Mietendeckel

Berliner Wohnungswirtschaft rechnet mit Millioneneinbußen

Der vom Senat geplante Mietendeckel setzt die Unternehmen unter Druck. Modernisierungen und Neubauten seien laut BBU dann kaum möglich.

Kaum noch Neubau, wenige Modernisierungen: Wegen des geplanten Mietendeckels in Berlin schlägt die Wohnungswirtschaft Alarm.

Kaum noch Neubau, wenige Modernisierungen: Wegen des geplanten Mietendeckels in Berlin schlägt die Wohnungswirtschaft Alarm.

Foto: Stephanie Pilick / picture alliance / dpa

Berlin. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) hat vor der Umsetzung des Mietendeckels gewarnt. Falls die Mieten in der deutschen Hauptstadt, wie von der Landesregierung geplant, von 2020 an für fünf Jahre eingefroren würden, rechnet der BBU bei seinen Mitgliedsunternehmen mit Einnahmeverlusten in Millionenhöhe. „Die wegbrechenden Einnahmen für die Wohnungsunternehmen wären dramatisch“, sagte BBU-Vorstand Maren Kern am Mittwoch.

Als Beispiel nannte Kern eine mittelgroße Genossenschaft. Ohne Mietendeckel würde das Unternehmen die Mieten für 20 Prozent des Bestandes um 2,5 Prozent pro Jahr anheben, um so Modernisierungen und Neubau finanzieren zu können. Durch das Einfrieren der Mieten summierten sich die Einnahmeverluste bei der Genossenschaft bis 2024 auf mehr als vier Millionen Euro. Viele Genossenschaften gerieten so in Schieflage, sagte Kern.

BBU-Mitglieder besitzen 43 Prozent des Mietwohnungsbestands

Der BBU hat in Berlin rund 140 Mitgliedsunternehmen. In dem Verband sind sowohl landeseigene und kommunale Wohnungsbaugesellschaften, aber auch genossenschaftliche und private Wohnungsunternehmen organisiert. Auch der zuletzt stark kritisierte Konzern Deutsche Wohnen ist BBU-Mitglied. Mit rund 715.000 Wohneinheiten bilden die BBU-Mitglieder etwa 43 Prozent des Mietwohnungsbestands in der deutschen Hauptstadt ab. Schätzungen zufolge wohnen etwa drei Millionen Menschen in Wohnungen von BBU-Mitgliedsfirmen in Berlin und Brandenburg.

Einer am Mittwoch vorgestellten Umfrage zufolge, an der 80 BBU-Mitglieder teilnahmen, befürchtet die Wohnungswirtschaft erhebliche negative Auswirkungen durch den geplanten Mietendeckel des Senats. Demnach gehen jeweils rund 90 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass sie komplette oder deutliche Abstriche bei energetischen oder altersgerechten Modernisierungen machen müssen. Zwei Drittel sagen zudem starke Rückgänge beim Neubau voraus.

Die Umfrage zeige, wo bei den Eckpunkten des Mietendeckels nochmal nachgedacht werden müsse, so Kern. „Sie treffen in dieser Form vor allem die soziale Wohnungswirtschaft und behindern sie in ihrem Engagement für Berlin“, sagte die BBU-Chefin. Das könne von der Politik nicht gewollt sein, ebenso wenig, dass von einem pauschalen Einfrieren der Mieten besonders auch einkommensstarke Haushalte profitieren würden.

Auf Eckpunkte für einen Mietendeckel geeinigt

Der rot-rot-grüne Berliner Senat hatte sich Mitte Juni auf Eckpunkte für einen Mietendeckel geeinigt. Damit sollen die Mieten für fünf Jahre eingefroren werden, um die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt zu beruhigen. Berlin wäre das erste Bundesland mit einem Mieterhöhungsstopp. BBU-Vorstand Kern sagte, die Wohnungswirtschaft stehe für einen konstruktiven Dialog mit der Politik bereit, um an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten.

„Wir würden uns freuen, wenn die Politik das Gespräch mit uns sucht“, erklärte sie. Auch der BBU mache sich Sorgen um „schwarze Schafe“, die die Anspannungen auf dem Wohnungsmarkt zu ihrem Vorteil ausnutzten. Zielgerichtete, temporäre Mietenregulierungen könnten sinnvoll sein. Diese müssten aber ausgewogen sein. Als Beispiele nannte sie eine Absenkung der Obergrenze für Mieterhöhungen von 15 auf zehn Prozent in drei Jahren, ein Erschweren von Eigenbedarfskündigungen und der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen oder mehr Kündigungsschutz für ältere Mieter. Auch eine Kopplung von Mieterhöhungen an die Inflationsrate hält Kern für denkbar.

Kern betonte, gegen steigende Mieten und Wohnungsmangel helfe vor allem der Neubau. 2019 wollen die BBU-Mitglieder rund 3,2 Milliarden Euro in ihre Wohnungen investieren.