Wohnungsmarkt

Über 6000 landeseigene Wohnungen stehen leer

Trotz des angespannten Mietmarkts wird ein Teil des Bestands von landeseigenen Gesellschaften nicht vermittelt. Das ist der Grund.

Wohnungen müssen laut Zweckentfremdungsverbotsgesetz innerhalb von drei Monaten vermietet sein – ansonsten droht ein Bußgeld.

Wohnungen müssen laut Zweckentfremdungsverbotsgesetz innerhalb von drei Monaten vermietet sein – ansonsten droht ein Bußgeld.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Wenn Klingelschilder abgeschraubt werden und auch nach Monaten kein Umzugswagen vorfährt, reagieren Nachbarn verwundert. Angesichts der Wohnungsnot auf dem Berliner Markt wirkt es unwahrscheinlich, dass sich keine Interessenten finden. Tatsächlich steht ein Teil der landeseigenen Wohnungen längerfristig leer. 6280 waren es laut der neuesten Ermittlung für das vierte Quartal 2018, teilt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit. Nach Recherchen des RBB soll in Prenzlauer Berg mindestens ein Mietshaus betroffen sein, in dem Wohnungen seit Jahren leer stehen – es befindet sich im Besitz der Gewobag, die zu den sechs großen landeseigenen Gesellschaften gehört.

„Spekulativer Leerstand wird nicht toleriert“

Nun reagiert die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und weist die Mutmaßung, dass der Leerstand in Landesimmobilien absichtlich herbeigeführt wird, zurück. „Es gibt bei den städtischen Wohnungsunternehmen keinen gewollten vermietungsbedingten Leerstand“, erklärt eine Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Und nennt für die Nichtvermietung einen einfachen Grund: „Umfangreiche Sanierungen und Modernisierungen, die eine Freimachung der Objekte erfordern.“ Gleich nach Abschluss der Bauarbeiten sollten die Wohnungen der landeseigenen Gesellschaften dem Markt wieder zur Verfügung stehen. „Spekulativer Leerstand wird nicht toleriert und kommt bei den städtischen Wohnungsunternehmen auch nicht vor“, heißt es aus der Verwaltung.

Leerstand bei der Degewo deutlich gestiegen

Dennoch erscheinen 6280 Wohnungen viel. Auch die Leerstandsquote von Landeseigenen Unternehmen, die bei 2,2 Prozent liegt, übersteigt den Berliner Durchschnitt, der zuletzt unter ein Prozent gefallen war. Innerhalb von acht Jahren hat sich der Leerstand im Gesamtbestand der Stadt halbiert. Bei den landeseigenen Gesellschaften, die rund 300.000 Wohneinheiten verwalten, blieben die Zahlen zuletzt konstant. 2017 waren 6285 Wohnungen unvermietet, im Jahr darauf lag die Zahl nur um fünf Wohnungen niedriger. Bei der Degewo stieg die Zahl in diesem Zeitraum sogar von 1.146 leeren Wohnungen auf 1.444. Bei der Gesobau gab es einen Anstieg von 1051 auf 1294. Deutlich sinkenden Leerstand verzeichnete hingegen die Gesellschaft Stadt und Land, wo 2018 nur noch 1022 Wohnungen unvermietet blieben – 2017 waren es noch 1532.

Wenn eine Wohnung länger als drei Monate leer steht, können die Bezirke über das Zweckentfremdungsverbotgesetz eingreifen. Das maximale Bußgeld bei Verstößen wurde zuletzt auf 500.000 Euro angehoben.