Bauvorhaben

Der Wohnungsbau ist in Berlin sehr ungleich verteilt

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J. Fahrun und C. Latz
Wohnungsbau in Köpenick. (Archivbild)

Wohnungsbau in Köpenick. (Archivbild)

Foto: Soeren Stache / ZB

Landeseigene Konzerne bauen überwiegend in vier Außenbezirken. Probleme gibt es bei Studentenwohnungen und Flüchtlingsunterkünften.

Berlin. Die Ziele des Senats beim Bau von neuen landeseigenen und damit in der Regel bezahlbaren Wohnungen werden in dieser Legislaturperiode verfehlt. Statt der politisch gewünschten 30.000 werden die sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften nach den neuesten Projektionen der Stadtentwicklungsverwaltung bis 2021 nur 26.149 neue Wohnungen fertigstellen.

Mittelfristig gehen die Wohnungskonzerne jedoch von mehr aus. Für 2020 ist ein Anstieg der Baubeginne angekündigt. Insgesamt sehen die Wohnungsbaugesellschaften Degewo, Gesobau, Gewobag, Howoge, Stadt und Land und WBM Projekte für 49.000 Wohnungen vor.

Diese Wohnungen werden sehr ungleich über die verschiedenen Regionen der Stadt verteilt. Ein Fünftel soll allein in Lichtenberg entstehen. Auch Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Spandau werden in einigen Jahren über deutlich mehr landeseigene Wohnungen verfügen als heute. Für Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf wird nur mit einem Plus von jeweils weniger als 1000 Einheiten gerechnet.

Erst 734 Studentenwohnungen sind bisher entstanden

Der SPD-Stadtentwicklungsexperte Daniel Buchholz kritisiert diese Verteilung. „Blamabel“ nannte Buchholz die geringen Zahlen gerade in den beiden flächenreichen Außenbezirken Reinickendorf und Steglitz-Zehendorf, in denen die CDU den Bürgermeister stellt. „Dass die nicht in einer Liga mit Spandau spielen, ist ein Armutszeugnis“, so der aus Spandau stammende Sozialdemokrat.

Während also der Bau normaler landeseigener Wohnungen zwar langsamer als geplant, aber doch voranschreitet, bleiben auch in zwei wichtigen Spezialsegmenten des Wohnungsbaus die Resultate hinter den Erwartungen zurück. Die Unterkünfte für Studierende und für Flüchtlinge entstehen langsamer als erwartet.

Bereits im April 2013 hatte der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) 5000 zusätzliche Wohnungen für Studenten angekündigt. Offiziell beschlossen wurde die Zahl 5000 vom damals noch rot-schwarzen Senat im Juli 2015. An dieser Zielmarke hat der rot-rot-grüne Senat unter Wowereits Nachfolger Michael Müller festgehalten.

Aber mehr als sechs Jahre nach Wowereits Ankündigung steht erst ein Bruchteil der Wohnplätze den jungen Leuten zur Verfügung. Ganze 734 Wohnungen wurden „realisiert“, davon mehr als die Hälfte von der städtischen Spezial-Immobiliengesellschaft Berlinovo, heißt es in der Vorlage für die Senatssitzung am Dienstag.

Berlinovo setzt auf eigene Studentenwohnhäuser

Allerdings soll es jetzt schneller vorangehen, so stellt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Aussicht. Bis Ende 2020 sollen die normalen Wohnungsbaugesellschaften 1136 und die Berlinovo 1927 Studentenwohnungen fertig haben. Dabei setzt die Berlinovo eher auf eigene Studentenwohnhäuser. 2017 hatte die aus den Immobilien-Restbeständen der Bankgesellschaft Berlin hervorgegangene Gesellschaft das erste solche Gebäude an der Storkower Straße in Pankow eröffnet.

Die sechs regulären Wohnungsbaugesellschaften sehen vor, studentisches Wohnen, also in der Regel sehr kleine Ein-Zimmer-Apartments, in ihre normalen Bauvorhaben zu integrieren. Hinzu kommen 136 Wohnplätze, die das Studentenwerk aktuell errichtet, 360 weitere Einheiten sind geplant.

Bis 2022 soll es den landeseigenen Akteuren dann aber gelingen, die neun Jahre zuvor in Aussicht gestellten 5000 zusätzlichen Wohnungen für Studierende tatsächlich fertig zu haben. Die Berlinovo soll dazu knapp 3000 Einheiten beisteuern, die anderen sechs Unternehmen 2140.

Flüchtlings-Sonderbaurecht läuft für viele Flächen aus

Auch bei den Unterkünften für die Geflüchteten tut sich Berlin schwer. An vielen Orten, wo nach langer politischer Debatte der Bau von Modularen Unterkünften für Flüchtlinge (MUFs) der ersten und zweiten Generation vereinbart wurde, drängt die Zeit.

Das von der Bundesregierung zur Entlastung der Kommunen als Reaktion auf den starken Andrang von Geflüchteten 2016 eingeführte Sonderbaurecht für Flüchtlingsunterkünfte läuft für sieben Flächen Ende 2019 aus. Sollten die Bauherren diesen Zeitkorridor für den Bauantrag versäumen, stehen zum Beispiel einzelne Grundstücke etwa in Gewerbegebieten nicht mehr für den Bau von Wohnhäusern zur Verfügung.

Die Wohnungsbaugesellschaften sollten nach den Plänen des Senats 16 MUFs der ersten Generation für 6000 Menschen errichten. Fertig wurden in den drei Jahren seit der Übertragung der Grundstücke durch das Land aber nur sechs dieser Gebäude für knapp 2000 Bewohner. Für die Hälfte der bereit gestellten Grundstücke gebe es noch keine Planungen, heißt es kritisch in der Vorlage aus dem Hause von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher. In der zweiten MUF-Generation sieht es noch schlechter aus. Für keine der 13 weiteren 2018 vom Land übertragenen Flächen für MUFs mit einer Kapazität von 5300 Menschen sei bisher ein Bauantrag eingereicht worden.

Dass die Wohnungsbaugesellschaften ihre Ziele kaum erreichen, zeigt sich auch an den Flächen für normalen Wohnungsbau. Für fast die Hälfte der 133 für Neubauten zu nutzende Areale gibt es derzeit noch keinen konkreten Überlegungen, was dort wann entstehen soll. Oft seien die Diskussionen zwischen Land und Wohnungsgesellschaften noch nicht abgeschlossen. Oder es gebe andere Bau-Hindernisse wie Altlasten, Lärmemissionen, oder fehlende Umwelt-Untersuchungen.