Verkehr in Berlin

U-Bahn-Milliardenauftrag: Kammer weist Alstom-Einspruch ab

Berlin braucht dringend neue U-Bahn-Wagen. Nun kommt Bewegung in die Auftragsvergabe.

Berlins U-Bahnflotte ist überaltert, zum Beispiel die Züge auf der Linie U1. Doch die Beschaffung neuer Züge verzögert sich durch einen Rechtsstreit. (Archivbild)

Berlins U-Bahnflotte ist überaltert, zum Beispiel die Züge auf der Linie U1. Doch die Beschaffung neuer Züge verzögert sich durch einen Rechtsstreit. (Archivbild)

Foto: FUNKE Foto Services / Berliner M / FUNKE Foto Services

Hoffnung für U-Bahnnutzer: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) können möglicherweise noch im August bis zu 1500 neue U-Bahnwagen bestellen. Der Großauftrag mit einem Gesamtwert von bis zu drei Milliarden Euro war bereits im Mai nach einer europaweiten Ausschreibung an die Firma Stadler Pankow, den deutschen Ableger der Schweizer Stadler Rail AG, gegangen. Ein Rechtsstreit verhindert bislang allerdings den Vollzug des Milliardengeschäfts.

Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, hat die Vergabekammer des Landes Berlin am Dienstag den Einspruch eines unterlegenen Bieters, der französischen Firma Alstom, abgewiesen. Allerdings hat Alstom noch die Möglichkeit, innerhalb von zwei Wochen beim Kammergericht Klage gegen die Entscheidung der Vergabekammer einzulegen. Eine solche Klage hätte aufschiebende Wirkung.

Die Senatswirtschaftsverwaltung bestätigte auf Anfrage lediglich, dass die bei ihr angesiedelte Vergabekammer über den Nachprüfungsauftrag befunden hat. Die Entscheidung werde nun allen Verfahrensbeteiligten mit der Post förmlich zugestellt. Die Rechtsmittelfrist von 14 Tagen beginne, wenn die Verfahrensbeteiligten die Entscheidung erhalten. Die genauen Fristen könne die Vergabekammer erst dann berechnen, nachdem die Empfangsbestätigung zurückgesendet wurden.

Großteil der U-Bahnzüge älter als 40 Jahre

Die Verantwortlichen der Berliner U-Bahn warten seit Langem händeringend auf neue Züge. Nach jahrelanger Sparpolitik des Senats ist ein Großteil der Fahrzeugflotte 40 Jahre und älter, es häufen sich kurzfristige Ausfälle und Verspätungen aufgrund von Defekten. Weil immer mehr Züge in den Werkstätten stehen, fehlen im täglichen Einsatz häufig Wagen. Die BVG behilft sich dann mit Kurzzügen und Takt-Verlängerungen. Gleichzeitig steigen seit Jahren die Fahrgastzahlen in der Stadt.

Der Berliner Senat hatte der BVG bereits vor Längerem grünes Licht für eine Großbestellung neuer Züge gegeben. Allerdings verzögerte sich das Vergabeverfahren mehrfach, auch weil vonseiten der BVG die Auftragsbedingungen mehrfach verändert wurden. Das sorgte bei beteiligten Unternehmen, darunter ein Konsortium von Siemens und Bombardier, für viel Kritik.

Neue Baureihe „Icke“ kompensiert nur die Ausfälle

Die Firma Stadler liefert nach Berlin bereits seit einiger Zeit Züge der neuen Baureihe IK (Spitzname „Icke“), allerdings nur in vergleichsweise kleineren Stückzahlen. Mit ihnen können bisher aber lediglich die Ausfälle kompensiert werden, die durch Ausmusterung älterer Fahrzeuge entstehen. So mussten die landeseigenen Verkehrsbetriebe aufgrund von schweren Karosserieschäden zuletzt zahlreiche Wagen der 1979 gelieferten Baureihe F79 außer Dienst stellen. Von 70 U-Bahnwagen sind laut BVG inzwischen 56 Wagen nicht mehr für den Fahrgastverkehr zugelassen. Von den 56 nicht mehr zugelassenen Wagen sind mit heutigem Stand 28 Wagen bereits verschrottet worden.

Die Bestellung von bis zu 1500 neuen U-Bahnwagen ist der bislang größte Fahrzeugauftrag in der mehr als 90-jährigen BVG-Geschichte. Die neuen Züge soll Stadler bereits ab 2021 liefern. Mit ihnen soll schrittweise bis 2033 der gesamte veraltete Fahrzeugpark der Berliner U-Bahn modernisiert werden. Zugleich will die BVG ihr Angebot weiter ausbauen. Ab Ende 2020 soll die U5 bis zum Hauptbahnhof verlängert werden, auch Taktverdichtungen sind geplant.