Wetter in Berlin

Schweres Gewitter über Berlin - Feuerwehr im Ausnahmezustand

Am Mittwoch ist ein Unwetter über Berlin hinweg gezogen. Die Feuerwehr musste 116 mal ausrücken. Auch am Donnerstag soll es gewittern.

Gewitter über Berlin: Autos fahren nach schwerem Starkregen über eine geflutete Straße. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) kann es auch am Donnerstag wieder zu Gewittern und Starkregen kommen.

Gewitter über Berlin: Autos fahren nach schwerem Starkregen über eine geflutete Straße. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) kann es auch am Donnerstag wieder zu Gewittern und Starkregen kommen.

Foto: dpa

  • Am Mittwochabend ist ein erneut ein heftiges Gewitter mit Starkregen über Berlin gezogen.
  • Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte kurz zuvor eine amtliche Unwetterwarnung herausgegeben.
  • Die Berliner Feuerwehr rief zeitweise den Ausnahmezustand aus.
  • Auch am Donnerstagabend drohen laut DWD neue Gewitter mit starkem Regen.

Berlin. Gewitter und Starkregen haben vor allem im Nordosten Deutschlands zahlreiche Feuerwehreinsätze ausgelöst. In Berlin galt am Mittwochabend zeitweise sogar der Ausnahmezustand. Einsätze wurden somit nach Dringlichkeit statt chronologisch bearbeitet. Allein in der Hauptstadt gab es 116 wetterbedingte Einsätze, vollgelaufene Keller und umgestürzte Bäume machten der Feuerwehr schwer zu schaffen.

Wetter in Berlin: Wetterdienst gab am Mittwochabend Unwetterwarnung aus

Die Gewitterfront erreichte Berlin am Mittwochabend gegen 19.30 Uhr. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte kurz zuvor eine amtliche Unwetterwarnung ausgegeben. Gewarnt wurde vor einem schweren Gewitter mit heftigem Starkregen und Hagel. Die Warnung galt zunächst bis 19.30 Uhr, wurde dann aber bis 20.30 Uhr verlängert. Das Gewitter zog von Westen her über die Hauptstadt. Die Warnung wurde auch über die App "Nina" und über "Katwarn" verbreitet. Um 20.10 Uhr wurde die Warnung dann wieder aufgehoben.

Die Berliner Feuerwehr rief von 20.15 Uhr für zwei Stunden erneut den Ausnahmezustand aus. Rund 116 wetterbedingte Einsätze seien abgearbeitet worden, so ein Mitarbeiter des Lagezentrums. Grund war das erhöhte Anruferaufkommen. Schwere Schäden habe es aber nicht gegeben, wie es hieß.

Dennoch hatte die Feuerwehr nach dem Starkregen bis in die späten Abendstunden zu tun, so wie hier an der Holzhauserstraße in Tegel. Dort wurde die Straße unter einer Brücke überflutet. Ein Auto blieb dort im Wasser stecken. Laut der Verkehrsinformationszentrale fielen mehrere Ampeln im Stadtgebiet aus, so am Theodor-Heuss-Platz wie auch an der Urania.

Wegen witterungsbedingter Störungen an Signalanlagen musste der Zugverkehr der Linie S5 zwischen Fredersdorf und Strausberg unterbrochen werden. Ein Ersatzverkehr mit Bussen wurde eingerichtet.

Am Donnerstagabend drohen wieder Gewitter und Starkregen

Das turbulente Wetter in Berlin und Brandenburg kann sich laut Wetterdienst auch am Donnerstag fortsetzen. "Punktuell Unwetter durch heftigen Starkregen mit Mengen über 25 l/qm nicht ausgeschlossen", heißt es in der DWD-Vorhersage.

So könnten am späten Donnerstagabend Schauer und Gewitter auftreten, lokal komme es zu starkem Gewitter mit Starkregen, Windböen oder stürmischen Böen und kleinkörnigem Hagel. Die Höchstwerte lagen am Donnerstag bei 23 bis 26 Grad. Die Schauer- und Gewittertätigkeit nehme in der Nacht zu Freitag rasch ab, hieß es weiter.

Das Wetter in Berlin und Brandenburg: So wird es in den kommenden Tagen

  • Freitag: nach Auflösung von Dunst- und Nebelfeldern Wechsel von vielen Quellwolken und heiteren Abschnitten. Ab Mittag örtlich Schauer und starke Gewitter mit Starkregen um 20 l/qm, Wind- oder Sturmböen mit 50 bis 70 km/h und kleinkörnigem Hagel. Am Nachmittag und Abend punktuell Unwettergefahr durch heftigen Starkregen über 25 l/qm. Höchsttemperatur 23 bis 27 Grad. In der Nacht zum Sonnabend zunächst stark bewölkt mit Schauern und teils kräftigen Gewittern, im Norden und im Berliner Raum allmählich nachlassend. Nachfolgend größere Auflockerungen und gebietsweise Dunst- und Nebelfelder. In Südbrandenburg bis zum Morgen teils schauerartig verstärkter Regen. Abkühlung auf 15 bis 12 Grad.
  • Sonnabend: in der Südwesthälfte wechselnd bis stark bewölkt mit einzelnen Schauern, ab dem Mittag auch Gewittern. Im Nordosten Brandenburgs Wechsel von Sonne und Wolken und bei einer sehr geringen Schauer- und Gewitterwahrscheinlichkeit weitgehend trocken. Am Abend auch in den mittleren Landesteilen kaum noch Schauer oder Gewitter. Höchstwerte um 24 Grad. In der Nacht zum Sonntag gering bewölkt, teils wolkig, überwiegend niederschlagsfrei. Tiefsttemperatur 15 bis 12 Grad.
  • Sonntag: nach heiterem Tagesbeginn zeitweise stärkere Quellbewölkung, trocken. Temperaturanstieg auf 23 bis 26 Grad. In der Nacht zum Montag wolkig, teils gering bewölkt und niederschlagsfrei. Tiefstwerte 16 bis 12 Grad.

Berliner Sommer ist zu trocken - Juli-Werte aber im Durchschnitt

Trotz der heftigen Gewitterschauer bleibt der Berliner Sommer viel zu trocken. „Es hängt jetzt alles am August“, sagte Thomas Dümmel, Meteorologe an der Freien Universität Berlin, am Donnerstag. Bisher habe die Natur die Trockenheit, die durch den extrem heißen Juni verstärkt wurde, noch nicht verdaut.

Eine frohe Botschaft hat Dümmel aber auch. „Der Juli war für Berlin ein völlig normaler Monat“, berichtete er. An der ältesten Messstelle der Stadt in Dahlem regnete es 55 Liter pro Quadratmeter. Als guter Durchschnitt für Juli gelten 53 Liter. Für die nächste Zeit rechnet Dümmel mit angenehmen 20 bis 25 Grad am Tag. „Das sieht für Mensch und Natur gut aus“, ergänzte er.

Dass Regen - wenn er denn kommt - sehr heftig fällt, sei für Juli und August typisch. „Dann ist die Gewitterneigung am höchsten, weil die Temperaturgegensätze am größten sind.“ Typisch für Gewitterregen sei auch, dass er sehr lokal falle. An einer anderen Ecke von Berlin könne es in dieser Zeit knochentrocken bleiben.

Heftiges Gewitter am Montag über Teilen Berlins

Bereits am Montag war ein Unwetter über Teile Berlins niedergegangen. Die Berliner Feuerwehr hatte zu einer Vielzahl von Einsätzen ausrücken müssen. Schon am Nachmittag war der Ausnahmezustand ausgerufen worden. Die meisten Notrufe kamen aus Reinickendorf und Wedding. Verletzt wurde laut Feuerwehr niemand. Die Häufigkeit der Einsätze sei aber eine Herausforderung gewesen, sagte ein Sprecher. Der Ausnahmezustand wurde am Abend wieder aufgehoben.

Ausnahmezustand bedeutet, dass Einsätze je nach Wichtigkeit bearbeitet werden und nicht nach der Zeit des eingehenden Notrufes. In der Zeit zwischen 16.45 Uhr und 19.15 Uhr gab es wetterbedingt 97 Einsätze der technischen Hilfeleistung, darunter viele vollgelaufene Keller und umgestürzte Bäume, wie die Feuerwehr twitterte.

Das erwartete Unwetter hatte am späten Montagnachmittag Berlin erreicht. Örtlich blitzte und donnerte es, es fiel teils Starkregen. Das hatte Folgen auch für den Verkehr. So war die Ringbahn (S41/S42) zeitweise unterbrochen, nachdem ein Baum auf Höhe Beusselstraße auf die Schienen gestürzt war. Der Verkehr zwischen Beusselstraße und Gesundbrunnen wurde eingestellt.

In Wedding stürzte auf der Höhe Gerichtstraße ein Baum um. Auch hier wurde der S-Bahnverkehr beeinträchtigt. Ein S-Bahnzug musste evakuiert werden, nachdem der Baum gegen den Zug gekippt war. In der Gerichtstraße wurde zudem das Dach eines Mehrfamilienhauses infolge des Unwetters teilweise abgedeckt. Fünf Wohnungen wurden laut Polizeiangaben dadurch unbewohnbar.

Die "Straße vor Schönholz" in Pankow wurde infolge des Regens überflutet. Auch zum Gleimtunnel, einer Verbindung zwischen den Ortsteilen Gesundbrunnen und Prenzlauer Berg, musste die Feuerwehr ausrücken. Dort sammelten sich nach dem Starkregen Wassermassen. Der Tunnel wurde komplett geflutet. Geparkte Autos standen in rund einem halben Meter hohen Wasser.

Im Bahnhof Friedrichstraße sammelte sich Wasser auf dem Boden. Die Provinzstraße in Reinickendorf wurde überflutet, Passanten wateten durch die Wassermassen.

Gegen 20 Uhr kam die Entwarnung von der Feuerwehr. Der "Ausnahmezustand Wetter" sei nun beendet. "Auch Dank der Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr wurden alle wetterbedingten Einsätze beschickt und werden nach und nach abgearbeitet", teilte die Feuerwehr bei Twitter mit.

Am späten Montagabend musste die Feuerwehr nach Prenzlauer Berg ausrücken. Dort war an der Einsteinstraße - möglicherweise als Folge des Starkregens - ein Baum umgestürzt. Die Einsatzkräfte zersägten den Baum, Menschen kamen nicht zu Schaden.

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Gewitterbilanz: 592 Blitze trafen 2018 Berlin

Im vergangenen Jahr sind 592 Blitze in Berlin eingeschlagen. Das geht aus Angaben des Blitz-Informationsdienstes von Siemens (BLIDS) hervor. Mit rund 0,7 Erdblitzen pro Quadratkilometer liegt die Hauptstadt damit im Bundesländer-Vergleich auf Platz 14. Nur in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern hat es 2018 weniger geblitzt. Deutsche „Blitzhauptstadt“ ist nach 2014 zum zweiten Mal Schweinfurt. Pro Quadratkilometer trafen in der unterfränkischen Stadt im vergangenen Jahr rund 5,0 Blitze den Boden.

Blitze entstehen bei Gewittern in den Wolken: Das heftige Auf und Ab von Wasser- und Eisteilchen in der Gewitterwolke führt zu einer Polarisierung der natürlichen Luftelektrizität. Wird das Spannungsfeld zwischen positiver und negativer Ladung zu stark, entlädt sich ein Blitz.