Verkehrssicherheit

Wasserbetriebe rüsten alle Laster mit Abbiegeassistenten aus

Das Landesunternehmen will als Vorbild vorangehen. Denn abbiegende Lastwagen gelten immer noch als Hauptursache für tödliche Fahrradunfälle.

Im toten Winkel werden Radler von Lkw-Fahrern oft übersehen.

Im toten Winkel werden Radler von Lkw-Fahrern oft übersehen.

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Berlin. Alle 20 Stunden stirbt in Deutschland ein Radfahrer. Das geht aus Zahlen des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) hervor. Demnach kamen im Jahr 2018 bundesweit 445 Fahrradfahrer bei Autounfällen ums Leben. Ein Anstieg um 16,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2017 starben mit 382 Radlern insgesamt 63 weniger.

Für drei Viertel dieser tödlichen Unfälle sind nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) Lastwagenfahrer verantwortlich. Auf Berlins Straßen kamen im vergangenen Jahr elf Radler ums Leben. Sechs davon starben bei einem Lkw-Unfall. Zumeist wurden sie beim Abbiegen übersehen. 60 Prozent dieser Unfälle könnten laut ADFC durch elektronischen Abbiegeassistenten in den Lkw vermieden werden.

Einbau von Assistenzsystemen nach wie vor freiwillig

Die können den Fahrer bei drohenden Kollisionen warnen oder den Laster automatisch abbremsen. Der Einbau ist aber nach wie vor nicht verpflichtend und wird aus Kostengründen oft vermieden. Die Berliner Wasserbetriebe haben jetzt alle ihre 88 schweren Lkw freiwillig umgerüstet. Damit sei man seiner Vorbildrolle als öffentliches Unternehmen nachgekommen, heißt es in einer Mitteilung. Am Mittag wollen Wasserbetriebe-Chef Jörg Simon und Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) die neue Technik vorstellen.

Das Land Berlin will auch die Fahrzeuge anderer landeseigener Unternehmen umbauen: Derzeit neben den Wasserbetrieben die der Berliner Stadtreinigung (BSR), der Messe und der Verkehrsbetriebe (BVG). Außerdem wird derzeit geprüft, ob ob alle Lastwagen ohne Abbiegeassistent auf Grundlage der Straßenverkehrsordnung aus der Stadt verbannt werden können. Zwar beschloss der Bundesrat vor einem Jahr auf Anregung des Berliner Senats, dass alle neuen Lastwagen ab 7,5 Tonnen mit einem solchen System ausgestattet werden sollen. Die notwendige Entscheidung auf EU-Ebene soll allerdings frühestens Mitte der 2020er-Jahre fallen.