Personalie

Ex-SPD-Chef Jan Stöß steht vor der Rückkehr nach Berlin

Nach seiner Niederlage im Machtkampf mit dem Regierenden Bürgermeister, ging Jan Stöß nach Karlsruhe. Jetzt hat er das Pendeln satt.

Will zurück ins heimatliche Schöneberg: Jan Stöß, von 2012 bis 2016 SPD-Landesvorsitzender in Berlin

Will zurück ins heimatliche Schöneberg: Jan Stöß, von 2012 bis 2016 SPD-Landesvorsitzender in Berlin

Foto: Amin Akhtar

Berlin. Der frühere SPD-Landesvorsitzende Jan Stöß will nach Berlin zurückkehren. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat sich der Jurist auf den Posten eines Abteilungsleiters in der Senatsverwaltung für Finanzen beworben und soll im Auswahlverfahren am besten abgeschnitten haben. Noch läuft aber die Frist, in der unterlegene Bewerber gegen die Auswahl klagen können.

Offiziell bestätigte eine Sprecherin des Finanzsenators Mathias Kollatz (SPD) nur, dass die Leitung der Abteilung für zentrale Dienste neu besetzt werde, weil die Amtsinhaberin in den Ruhestand gegangen sei. Das Verfahren laufe aber noch.

Zuletzt war spekuliert worden, der 45 Jahre alte Stöß könnte anstelle der ins Bundesjustizministerium wechselnden Margareta Sudhof Staatssekretär werden. Dazu wird es jedoch nicht kommen. Senator Kollatz möchte neben seinem Haushaltsstaatssekretär Fréderic Verryken wieder eine Frau in der Führungsspitze des Hauses, hieß es. Am kommenden Dienstag soll die Personalie im Senat beschlossen werden. Bisher ist nicht bekannt, wen Kollatz für die Aufgabe vorgesehen hat.

Jan Stöß hatte 2012 den heutigen Regierenden Bürgermeister Michael Müller als Landeschef der Berliner SPD verdrängt und führte die Partei vier Jahre lang. 2014 kämpfte er gegen Müller und den Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh in einer Urwahl der SPD-Mitglieder um die Nominierung zum Regierenden Bürgermeister als Nachfolger von Klaus Wowereit. Phasenweise konnte sich Stöß berechtigte Hoffnungen machen, in der Landespolitik ganz nach vorne zu kommen. Der als Verwaltungsrichter tätige Sozialdemokrat betonte gerne, er sei als ehrenamtlicher Landesvorsitzender der einzige Berliner Spitzenpolitiker, der nicht in einer Dienstlimousine unterwegs sei.

Müller siegte jedoch in der Urwahl deutlich und zog ins Rote Rathaus ein. Kurz vor den Wahlen zum Abgeordnetenhaus schlug Müller auch parteiintern zurück. In einer Situation, in der ihn kurz vor der Wahl niemand beschädigen wollte, ließ er sich anstelle von Stöß wieder zum Landeschef wählen. Stöß war nicht mehr angetreten.

In der Folge zog sich der frühere Finanzstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg weitgehend aus der aktiven Politik zurück. 2017 ging der promovierte Jurist als wissenschaftlicher Mitarbeiter zum Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe. Nun scheint Stöß des Pendelns müde zu sein. Sein Mann lebt in Berlin.