Arena in Treptow

Hanfmesse Mary-Jane: Von Rapper-Ölen und Riesen-Joints

| Lesedauer: 5 Minuten
Dominik Bath
Noch bis Sonntag findet Deutschlands größte Cannabis-Messe Mary Jane in der Arena in Treptow statt. Der Veranstalter rechnet mit insgesamt 25.000 Besuchern.

Noch bis Sonntag findet Deutschlands größte Cannabis-Messe Mary Jane in der Arena in Treptow statt. Der Veranstalter rechnet mit insgesamt 25.000 Besuchern.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Auf Deutschlands größter Cannabis-Messe Mary Jane stellen auch Berliner Unternehmen neue Produkte vor.

Berlin.  Deutschlands größte Cannabis-Messe könnte auch für Garten-Freunde interessant sein: Die niederländische Firma „The Climate Factory“ hat in die Arena nach Treptow, wo noch bis Sonntag die Mary Jane stattfindet, ein wahres Hightech-Gewächshaus gebaut. Ruud Aendekerk, einer der leitenden Techniker des Unternehmens, steht am Sonnabend unter der Überdachung und erklärt die Vorzüge des Aufbaus.

Über das Schaltpult lassen sich etwa Sonnenaufgang und Sonnenuntergang simulieren. Mit den Reglern steuert Aendekerk aber auch die Flüssigkeits- und Nährstoffzufuhr. Dank Infrarotkamera und anderer Sensoren kann sich der Niederländer aber auch mal zurücklehnen und der Technik die Verwaltung des Pflanzen-Paradieses überlassen. „Auch Gemüseanbau funktioniert mithilfe der Technik sehr gut“, sagt Ruud Aendekerk dann. Den Cannabis-Freunden auf der Mary Jane dürfte aber schnell klar sein, dass mit der Technik auch ein anderes Kraut gut gedeihen würde.

Vom Kiffer-Image in die Wellness-Welt

Das Geschäft mit Cannabis gilt hierzulande als Wachstumsmarkt. Zwar ist der private Anbau und Besitz von Gras eine Straftat. Ärzte dürfen aber seit 2017 Cannabis auf Rezept verordnen, Patienten dürfen es legal konsumieren.

Unternehmen auf der Mary Jane konzentrieren sich aber vor allem auf Produkte, die den Cannabis-Wirkstoff Cannabidiol (CBD) erhalten. CBD ist anders als das Tetrahydrocannabinol (THC) nicht bewusstseinsverändernd, sondern wirkt beruhigend und stresslindernd. Unter Auflagen darf das CBD-Kraut auch in Deutschland angebaut werden, etwa von Bio-Bauernhöfen. Produkte mit CBD-Gehalt scheinen sich vom Kiffer-Image gelöst zu haben und sind so mitunter bereits in der Wellness-Welt angekommen.

Das Start-up Berliner Wiese bezieht die CBD-Cannabis-Blüten von einem Landwirt in Brandenburg und verarbeitet den Rohstoff weiter zu Tees, Ölen und Proteinpulver. Derzeit sind die Produkte im firmeneigenen Internet-Shop erhältlich, aber auch in zwei Bio-Supermärkten in Lichtenberg stehen die Erzeugnisse auf Cannabis-Basis schon in den Regalen. „Wir versuchen den Menschen zu erklären, was die Pflanze alles kann“, sagt Julien Kraske, Mitgründer von Berliner Wiese.

Eine ähnliche Mission hat auch Eden-Germany-Geschäftsführer Remy Hädecke. Der Berliner, der in der deutschen Hip-Hop-Szene auch als Rapper „Plusmacher“ bekannt ist, vertreibt und entwickelt CBD-Produkte. Auf der Mary Jane steht er am Sonnabendmittag vor einem Regal mit seinen Kreationen. „Eden steht für Qualität, alles andere ist Jenseits“, sagt Hädecke. Dann greift er zu dem Bart-Öl. Auf der Verpackung ist ein Konterfei des Rappers zu sehen. Hädecke streicht über seinen Bart. „Nach dem Auftragen des Öls sind die Haare weicher, die Haut fühlt sich entspannter an“, sagt er.

Cannabis-Lotion gegen den Muskelschmerz

Über seinen Shop vertreibt der Berliner auch Kapseln oder Cremes. Einige Produkte werden auch bald in den Märkten einer großen Drogerie-Kette erhältlich sein. Hädecke erzählt dann von einem Freund, ein Boxer. Nach dem Training reibe der sich stets mit der CBD-Lotion ein - und der Schmerz lasse nach. Der Unternehmer will nun weitere Produkte entwickeln. Zahnpasta mit CBD-Wirkstoff etwa könne gegen Zahnfleischmerzen helfen, glaubt er.

Auf der Mary Jane kommen Besucher auch mit einem der bekanntesten Szene-Kenner ins Gespräch: Winni Fleckner verlegt seit 1995 das Branchenmagazin „Grow!“. Fleckner hat beobachtet, wie sich das Cannabis-Geschäft in den letzten Jahren verändert hat. „Früher war das ein Markt für Enthusiasten. Jetzt gehen immer mehr Unternehmen rein“, sagt Fleckner, ein Mann mit verfilzten Kopfhaaren.

Davon profitiert auch Berlin. Erst im Frühjahr fand in der deutschen Hauptstadt Europas größte Cannabis-Konferenz, die International Cannabis Business Conference (ICBC), statt. Die Frage, wie sich die Branche weiterentwickeln kann, steht auch bei der Mary Jane auf der Tagesordnung. Bei Experten-Panels berichten etwa Ärzte von ihren Erfahrungen mit der Verschreibung von Cannabis als Medizinprodukt. Am Sonntag fragt der Deutsche Hanfverband zudem drei Bundestagsabgeordnete, was noch zu tun ist auf dem Weg zur Cannabis-Legalisierung.

Weltgrößter Joint auf der Mary Jane gebaut

Neben den Herausforderungen, vor denen die Branche noch steht, geht es bei der Mary Jane aber auch ums Vergnügen. Das Badeschiff neben der Arena lädt bei sommerlichen Temperaturen zum Schwimmen ein. Besucher verweilen während der Mittagspause in den zahlreichen Liegestühlen auf dem Gelände. Dazu gibt es selbstverständlich Eis und gekühlte Drinks mit CBD-Zusatz. Mit rund 25.000 Besuchern rechnen der Mary-Jane-Veranstalter.

Noch bis Sonntag sind die Tore von Deutschlands größter Hanf-Messe geöffnet. Bereits am Freitag wurde auf der Mary Jane sogar ein neuer Weltrekord aufgestellt: Gleich am Eröffnungstag haben Hanf-Freunde den weltgrößten Joint gebaut, eine 50 Meter lange Riesen-Tüte.