Fahrdienste

MyTaxi wird Free Now: Taxis und Mietwagen in nur einer App

MyTaxi expandiert und nennt sich jetzt Free Now. Der Taxi-Verband kritisiert das Projekt als „Uber-Imitat“ und bezweifelt den Nutzen.

Marketingchef Thomas Zimmermann (l.) und Deutschland-Chef Alexander Mönch.

Marketingchef Thomas Zimmermann (l.) und Deutschland-Chef Alexander Mönch.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin. Aus MyTaxi wird Free Now: Die Taxi-App startet unter dem neuen Markennamen Free Now und mit den beiden Automobilkonzernen Daimler und BMW im Rücken mit einem erweiterten Angebot. Über die neue Plattform lassen sich neben Taxis auch Mietwagen mit Fahrer buchen. In wenigen Monaten soll zudem die E-Scooter-Marke Hive integriert werden, erklärte Free Now Deutschland-Chef Alexander Mönch am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung der Pläne.

Die App werde außerdem ein neues Logo bekommen, Nutzer müssten sie aber nicht neu herunterladen, hieß es weiter. Die Kunden könnten dann vorab entscheiden, welches Verkehrsmittel sie nutzen möchten.

Firma will Service in 16 andere deutsche Städte ausdehnen

Dem Taxigeschäft wolle man aber nicht den Rücken kehren. Im Gegenteil, man wolle es ausbauen, sagte Mönch weiter. Denn: „Taxi ist in unsere DNA.“ Konkret plant das Unternehmen, mit seinem Taxiservice in 16 weitere mittelgroße deutsche Städte – so unter anderem in Dresden, Leipzig und Rostock – zu expandieren. Kunden könnten dann in Deutschland in 45 Städten Taxifahrten über die App buchen. „Der motorisierte Individualverkehr muss zurückgedrängt werden“, betonte Mönch bei der Vorstellung der neuen App. Gelingen könne das nur mit Sharing, dem Teilen eines Taxis. Mit „Match“ gehört deshalb auch ein Taxi-Sharing-Service zu Free Now.

Fahrten zum Festpreis bietet das Unternehmen aber bis jetzt nur in Hamburg an. In Berlin ist der Service bislang ohne Festpreisgarantie verfügbar.

Mietwagen-Flotte mit anfangs 600 bis 700 Fahrzeugen

Während Taxis ab sofort über die App buchbar sind, startet der Mietwagen-Service Ende Juli als Pilotprojekt in Hamburg. Berlin und Frankfurt sollen im August hinzukommen, weitere deutsche Städte dann bis September folgen. In Berlin soll die Mietwagen-Flotte zum Start 600 bis 700 Fahrzeuge umfassen. Langfristig sei das Ziel jedoch, dass die beiden Verkehrsmittel Taxi und Mietwagen in einem neuen Verkehrstyp aufgehen, erklärte Mönch. „Wir müssen das Beste aus beiden Welten zusammenführen.“ Nur so könne der Konkurrenz von Uber und anderen privaten Fahrdienstleistern etwas entgegengesetzt werden.

Die E-Scooter-Marke Hive soll die dritte Säule des Free Now-Angebots ausmachen. Der Marktstart in Deutschland sei in der Planung. Man wolle jedoch die erste E-Scooter-Welle abwarten und zunächst bewerten, so Mönch.

Marktführerschaft in Europa ist das Ziel

In Portugal, Polen und Österreich sind die Roller schon unterwegs. Ziel der neuen Plattform sei die „Marktführerschaft in Europa“, verkündete Free Now Deutschland-Chef Mönch. Free Now versteht sich dabei als reiner Fahrten-Vermittler – ohne eigene Fahrzeug-Flotten. Zum Start wird die jetzt vorgestellte neue Plattform von den beiden Gesellschaftern Daimler und BMW subventioniert. Eine Kooperation mit den beiden anderen Daimler-Töchtern, dem BVG-Sammelfahrdienst Berlkönig und dem Vermittler von Chauffeur-Fahrten Blacklane, sei nicht geplant.

Beim Bundesverband Taxi und Mietwagen stößt das neue Angebot auf Kritik: „BMW und Daimler versuchen mit Free Now panisch, Uber hinterherzulaufen. Keine Option für die Verbraucher, nur Taxi garantiert die Mobilität für alle durch von Kommunen festgelegte Tarife“, schrieb Verbandspräsident Michael Müller auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Und weiter: „Free Now ist offenbar nur ein Uber-Imitat und führt zu mehr Verkehr.“

Hauptsitz der Gemeinschaftsfirmen wird in Berlin sein

Die Taxi-App MyTaxi ging 2009 an den Start, 2014 übernahm Daimler 100 Prozent der Anteile. Im Februar 2019 verkündeten Daimler und BMW den Zusammenschluss ihrer Mobilitätsdienstleister. Fünf Marken sollen zum neuen Verbund gehören: Neben Free Now sind das Share Now (der Zusammenschluss der Carsharing-Sparten DriveNow und Car2go), Reach Now (Fahrtenplanung), Park Now (digitale Parkplatzsuche) und Charge Now (Ladestationen-Suche).

Der Hauptsitz der fünf Gemeinschaftsfirmen wird in Berlin sein. So konnte die zukünftige Reach Now-Chefin Daniela Gerd tom Markotten am Rande der Hauptstadtkonferenz Elektromobilität der Berliner Morgenpost im März auch die Entstehung von 500 neuen Arbeitsplätzen in Berlin verkünden.