Unfälle

E-Tretroller werden in Berlin zum Verkehrsrisiko

Elektro-Scooter werden in Berlin immer beliebter. Doch beim Fahren gibt es viele Gefahren, vor allem beim Abbiegen.

E-Scooter müssen auf der Straße fahren. Viele weichen wegen der Gefahr allerdings auf die Bürgersteige aus.

E-Scooter müssen auf der Straße fahren. Viele weichen wegen der Gefahr allerdings auf die Bürgersteige aus.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Berlin. Seit zwei Wochen erst sind E-Scooter in Deutschland zugelassen, doch schon prägen sie das Straßenbild in Teilen von Berlin. Dabei sorgen sie für manchen Ärger, verursachen Unfälle – und lassen noch immer viele Nutzer rätseln, wie die Roller überhaupt verkehrsrechtlich einwandfrei genutzt werden dürfen. Seit klar ist, dass die E-Scooter kommen, befürchten manche, dass sich der Elektroschrott auf den Gehwegen nur so türmen werde.

Andere wiederum glauben, die elektrischen Tretroller würden den Verkehr in der Stadt revolutionieren. Die Realität jedoch sieht etwa zwei Wochen nach dem Start deutlich nüchterner aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Mobilitätsberatungsagentur Civity, deren neuen, detaillierteren Daten der Berliner Morgenpost exklusiv vorliegen.

Demnach haben die bisher vier Anbieter mit gut 2600 E-Scootern in Berlin längst noch nicht die ganze Innenstadt erobert. Die Roller werden bisher vor allem in der City Ost rund um den Alexanderplatz sowie in weiteren Teilen der historischen Mitte sowie um den Potsdamer Platz genutzt. Der Anbieter Tier wiederum beschränkt sein Nutzungsgebiet noch hauptsächlich auf die östliche Innenstadt, Kreuzberg, Nord-Neukölln und das nördliche Schöneberg.

„Der Alexanderplatz ist der absolute Hotspot“, sagt Benno Bock von Civity. Die City West hinke da noch hinterher. Der Datenanalyst erklärt das vor allem mit der bisherigen Hauptnutzergruppe der Angebote. Demnach würden vor allem Touristen mit den Tretrollern fahren. Viele Berliner würden sich erst langsamer mit den Scootern anfreunden. So zeigten die Daten im Vergleich der ersten und zweiten Woche, dass die Zahl der Fahrten etwa in Alt-Mittes Wohngegenden zugelegt habe. „Die Nutzung weitet sich nach Mitte und Prenzlauer Berg aus“, so Bock. Deren Bewohner seien es auch gewesen, die Car- und Bikesharing früh angenommen hätten.

Rasanter Anstieg der Verleih-Zahlen

Bei Lime, dem mit gut 1000 E-Scootern größtem Anbieter in der Stadt, hat sich die durchschnittliche Zahl der Ausleihen pro Roller und Tag innerhalb der vergangenen Woche verdoppelt. Statt dreimal täglich ist jeder Scooter nun sechsmal unterwegs, zeigen die Civity-Daten. „Man sieht ganz klar den Hochlauf“, sagt Bock. An eine weitere Steigerung glaubt er jedoch nicht. Im Schnitt legen Fahrer mit den E-Scootern zwischen 2,4 und 2,7 Kilometer zurück, laut der Beratungsagentur also mehr als der typische Fußweg (0,9 Kilometer), und weniger als eine durchschnittliche Fahrraddistanz (3,4 Kilometer). „Da gab es eine Lücke, und es ist zu begrüßen, wenn solche Verkehrsmittel das Angebot jenseits von Autos erweitern“, sagt Analyst Bock. Angegriffen würden dadurch wohl am ehesten Leihräder. Auf den ÖPNV hingegen sieht er dadurch „keine spürbaren Auswirkungen“.

Die dürfte es allerdings für den Verkehr insgesamt in der Stadt geben. Bereits am Dienstag hatte die Berliner Polizei eine erste Verkehrsbilanz für die E-Scooter vorgelegt. So seien in den ersten beiden Wochen seit Zulassung acht Verkehrsstraftaten bekannt geworden, fünfmal waren die Fahrer angetrunken oder betrunken. Die Polizei stellte zudem fünf weitere Verkehrsunfälle mit E-Scootern fest, die alle von den Fahrern verursacht wurden. Vier Mal verletzte sich der Fahrer, davon zwei Mal schwer. Tatsächlich könnte es viele Nutzer der Scooter gefährden, wenn sie sich an die Verkehrsvorschriften halten.

E-Scooter dürfen nicht auf Busspuren fahren

So regelt die vom Bundesverkehrsministerium eilig erarbeitete Verkehrsverordnung für Elektrokleinstfahrzeuge, dass E-Scooter auf Radwegen fahren müssen. Wo es diese nicht gibt, dürfen die Tretroller-Nutzer jedoch nicht auf Busspuren ausweichen. Da die kleinen Roller auch auf dem Gehweg nicht gestattet sind, bleibt den Fahrern nichts übrig, als sich den Fahrstreifen mit Autos und Lastwagen zu teilen. Wer sich nicht daran hält, riskiert ein Bußgeld von 15 bis 30 Euro, teilt die Polizei mit.

Und eine weitere Verkehrsregel dürfte den Scooter-Fahrern Probleme bereiten. Denn die meisten Roller verfügen nicht über Blinker. Wie Radfahrer sind sie daher verpflichtet, eine Richtungsänderung mit dem ausgestreckten Arm anzuzeigen, teilt die Senatsverkehrsverwaltung mit. Eine Hand vom Lenker zu nehmen, ist auf den kleinen Gefährten zu gut wie unmöglich, zu groß ist die Gefahr zu stürzen.

„Bei einem Untergrund, der nicht ganz glatt ist, kann ich niemandem raten, der StVO zu folgen“, sagt Siegfried Brockmann, Unfallforscher beim Gesamtverband der Versicherer. Für noch bedenklicher hält Brockmann die Folgen des Busspurverbots. Er glaubt nicht, dass die Nutzer auf die Fahrspur der Autos wechseln. Stattdessen werde passieren, was die Unfallforscher von vornherein befürchtet hätten: „Die E-Scooter werden auf dem Gehweg fahren. Das hat unmittelbar zur Folge, dass Fußgänger gefährdet sind.“

.