Berliner helfen

Mit Naturwissenschaft und Teamgeist zum Erfolg

Tüfteln, planen, abrechnen - Berliner helfen e.V. unterstützt das Programm Lab2Venture an Berliner Schulen.

Abschlussveranstaltung Lab2Venture Projekt

Abschlussveranstaltung Lab2Venture Projekt

Foto: Gläsernes Labor

Wenn es um knifflige Aufgaben geht, sind Jugendliche einfallsreich, beharrlich und entwickeln Teamgeist. Das wird beim Bildungsprogramm Lab2Venture deutlich. Zur diesjährigen Abschlussveranstaltung am 17. Juni haben Berliner Schüler zwölf Projekte vorgestellt, an denen sie ein Jahr lang gearbeitet hatten. Ort der Veranstaltung war das Zeiss-Großplanetarium in Prenzlauer Berg.

Space Rover aus Spandau

Das Modell eines Space-Rovers ist in der Wolfgang-Borchert-Schule in Spandau entstanden. „Weil wir Lust hatten, etwas zu bauen, was man nicht so oft sieht“, erzählte der Neuntklässler Julius (15). Das Projekt „Robotic“ wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Raumfahrttechnik der Technischen Universität Berlin realisiert. „Auswahl, Aufbau und Programmierung eines Space-Rover-Modells“, so lautete die Aufgabe.

Akku für Mars Mission ausgewählt

Die Firma beSpace GmbH wurde Partner der Jugendlichen. Lehrerin Sabine Wischnack hat ihre Schüler bei dem anspruchsvollen Vorhaben begleitet. Zunächst musste eine geländegängige Plattform gefunden werden. „Auch die Auswahl des Akkus für eine 20-minütige Marsmission war kompliziert, daran haben sie mehrere Wochen gerechnet. Er durfte nicht zu schwer und nicht zu groß sein. Und musste mindestens 30 Prozent Steigung schaffen.“

Vier Motoren, die unabhängig voneinander arbeiten und je eines der vier Räder des Rovers ansteuern, wurden angebracht, außerdem Ultraschallsensoren, damit das Fahrzeug Hindernissen ausweichen kann. Die Recherche habe lange gedauert, so die Pädagogin.

Anspruchsvolle Programmierung

Die Programmierung sei anspruchsvoll gewesen. „Die Schüler haben eine ganz tolle Arbeit gemacht.“ Erst vor zwei Monaten sei klar gewesen, dass sie das Projekt erfolgreich abschließen können. Teamleiter Julius: „Der Rover funktioniert. Dann ist man schon mal glücklich.“ Neun Jugendliche waren beteiligt. Das einzige Mädchen im Team, Fatemeh, hatte sich in die Programmierung eingearbeitet und die Außendarstellung des Projekts übernommen. Sie konnte wegen einer Erkrankung nicht an der Präsentation teilnehmen.

Start-up-Feeling

Sabine Wischnack betreut die Lab2Venture-Projekte an ihrer Schule bereits zum fünften Mal. „Ich finde es immer schön zu sehen, wie die Jugendlichen dabei reifen“, sagte sie. „Sie mussten sich mit Schwierigkeiten herumschlagen, als Zeitpläne nicht einzuhalten waren. Und haben viel in ihrer Freizeit daran gearbeitet.“ Es habe ein „Start-up-Feeling“ bei den Schülern gegeben. Zur Abschlussveranstaltung von Lab2Venture kam auch Lennart Kryza. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin und leitet die Arbeitsgruppe Weltraumrobotik im Fachgebiet Raumfahrttechnik. Kryza hat die Jugendlichen von der Wolfgang-Borchert-Schule in technischen Fragen beraten. „Ich finde das Ergebnis super“, sagte er. „Sie haben an einem Projekt gearbeitet, das normalerweise von Studenten realisiert wird.“

Einsatz in der Summer School der FU

Einen Roboter zu integrieren, die Elektronik auszuwählen, damit er auch fahren und verschiedene Aufgaben erfüllen kann, - „das ist nicht ohne.“ Die Schüler seien mit sehr viel Kreativität an die Aufgabe gegangen. Das Space-Rover-Modell wird bei der Summer School der TU Berlin Ende Juli zum Einsatz kommen. „In einem Kursus über autonome Weltraumroboter, die auf planetaren Oberflächen fahren und sich zurechtfinden“, erzählte der Wissenschaftler. Im Programm Lab2Venture bekommen Jugendliche der neunten bis zwölften Klassen Forschungsaufträge von Unternehmen oder Instituten. Die Schüler sollen dabei Kreativität, Forschergeist und unternehmerische Qualitäten entwickeln.

Projekt planen - Angebot erstellen

Sie planen das Projekt, erstellen ein Angebot und schließlich die Abrechnung. Das Schülerforschungszentrum Berlin, das Schülerlabor NatLab der Freien Universität Berlin und das Gläserne Labor in Buch unterstützen sie dabei. Dass die Projekte realisiert werden können, ist auch dem Verein Berliner helfen zu danken. Er hat Lab2Venture Berlin 2019 zum zweiten Mal finanziert. „Die Bildung und die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen liegt uns sehr am Herzen“, sagte die Vereinsvorsitzende und Chefredakteurin der Berliner Morgenpost, Christine Richter, bei der Abschlussveranstaltung am Montag. Lab2Venture sei ein tolles Vorhaben. „Wir sind überzeugt von dieser Kombination aus schulischer Arbeit und einem konkreten wirtschaftlichen Ziel.“

Sie habe sich die Projekte angesehen und sei beeindruckt, sagte die Journalistin zu den Schülern. „Vielleicht wird ja noch mehr daraus - eine Patentanmeldung oder ein Start-up-Unternehmen.“ Erfolgreich haben auch Jugendliche des Robert-Havemann-Gymnasium in Pankow teilgenommen. Sie sollten im Auftrag des Gläsernen Labors einen 3-D-Drucker für einen Schülerkursus einrichten, eine Bedienungsanleitung erstellen und ein Molekül drucken. Die Schüler bildeten Teams für Software, Recherche, Chemie und Marketing, um die Aufgabe zu erfüllen. Sie wählten das Gerät und das Material zum Drucken aus, sahen sich Molekülbaukästen an und nahmen an Schülerkursen teil.

„Wir haben gelernt, als Team zu fungieren und das Ganze zu organisieren“, so die Bilanz der Schüler. „Jeder Einzelne hat etwas geleistet, darauf sind wir stolz.“

Kampf gegen Motten

Vorratsschutz war eines der beiden Themen, die Zehntklässler des Thomas-Mann-Gymnasiums in Reinickendorf bearbeitet haben. „Im Bio-Profilierungskurs haben wir untersucht, wie man Lebensmittel vor der Dörrobstmotte schützen kann“, erzählte der Pädagoge Birk Richter. Die Schädlinge wurden auf Hundefutter, Tee, Müsli und Mehl getestet. Ergebnis: „Sie fressen besonders gerne Müsli.“ Getestet wurde auch, welche Verpackung den Befall am besten verhindert. „Heraus kam, dass Plastikdosen überhaupt nicht schützen. Perfekt sind Schraubgläser und Plastik-Zip-Tüten.“ Das Julius-Kühn-Institut in Dahlem war Auftraggeber und stellte 100 Exemplare des Schädlings zur Verfügung. Sie wurden in Aquarien im Klassenraum gehalten und von „Mottenpflegern“ betreut.

Einen Befall in der Schule habe es nicht gegeben, so Birk Richter. Auch zuhause stellten die Schüler Pheromonfallen auf – ohne dass sich eine Motte darin verfing. „Wir nehmen das dritte Jahr an Lab2Venture teil und haben insgesamt vier Projekte durchgeführt“, erzählte Birk Richter. Die Schüler müssten dabei eigenständig vorgehen. „Es dauert einige Wochen, bis sie das realisiert haben, aber dann arbeiten sie ganz anders.“