Demonstrationen

Tausende demonstrieren in Berlin für Flüchtlings-Aufnahme

Angesichts der verzweifelten Lage vieler Flüchtlinge, die über das Mittelmeer kommen, gehen am Wochenende in vielen deutschen Städten Menschen auf die Straße. Sie hören auch eine Botschaft der kürzlich inhaftierten Kapitänin eines Helfer-Schiffes.

Eine Demonstrantin zeigt ein Schild mit der Aufschrift "Build Bridges not Walls".

Eine Demonstrantin zeigt ein Schild mit der Aufschrift "Build Bridges not Walls".

Foto: dpa

Berlin. Tausende haben in Berlin die Aufnahme von aus Seenot geretteten Flüchtlingen gefordert. Die Demonstranten zogen am Samstagnachmittag vom Kanzleramt durch das Regierungsviertel und am Innenministerium vorbei zum Hauptbahnhof. Die Polizei sprach von rund 3000 Teilnehmern. Störungen oder besondere Vorkommnisse habe es nicht gegeben, alles sei friedlich.

Auf Transparenten forderten die Demonstranten: "Für ein Europa der Vielfalt und Menschenrechte" und "Nieder mit der rassistischen Festung EU". Mit Blick auf das Mittelmeer, über das viele Flüchtlinge kommen, hieß es: "Ertrinken lassen = Mord".

In zahlreichen deutschen Städten wurde zeitgleich demonstriert. Aufgerufen hatte die Organisation Seebrücke, die im Sommer 2018 gegründet wurde. Sie fordert sichere Fluchtwege für Flüchtlinge.

Die Kapitänin des deutschen Rettungsschiffes "Sea-Watch 3", Carola Rackete, die in Italien vorübergehend festgenommen worden war, sagte in einer aufgezeichneten Botschaft, die über Lautsprecher zu hören war: "Man kann von der Bundesregierung erwarten, dass sie mutig vorangeht und sagt: Wir nehmen jetzt bis auf weiteres alle auf, die auf dem Mittelmeer gerettet werden. Das sind momentan nicht wirklich viele Leute. Das sind ein paar Hunderte oder Tausende im Moment, die da übers Mittelmeer kommen."

Rackete betonte, wenn man als eines der reichsten Länder der EU dafür keine Lösung fände, sei das "wirklich beschämend". Und weiter: "Die Würde des Menschen ist unantastbar, das muss auch auf dem Mittelmeer gelten. (...) Seenotrettung kennt keine Grenzen. Genauso wenig wie unsere Solidarität." Demonstranten trugen ein Plakat mit einem Foto von Rackete, auf dem stand: "Oh Captain, my Captain".

An der Demonstration nahmen auch Vertreter der Organisationen Ärzte ohne Grenzen und Attac teil. Auch Zeichen und Fahnen der Flüchtlings-Unterstützer von Moabit hilft sowie der linksextremistischen Berliner Antifa waren zu sehen.