Bildung

Berlins Schüler können schlecht lesen

Die Vergleichstest der Drittklässler zeigen erneut, dass es in den Fächern Deutsch und Mathematik große Defizite gibt.

Grundschüler im Unterricht

Grundschüler im Unterricht

Foto: Jens Kalaene / picture alliance / ZB

Die aktuellen Ergebnisse der Vergleichsarbeiten der Berliner Drittklässler (Vera 3) zeigen erneut enorme Mängel auf. Im Mai wurden die Tests durchgeführt. Im Ergebnis zeigten dabei im Fach Deutsch mit 52 Prozent mehr als die Hälfte aller Schüler unterdurchschnittliche Leistungene. Im Fach Mathematik waren es sogar 56 Prozent. Das geht aus der Antwort der Senatsbildungsverwaltung auf eine Anfrage des Berliner AfD-Abgeordneten Tommy Tabor hervor.

Insgesamt wurden die Ergebnisse in die Kompetenzstufen I bis V eingeteilt. Stufe I ist dabei die schlechteste und meint nach der Definition der Kultusministerkonferenz „Die erbrachten Leistungen erfüllen die Mindestanforderungen nicht“. In Stufe II erfüllen sie die Mindestanforderungen, in Stufe III entsprechen sie den durchschnittlichen Erwartungen des Bildungsstandards, in Stufe IV sind sie überdurchschnittlich und in Stufe V übertreffen sie die Erwartungen bei Weitem. Die Berliner Senatsbildungsverwaltung übersetzt die Stufe I auch mit „Förderbedarf“.

Nur 47 Prozent erfüllen in Deutsch die Regelstandards

Im Fach Deutsch wurden zwei Erhebungen durchgeführt. Im Bereich „Lesen“ wurden insgesamt 25.158 Drittklässler getestet. Im Ergebnis fallen 29 Prozent der Schüler in die schlechteste Stufe, 23 Prozent in Stufe II, 13 Prozent in Stufe III, 19 Prozent in Stufe IV und 14 Prozent in Stufe V. Fast das gleiche Bild zeichnet sich im Bereich „Zuhören“ ab. Hier wurden 24.988 Schülern getestet. Auf die schlechteste Stufe I entfallen 27 Prozent, gefolgt von 25 Prozent auf Stufe II, jeweils 15 Prozent auf Stufe III und IV und 17 Prozent auf Stufe V. Damit erfüllen lediglich 47 Prozent den Regelstandard oder sind besser.

Im Fach Mathematik schneiden die Berliner Drittklässler im Detail sogar noch schlechter ab, als im Fach Deutsch. Insgesamt 25.273 Schüler wurden getestet. Die Ergebnisse wurden in die Kompetenzbereiche „Raum und Form“ sowie „Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit“ aufgeteilt. Im Bereich „Raum und Form“ finden sich auf der schlechtesten Stufe I mit 30 Prozent fast ein Drittel der Schüler, auf Stufe II mit 25 Prozent ein Viertel. Mit 24 Prozent wurden fast genauso viele in Stufe III eingeordnet. 13 Prozent kamen in Stufe IV und 9 Prozent in Stufe V. Fast das gleiche Bild zeichnet sich im Bereich „Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit“ ab. Stufe I: 31 Prozent, Stufe II: 26 Prozent, Stufe III: 18 Prozent, Stufe IV: 16 Prozent und Stufe V: 9 Prozent. Insgesamt lässt sich für den mathematischen Bereich also feststellen, das 55 beziehungsweise 57 Prozent aller Drittklässler schlechter abgeschnitten haben, als die Regelstufe.

Vera 3 fragt Wissen der vierten Klasse ab

„Prinzipiell ist über die Berliner Schülerschaft bekannt, dass es gerade in bestimmten Gebieten mit bestimmten sozialen Prägungen, wo im Haushalt etwa nicht vorgelesen wird, besondere Herausforderungen gibt, was Lesekompetenz und Textverständnis betrifft“, bemüht sich Martin Klesmann, Sprecher der Senatsbildungsverwaltung um eine Erklärung. Er mahnt allerdings auch zur differenzierten Betrachtung. Der Vera-Test sei keineswegs altersgerecht. „Es ist eine extra schwere Aufgabenstellung mit Inhalten, die Schüler erst zum Ende der vierten Klasse beherrschen müssen.“ Ziel dabei sei es, eine möglichst breite Spreizung abzubilden und so sowohl den Förderbedarf, als auch die Leistungsträger besonders gut erkennen zu können.

Ähnliche Informationen finden sich auch beim Institut für Schulqualität (ISQ), dass die Vera 3-Tests durchführt. In einem Informationsblatt für Eltern heißt es, man vergleiche die Leistungen der Kinder in der dritten Klasse mit den Standards der vierten. So soll Lehrern Zeit bleiben, um aus dem Ergebnis Maßnahmen abzuleiten und umzusetzen. Allerdings heißt es dort auch „Man erwartet, dass durchschnittlich etwa die Hälfte der Aufgaben richtig gelöst wird.“ Dieses Ziel haben die Berliner Drittklässler in allen Bereichen verfehlt.

2017 konnten drei Viertel aller Drittklässler nicht richtig schreiben

In der Vera 3-Runde 2017/2018 wurden die Ergebnisse noch nach Jungen und Mädchen sowie nach Kindern mit deutscher oder anderer Muttersprache aufgeschlüsselt. Entsprechende Ergebnisse für die jüngste Erhebung gibt es nicht. Außerdem wurden andere Kompetenzfelder abgefragt. So wurde 2017 die Rechtschreibung getestet. Die Anfang 2018 veröffentlichten Ergebnisse waren desaströs. Mit 48 Prozent erreichten die Hälfte aller Schüler nur die Minimalanforderungen. Insgesamt wurde die Leistung von drei Vierteln als unterdurchschnittlich bewertet. Das Haus von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) weigerte sich damals monatelang, die Zahlen auf Anfrage des Abgeordneten Sascha Langenbrinck (SPD) herauszugeben. Erst nachdem das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil das Auskunftsrecht der Abgeordneten stärkte, wurden die Zahlen öffentlich.