Stadtbild

Nur 24 Berliner Litfaßsäulen stehen unter Denkmalschutz

Nur 24 der mehr als 2500 Litfaßsäulen in Berlin bleiben erhalten. Der Großteil der Werbeträger ist in der Stadt schon abgebaut worden.

Die Litfaßsäule im Nikolaiviertel steht, wie 23 weitere, nun unter Denkmalschutz.

Die Litfaßsäule im Nikolaiviertel steht, wie 23 weitere, nun unter Denkmalschutz.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Weniger Litfaßsäulen stehen unter Denkmalschutz als zuvor erwartet. Das Landesdenkmalamt Berlin hatte in den vergangenen Monaten 50 der Säulen auf ihren Denkmalwert überprüft. Aber nur 24 bleiben tatsächlich als Zeugnisse der Berliner Stadtgeschichte an Ort und Stelle erhalten, teilte Landeskonservator Christoph Rauhut am Montag mit. Hintergrund der Untersuchung ist, dass wegen eines Wechsels in der Vermarktung die meisten der 2548 Litfaßsäulen in Berlin abgerissen werden müssen.

Die meisten der erhaltenen Berliner Säulen stammen aus der Zeit nach dem Krieg. 1854 wurde das Werbemittel von dem Berliner Drucker Ernst Litfaß erfunden. Bereits seit dem 19. Jahrhundert prägen sie das Berliner Stadtbild. Sechs der 24 denkmalgeschützten Litfaßsäulen stehen in Charlottenburg-Wilmersdorf. In Kreuzberg-Friedrichshain dürfen fünf Werbeträger stehen bleiben und vier in Mitte. Jeweils drei Denkmäler bleiben in Pankow und in Reinickendorf erhalten. Zwei Litfaßsäulen in Steglitz-Zehlendorf und eine in Treptow-Köpenick stehen unter Denkmalschutz.

Zu den Kriterien dafür zählt unter anderem das Umfeld: Befindet sich die Litfaßsäule in einer denkmalgeschützten Umgebung, darf sie erhalten bleiben. Außerdem wurden Eigenschaften baulicher Art berücksichtigt, wie beispielsweise solche, in denen einst Transformatoren untergebracht wurden. Laut Senatskulturverwaltung steht die älteste denkmalgeschützte Litfaßsäule am Hackeschen Markt in Mitte und ist um das Jahr 1900 errichtet worden. Die jüngste Säule stammt aus dem Jahr 1987 und gehört zur Ausstattung des Nikolaiviertels in Mitte.

Hintergrund: „Die Litfaßsäule ist ein Berliner Kulturgut“

Abbau der Litfaßsäulen verzögert sich durch hohen Aufwand und Baustellen

Derzeit stehen noch 150 Werbesäulen der Firma Wall in Berlin. Der Senat hatte in den Verträgen mit dem Unternehmen festgeschrieben, dass die Litfaßsäulen verschwinden müssen, wenn der Nutzungsvertrag Ende 2018 ausläuft – auch wenn die Säulen schon mehr als 70 Jahre im Kiez stehen. „Theoretisch hätten wir bis Ende Juni fertig sein müssen, aber es haben sich aufgrund des sehr aufwendigen Abbaus und der Entsorgung der Eternitsäulen, die mit Asbest belastet sein können, Verzögerungen ergeben“, so Frauke Bank, Pressesprecherin der Wall GmbH. Außerdem hätten die langwierige Denkmalschutzprüfung und die diversen Baustellen im Stadtgebiet dazu beigetragen, dass der Prozess länger dauert als geplant. „Wir arbeiten aber weiterhin mit voller Kraft daran, auch diese verbliebenen Säulen schnellstmöglich abzubauen“, so Bank. Die Entsorgung kostet das Werbeunternehmen wohl einen zweistelligen Millionenbetrag.

Neu verantwortlich für die Plakatsäulen in der Stadt ist die ILG-Außenwerbung GmbH aus Stuttgart, die eine Ausschreibung des Senats gegen Wall gewonnen hatte. Sie kündigte bereits an, dass mindestens 1500 neue Werbeträger errichtet werden sollen. Die Unternehmen hatten sich zuvor nicht einigen können, für welche Summe man die alten Säulen erhalten könnte.

Kritiker bemängeln, dass auf diese Weise ein Stück Berliner Stadtgeschichte liquidiert werde. Volker Hobrack, Vorsitzender des Bürgervereins Luisenstadt in Kreuzberg, kritisiert: „Die Stadt wird zugenagelt mit Werbetafeln und die historischen Säulen müssen gehen.“