Landesbetrieb

So sollen Medikamente aus Trinkwasser gefiltert werden

Der Landesbetrieb investiert bei Klärwerken in eine neue Reinigungsstufe. Chef Jörg Simon: Arzneimittelhersteller in der Pflicht.

Berliner Wasserbetriebe

Berliner Wasserbetriebe

Foto: Berliner Wasserbetriebe

Berlin. Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) gehen verstärkt gegen Rückstände von Medikamenten im Berliner Wasser vor. Am Klärwerk Schönerlinde im Norden der Hauptstadt plant der Landesbetrieb bis 2022 den Bau einer Anlage, die derartige Spurenstoffe aus dem dort geklärten Abwasser herausholt. „Das wird immer wichtiger. Denn perspektivisch werden die Menschen immer älter und verbrauchen deswegen auch mehr Medikamente“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Berliner Wasserbetriebe, Jörg Simon, der Berliner Morgenpost.

Zuletzt hatte auch eine Stichprobe der Stiftung Warentest von Wasser aus 20 Städten und Gemeinden Medikamentenrückstände nachgewiesen. In Berlin seien demnach Spurenstoffe aus drei Wirkstoffen gefunden worden. Die gesundheitlichen Orientierungswerte für diese Stoffe seien bei dem Wasser aus dem Hahn aber nicht überschritten worden, so die Verbraucherschützer.

Die Aufrüstung des Klärwerks Schönerlinde ist Teil eines großen Investitionsprogramms der Wasserbetriebe. Bis 2027 sollen die Klärwerke der Stadt flächendeckend mit der sogenannten vierten Reinigungsstufe ausgestattet sein. „Wir machen das Schritt für Schritt. Das ist ja auch nicht ganz billig, sowohl was die Investitionen als auch den Energieverbrauch angeht“, so Simon.

Mehrkosten von 1,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2027

Nach Angaben der Wasserbetriebe hebe die vierte Reinigungsstufe die Energiekosten um 30 Prozent an. Insgesamt hat das Landesunternehmen vor, bis 2027 rund 1,5 Milliarden Euro in die Klärwerke zu investieren. An den Mehrkosten für die vierte Klärstufe sollen sich, so Simon, auch Unternehmen aus der Pharma-Branche beteiligen. Der BWB-Manager hat dafür gemeinsam mit dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft eine Finanzierungsoption vorgeschlagen. „Die Pharma-Firmen zahlen in den Topf ein. Werden dann aber umweltverträglichere Medikamente hergestellt, bekommen die Unternehmen Geld zurück. Ich bin dafür, das Ganze nach dem Verursacherprinzip zu betrachten und mit einem Anreizsystem zu versehen, das die Entwicklung wasserverträglicher Alternativen honoriert“, erklärte Simon. Die Pharma-Industrie sei grundsätzlich zu Gesprächen bereit. „Wenn es um die Kosten geht, ist die Interessenslage natürlich anders“, sagte er.

Mit Blick auf die aktuelle Wetterlage sieht Vorstandschef Simon die Wasserbetriebe bereits heute gut aufgestellt. „Das Jahr 2018 hat gezeigt, dass wir mit dieser großen Hitze umgehen können. Wir haben in dem Jahr zu keiner Zeit Versorgungsprobleme gehabt“, sagte Simon. In diesem Jahr sei die Verlaufskurve des Wasserverbrauchs vergleichbar. Zusätzliche Qualitätskontrolle wegen der Hitze planen die Wasserbetriebe allerdings nicht. Das sei nicht nötig, so der Wasserbetriebe-Chef. Für die Qualität des Wassers sei die Hitze sogar gut, weil das Leitungsnetz gut durchspült werde, sagte Simon.

Generell sieht der BWB-Chef bei der Bewältigung von Extremwetterereignissen aber Nachbesserungsbedarf in Berlin: „Die Frage ist, wie man die Versiegelung der Flächen wieder etwas zurückgedreht bekommt. Man hat viel zugebaut und leider nicht so richtig darüber nachgedacht, welche Folgen das hat. Zudem nehmen extreme Starkregen und infolgedessen auch Überflutungen zu.“ Die Wasserwerke hatten deswegen 2018 gemeinsam mit dem Berliner Senat die Regenwasseragentur gegründet. Vor allem bei der Gestaltung von Neubauten werden die Berater der Agentur seitdem aktiv. Viele Bauherren würden die Dienstleistungen nachfragen und sich verstärkt Gedanken machen, wie das Regenwasser abfließen könne, so Simon.

Die Wasserwerke arbeiten zudem an einem „Überstau-Atlas“, um systematisch erkennen zu können, wo es zu Überflutungen kam. Um das Regenwasser besser auffangen zu können, hatten die Wasserwerke in den vergangenen Jahren deswegen auch mehr Speicher gebaut. „Mittlerweile haben wir in der Innenstadt 245.000 Kubikmeter Speicherraum, in Waßmannsdorf noch mal 50.000“, sagte Simon. Weitere Abwasserparkplätze seien im Bau.

Mehr zum Thema:

„Für die Qualität des Wassers ist die Hitze gut“