Bahnverkehr

Berlin bekommt weitere Zugverbindungen nach Wien

Die Bahn überlegt, neue Intercity-Züge nachts bis nach Österreich fahren zu lassen. Die ÖBB prüft, den Vindobona wiederzubeleben.

Vorläufiger Entwurf für die neue Intercity-Linie

Vorläufiger Entwurf für die neue Intercity-Linie

Foto: Foto: DB/Priegnitz, Bearbeitung: N+P Industrial Design

Berlin. Die Berliner können im Bahnverkehr auf weitere Direktverbindungen nach Süddeutschland sowie nach Prag und Wien hoffen. So gibt es bei der Deutschen Bahn aktuell Überlegungen, eine neue Nachtzugverbindung in die österreichische Hauptstadt einzurichten. Die Züge könnten dabei von Warnemünde über Berlin, Leipzig, Regensburg, Passau und Linz bis nach Wien und wieder zurück fahren. Offiziell bestätigten will die Bahn das Projekt allerdings noch nicht. „Der Stand kann sich in den nächsten Wochen noch einmal ändern, deshalb können wir diese Meldung noch nicht bestätigen und vor allem die Haltestellen noch nicht endgültig benennen“, zitierte RBB.24 am Wochenende einen Bahnsprecher. Zuerst hatte der Norddeutsche Rundfunk über das Vorhaben berichtet.

Hintergrund der Überlegungen: Zum Fahrplanwechsel Anfang Dezember startet die Deutsche Bahn eine neue Intercity-Linie, die in Zweistundentakt Rostock, Berlin und Dresden verbindet. Zunächst werden auf der Stecke ältere lokbespannte IC-Züge eingesetzt.

Ab Frühjahr sollen aber acht moderne Triebwagenzüge zum Einsatz kommen, die die Deutsche Bahn erst im Juli der österreichischen Westbahn abgekauft hat. Die Doppelstock-Züge seien größtenteils erst zwei Jahre alt und hätten bei den Kunden höchste Zufriedenheitswerte erreicht, hieß es damals bei der Bahn. Zu hören ist auch, dass die Züge weiter vom Hersteller Stadler gewartet sollen und dafür dann regelmäßig zu einem Stützpunkt nach Österreich gebracht werden müssen. Auf den ohnehin notwendigen Überführungsfahrten könnten auch Reisende befördert werden. Laut NDR soll der neue Nacht-IC über Waren, Neustrelitz, Berlin, Leipzig, die Saaletalstrecke und Nürnberg fahren.

Konkreter werden jetzt auch die Pläne der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) für eine weitere Direktverbindung Berlin–Wien. Kurt Bauer, der Leiter der ÖBB-Fernverkehrssparte, hatte die neue umsteigefreie Verbindung, die nach Vorbild des legendären Vindobona über Prag führen soll, bereits im Juli im Interview der Berliner Morgenpost angekündigt.

Die einstige Vorzeigestrecke der DDR-Reichsbahn war 2014 endgültig eingestellt worden. Wie die „Berliner Zeitung“ mit Berufung auf Fahrplanentwürfe für die Bahn in Tschechien schreibt, soll der neue Zug ab Anfang Mai als Railjet 256/257 wieder fahren.

Vor allem bei den jüngsten „Fridays for Future“-Demonstrationen waren Forderungen laut geworden, zur Verringerung von klimaschädlichen CO2-Emissionen innerhalb Deutschlands und Europas auf Flüge zu verzichten öfter mit der Bahn zu fahren. Gerade im grenzüberschreitenden Verkehr mangelt es jedoch vielfach an attraktiven Alternativen zum schnelleren und oft auch billigeren Flugzeug. In der Kritik steht dabei auch die Deutsche Bahn, die 2016 mit Verweis auf zu hohe Kostenden klassischen Nachtzugverkehr eingestellt hat. Auch künftig will die Bahn auf Schlaf- und Liegewagen verzichten. Stattdessen sollen aber mehr ICE und IC auch über Nacht fahren. Die Züge bieten den Reisenden allerdings nur Sitzplätze.