünnecke.

„INSM-Bildungsmonitor“: Zu viele Schüler erreichen in Berlin nicht Mindeststandards

Zum schlechten Abschneiden Berlins beim Bildungsmonitor äußerte sich auch Bildungssenatorin Scheeres. „Bei uns wächst jedes dritte Kind in Armut auf“, sagte sie. Durch diese soziale Ungerechtigkeit hätten die Schulen mit ihrer Schülerschaft häufig schwere Ausgangsbedingungen. Trotzdem müssten die Lernergebnisse besser werden, drum habe man zuletzt ja eine Qualitätskommission Bildung ins Leben gerufen.

Scheeres betonte aber auch die positiven Aspekte Berlins im Bildungsmonitor. Besonders gut schneidet die Stadt im akademischen Bereich ab. So trage die Stadt „in hohem Maße zur Ausbildung des Forschernachwuchses bei“, heißt es im Bildungsmonitor. Berlin hat die beste Promotionsquote Deutschlands. Auch beim Erwerb von Drittmitteln liegen Berlins Universitäten vorne.

Brandenburg belegt im Ranking den vorletzten Platz. Doch im Nachbarland gibt es andere Stärken und Schwächen. So ist die Schulqualität Brandenburgs – außer in Englisch – hoch. Vergleichsarbeiten des IQB zeigten, das unter den Neuntklässlern nur wenige Schüler zur Risikogruppe gehören. Sprich: Brandenburgs Schüler sind leistungsstark in Naturwissenschaften, Mathematik und im Lesen. Im Ländervergleich liegt man in diesem Punkt auf dem dritten Platz. Allerdings ist die Schulabbrecherquote auch hier leicht erhöht. Doch mit 7,3 Prozent liegt man knapp über dem Bundesdurchschnitt. Einen Punkt aber moniert der Bildungsmonitor: fast 17 Prozent der Brandenburger Schüler werden verspätet eingeschult.

Eindeutige Schwächen zeigen sich dagegen im akademischen Bereich Brandenburgs. Es wird wenig promoviert und noch weniger habilitiert – hier liegt man bundesweit auf dem letzten Platz. Auch in der Drittmittelanwerbung ist man an den Universitäten nicht sehr stark.

Ähnlich schlecht wie in Berlin sieht es bei den Ausbildungsberufen aus. Pro Jugendlichem gibt es im Vergleich zum restlichen Deutschland relativ wenig Job-Angebote. 9,6 Prozent der Bewerber bleiben hier am Ende ohne Ausbildungsplatz – weniger als in der Hauptstadt.