Verkehr in Berlin

So läuft ein Sicherheitstraining auf dem E-Scooter

Bei einem Sicherheitstraining in Friedrichshain machen sich die Teilnehmer mit den E-Rollern vertraut. Ein Selbstversuch.

Wohl oder wehe? Die E-Scooter sind los

Die seit kurzem erlaubten Elektro-Tretroller erweisen sich als umstrittenes neues Phänomen im Bereich der individuellen Elektromobilität.

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Berlin. Es muss für Außenstehende ein ungewöhnlicher Anblick sein, was sich an diesem Sonnabendmittag auf einem Platz neben der Mercedes-Benz Arena in Friedrichshain abspielt: Etwa 30 Männer und Frauen mit weißen Helmen auf dem Kopf strecken abwechselnd ein Bein zur Seite, drehen gleichzeitig den Kopf in dieselbe Richtung. Alle sind mit E-Scootern unterwegs. Der US-amerikanische Fahrrad- und E-Roller-Vermieter „Lime“ veranstaltet das erste Fahrsicherheitstraining in Berlin – und ich bin dabei.

Seit Juni sind die elektrischen Tretroller in Berlin zugelassen. Recht schnell häuften sich die Klagen über rücksichtloses Fahren und auf Gehwegen abgestellte Roller. Laut Polizeipräsidentin Barbara Slowik gab es in den ersten sieben Wochen 38 Unfälle, 32 davon von den Rollerfahrern verursacht. Seit Mittwoch gibt es deshalb zwei Parkverbotszonen: Rund um das Brandenburger Tor und das Holocaust-Mahnmal in Mitte.

Für mehr Sicherheit wollen auch die E-Scooter-Firmen selbst sorgen – mit Fahrsicherheitstrainings, wie zum Beispiel der Vermieter „Lime“ am Sonnabend auf dem Platz neben der Mercedes-Benz Arena. Man wolle von nun an in allen deutschen Städten in denen Lime aktiv ist alle 14 Tage eines anbieten, sagte ein Sprecher. Nutzer der Lime-App bekämen automatisch eine Einladung zum Training. Die Teilnahme ist kostenlos. Und die Nachfrage groß: Nach zehn Minuten sei ein Termin in der Regel ausgebucht, sagt Lime-Deutschland-Chef Jashar Seyfi.

Zusammen mit rund 30 anderen Teilnehmern warte ich auf den Training-Start. An jedem vor Ort aufgestellten E-Scooter hängt ein weißer faltbarer Helm. Bilal, unser „Instructor“ in grüner Warnweste, fordert uns auf, uns einen passenden zu nehmen – es gibt ihn in zwei Größen. Da stehen wir nun behelmt und lauschen im Halbkreis Bilas Erklärungen: Der Verkehr sei ein Dschungel, „in diesem müssen wir uns zurecht finden!“ Heißt konkret: Gehwege und das Fahren zu zweit auf einem Roller sind Tabu.

Unser „Instructor“ erklärt uns die verschiedenen Bestandteile des Roller: zwei Bremsen, Klingel, Beschleunigungshebel, Stütze. Dann geht es los. Aufgeteilt in zwei Gruppen drehen wir unsere ersten Runden auf den E-Scootern. Ein kurzer Blick zu meinen Mitfahrern: Einige fahren noch recht zaghaft und vorsichtig, andere brausen zügig über den Vorplatz. Ein paar Runden später fahren jedoch fast alle recht sicher. Noch eine Runde und noch eine – mir wird langsam schwindlig. Endlich ruft uns Bilal zum Halten auf. Es soll nun ums Blinken gehen. Blinken mit dem E-Scooter – wie soll das gehen? Laut Bilal ganz einfach: Entweder rechtes oder linkes Bein rausstrecken und dazu einen Schulterblick in die entsprechende Richtung – „das gibt die meiste Stabilität“. Die E-Scooter-Tester lächeln. „Denken die anderen dann nicht, dass ich Faxen mache?“, fragt ein Teilnehmer. „Ausprobieren!“, entgegnet unser „Instructor“. So fahren wir jetzt im Kreis, strecken abwechseln das eine oder andere Bein zur Seite, drehen passend dazu die Schulter. Das Ganze sieht schon sehr amüsant aus, ein wenig nach Ballett auf E-Scootern.

Schneller Stopp: Beide Bremsen gleichzeitig drücken

Nächster Punkt: Wir umfahren im Slalom auf dem Boden aufgestellte Hüttchen. Trotz begrenztem Platz läuft es recht gut. Zusammenstöße gibt es keine. Mit lauter Stimme ruft uns unser „Instructor“ wieder zusammen. Oft genug gehe leider eine Autotür auf, berichtet er. Notwendig sei dann eine Vollbremsung. Und die funktioniere so: Beide Bremsen gleichzeitig drücken plus für mehr Druck leicht das Körpergewicht nach hinten verlagern. Wir sind wieder an der Reihe. Mit Anlauf fahre ich auf eine Säule zu, drücke auf beide Bremsen und komme recht schnell zum Stehen.

Zwei Teilnehmer verlassen das Testgelände, fahren auf die Straße. „Die Straße ist noch tabu!“, ruft sie Bilal zurück. Der letzte Teil des Trainings: kreuz und quer fahren“. Alle fahren wild umher, klingeln, bremsen, „blinken“. Es macht auf jeden Fall großen Spaß. Nach rund einer Stunde ist das Fahrsicherheitstraining vorbei. „Ihr wart ein toller Kurs, keine Randalierer.“ Mit diesen Worten werden wir von Bilal verabschiedet.

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