Radikale Idee

Mittelstandsverband schlägt Abriss des Messegeländes vor

| Lesedauer: 5 Minuten
Platz für ein neues Stadtviertel? Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU in Berlin schlägt den Abriss des Messegeländes vor.

Platz für ein neues Stadtviertel? Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU in Berlin schlägt den Abriss des Messegeländes vor.

Foto: Messe Berlin GmbH

MIT-Pläne: Gelände in Charlottenburg könnte neues Stadtviertel werden. Ein neues Messe-Areal soll vor den Toren Berlins gebaut werden.

Berlin. In der Diskussion um die Zukunft der Messe Berlin schlägt die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU Berlin eine radikale Idee vor. Wie aus einem der Berliner Morgenpost vorliegenden Konzept hervorgeht, will sich der Verband für den Abriss des bestehenden Messegeländes in Charlottenburg-Wilmersdorf einsetzen. Auf der Fläche im Westen der deutschen Hauptstadt könnte dann ein völlig neues Stadtviertel entstehen. Das eigentliche Messegelände soll den MIT-Pläne zufolge vor den Toren Berlins neu gebaut werden. Als Standort schlägt die Vereinigung dafür ein Gelände neben dem künftigen Hauptstadtflughafen BER vor.

„Das ist eine Riesenchance für ein völlig neues Quartier in Berlin und für die Weiterentwicklung der Messe“, sagte der MIT-Landesvorsitzende Christian Gräff der Berliner Morgenpost. Gräff ist auch wirtschaftspolitischer Sprecher der Partei im Berliner Abgeordnetenhaus. „Eine andere Nutzung des bestehenden Messegeländes würde eine riesige städtebauliche Chance eröffnen, um die uns andere Metropolen beneiden würden“, erklärte Gräff.

Messe Berlin: Gelände ist rund 550.000 Quadratmeter groß

Das Messegelände im Ortsteil Westend hat eine Größe von knapp 550.000 Quadratmetern. Dort könnte in prominenter Innenstadtlage ein komplett neuer Stadtteil entstehen, heißt es in einem MIT-Papier. So würde Platz für dringend benötigte neue Wohnungen und für innerstädtisches Gewerbe geschaffen.

Unterstützung für das MIT-Konzept kommt von Architekt und Stadtplaner Christoph Langhof, der in Berlin unter anderem die Zentrale der Berliner Wasserbetriebe, das Horst-Korber-Zentrum beim Olympiastadion sowie das Hochhaus Upper West am Breitscheidplatz entworfen hat. „Ein Messegelände mitten in der Stadt ist nicht mehr zeitgemäß“, sagte Langhof. Angesichts des Wohnungsmangels in der Stadt und der verkehrstechnischen Herausforderungen, vor denen Berlin steht, könne das Areal besser genutzt werden, erklärte Langhof, der auch Mitglied des Stadtplanungsausschusses der Berliner Industrie- und Handelskammer ist.

Senat arbeitet stattdessen am Masterplan zur Sanierung des Geländes

Innerhalb des Senatskoalition dürfte der Vorschlag allerdings auf Unverständnis stoßen. Denn die rot-rot-grüne Koalition hat andere Pläne mit dem Messegelände unterm Funkturm: Das Areal und die darauf befindlichen Hallen soll in den kommenden 15 Jahren komplett saniert werden. Die Kosten des „Masterplans Stufe 1“ wurden 2015 auf 450 Millionen Euro geschätzt.

Bereits im Herbst soll die Sanierung der Hallen 12 bis 17 („Funkturminnenring“) starten, die bis 2023 andauern dürfte. Ausgaben in Höhe von 137,5 Millionen Euro sind dafür eingeplant. 34,5 Millionen Euro schießt der Senat aus dem Landeshaushalt hinzu, weitere 25 Millionen Euro kommen aus dem landeseigenen Investitionsfonds Siwana. Den großen Rest muss die Berliner Messe GmbH allerdings über Kredite selbst finanzieren. Um die Kreditaufnahme zu erleichtern, sollen die öffentliche Grundstücke auf dem Messegelände auf das Landesunternehmen übertragen werden. Daran arbeitet die Koalition noch.

In den vergangenen Jahren hatte die Messe auch zwei neue Hallen errichten lassen. Der CityCube wurde bereits 2014 in Betrieb genommen. Noch in diesem Monat soll zudem mit dem Hub27 ein weiteres Gebäude eröffnet werden. Die neuen Gebäude – und denkmalgeschützte Bauten wie das Palais am Funkturm – könnten, so die MIT, auch innerhalb eines neuen Stadtviertels weiter genutzt werden, so der Verband. Ebenso das ICC. Das sanierungsbedürftige Internationale Congress Center könnte in Teilen wieder Kongresse beherbergen, andere Flächen des Gebäudes könnten aber auch als Verkaufs- oder Hotelfläche genutzt werden, heißt es in dem Papier.

Andere Städte haben Umzug des Messegeländes vorgemacht

Dass die radikalen Ideen der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung nicht jedweder Grundlagen entbehren, zeigen Beispiele aus anderen deutschen Städten: Die Messe Stuttgart war bis 2007 auf einem innerstädtische Areal beheimatet. Als die Landesgesellschaft mit ihren 13 Hallen an räumlichen Grenzen stoß und auch die Verkehrsprobleme zunahmen, verlegten die Gesellschafter die Messe an den Stadtrand. Der Bau des neuen Messegeländes in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs läuft bis heute und verschlang bislang rund eine Milliarden Euro. Auch in München verlegte die Stadt das Messegelände: Die Neue Messe München wurde 1998 auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens in München-Riem eröffnet.

Ein ähnlicher Standort für die neue Berliner Messe schwebt auch der MIT vor. Bevorzugter Platz für das neue Messegelände wäre in direkter Nähe des BER. Damit wäre die neue Messe auch an die führende Verkehrsinfrastruktur der Stadt angeboten, so die MIT. Auch die Kosten für den Neubau hat der CDU-nahe Verband bereits berechnet: 1,5 Milliarden Euro wären wohl nötig, um ein modernes, zukunftsweisendes Messegelände errichten zu können.