Wetter in Berlin

38,4 Grad in Tegel: Neuer Hitzerekord im Juni für Berlin

Meteorologen haben am Sonntag in Berlin eine neue Hitze-Spitze gemessen. Damit wurde der Wärme-Rekord vom Mittwoch eingestellt.

Deutschland und der Rest Europas schwitzt am Wochenende bei hohen Temperaturen. Und es gibt weitere Waldbrände in der Region von Madrid.

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Berlin. 
  • Hitze-Rekord gebrochen: Am Sonntag wuren in Tegel 38,4 Grad gemessen
  • Lageso: Zerkarien könnten im Großen Müggelsee auftreten
  • Unter der Hitzewelle in Europa ächzt derzeit vor allem Südfrankreich, wo am Freitag 44,3 Grad gemessen wurden

In Berlin haben die Temperaturen am Sonntag neue Rekordwerte erreicht. Um 17 Uhr wurden in Berlin-Tegel 38,4 Grad gemessen, in Tempelhof 38,1 Grad. Damit war die Temperatur in Tegel die bisher höchste, die je in einem Juni in der Hauptstadt gemessen wurde. Bisher lag der Rekord bei 37,5 Grad, der am vergangenen Mittwoch auf dem früheren Flughafen Tempelhof gemessen wurde. In Brandenburg lieferten Messstationen in Potsdam und Wusterwitz am Sonntag Werte von 37,4 Grad.

"Der deutsche Temperaturrekord für den Juni könnte heute geknackt werden", hatte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Sonntagmittag prognostiziert. Dieser liegt bei 38,6 Grad, gemessen am vergangenen Mittwoch im Dorf Coschen (Landkreis Oder-Spree). Doch ganz so heiß wurde es dann doch nicht in Berlin.

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Wetterdienst warnt: UV-Strahlung sehr hoch

Der Wetterdienst warnte vor einer "hohen bis sehr hohen Belastung" durch UV-Strahlen in Berlin und Brandenburg am Sonntag. "Empfindliche Menschen sollten nur mit Sonnenhut und ausreichend Sonnencreme ins Freie gehen." UV-Strahlen erhöhen das Risiko von Hautkrebs. Die Berliner Feuerwehr appellierte an die Bevölkerung "genug zu trinken, Sport auf die Abendstunden zu verlegen und auf Mitmenschen zu achten, die gesundheitliche Probleme haben könnten."

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Die Feuerwehr konnte bis zum späten Sonntagnachmittag keinen Anstieg hitzebedingter Einsätze feststellen, bei denen Berliner gesundheitlich in Gefahr gerieten. „Die Menschen scheinen sich auf die Temperaturen eingestellt und ein entsprechendes Verhalten an den Tag gelegt zu haben“, teilte ein Mitarbeiter des Lagedienstes auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit. Auch auf das Einsatzaufkommen der Polizei wirkten sich die hohen Temperaturen nach Angaben eines Sprechers zunächst nicht aus.

Hitzerekord in Deutschland

Viele Berliner zog es am Sonntag in die zahlreichen Freibäder der Hauptstadt. "Bei uns sind alle Schattenplätze belegt", sagte ein Sprecher des Strandbads Friedrichshagen. Das Strandbad Wannsee meldete "ein hohes Besucheraufkommen", konkrete Zahlen lagen jedoch nicht vor. Einige Bäder hatten Zusatzpersonal beschäftigt, um die Warteschlangen am Einlass kurz zu halten.

Kaltfront ist unterwegs

Bereits ab Montag sollen die Temperaturen wieder sinken. "Aus dem Westen ist eine Kaltfront mit Luft aus dem Atlantik und der Nordsee unterwegs", so der DWD-Sprecher. Es sei dann nur noch mit 26 bis 30 Grad zu rechnen. Auch der Wind solle am Montag zunehmen. "Zwischen 14 und 20 Uhr rechnen wir maximal mit Windstärke 7."

Für Dienstag werden bis zu 23 Grad erwartet. Bis zum kommenden Freitag soll es nicht mehr wärmer werden. Regen ist nicht in Sicht, bis auf den Norden Brandenburgs. Dort könne es einige Schauer geben. "Die Gefahr von Waldbränden ist wegen der Trockenheit weiterhin gegeben", erklärte der Sprecher.

Hochsommer, Hitze und Waldbrände

Bis zum kommenden Freitag soll es nicht mehr wärmer werden. Regen ist nicht in Sicht, bis auf den Norden Brandenburgs. Dort könne es einige Schauer geben. "Die Gefahr von Waldbränden ist wegen der Trockenheit weiterhin gegeben", erklärte der Sprecher. Hobbygärtner sollten unbedingt ihre Pflanzen weiterhin bewässern, weil die Böden ausgetrocknet sind.

Nicht nur Deutschland ächzt unter der Hitzewelle. Auch Frankreich kämpft seit Anfang der Woche mit extrem heißen Temperaturen. In Carpentras nördlich von Marseille wurden am Freitag 44,3 Grad gemessen, wie Meteo-France mitteilte - ein neuer Temperatur-Rekord für Frankreich.

Lageso warnt vor Parasiten in Badesee

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) informiert, dass "trotz sehr guter Wasserqualität" im Großen Müggelsee Zerkarien auftreten können. Anhaltend warme Temperaturen, relativ klares Wasser mit Wasserpflanzen und die Ansammlung von Wasservögeln an den Stränden können das Vorkommen der Parasiten begünstigen. Wie das Lageso mitteilt, sind bislang in den Berliner Badegewässern nur sehr selten Zerkarien aufgetreten.

Hier erhalten Sie Informationen über die Badewasserqualität.

Haben Zerkarien eine Person befallen, äußert sich das in geröteten Flecken. Diese haben einen Durchmesser von rund zwei Millimeter. Zerkarien verursachen einen Juckreiz - ähnlich wie bei Mückenstichen. Beim Zweitbefall und bei sensiblen Personen kommt es zu stärkeren Abwehrreaktionen mit Quaddelbildung und starkem Juckreiz.

Um einen Befall mit Zerkarien zu vermeiden, sollte man Folgendes beachten:

  • Wasserpflanzenreiche Uferbereiche meiden
  • Freiwasserzonen aufsuchen
  • Wasserfeste Sonnenschutzmittel verwenden
  • Nach dem Baden kräftig mit dem Handtuch abrubbeln, um gegebenenfalls ein vermehrtes Eindringen in die Haut zu verhindern
  • Nasse Badekleidung ausziehen
  • Bei heftigeren Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden
  • Wasservögel sollen nicht durch Fütterungen angelockt werden, denn die Larven der Zerkarien leben in Enten oder anderen Wassergeflügel

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Lange Schlangen vor den Berliner Freibädern

Die Hitze und die Sommerferien trieben besonders viele badefreudige Berliner ans Wasser. Am Prinzenbad in Kreuzberg standen die Menschen am Mittwoch schon weit vor 9 Uhr in einer langen Schlange an der Kasse an. Auch das Freibad Olympiastadion und die anderen Bäder waren gut gefüllt. Unterdessen warnte die Senatsverwaltung für Umwelt vor hohen Ozonwerten und rief dazu auf, möglichst das Auto stehen zu lassen. Empfindliche Menschen sollten am Nachmittag ungewohnte und starke körperliche Anstrengungen im Freien vermeiden, hieß es.

Das Unfallkrankenhaus in Berlin-Marzahn berichtete auf Twitter von einer erhöhten Anzahl von Patienten mit schweren Knochenbrüchen - auch dies sei Folge der Hitze: "Bei hohen Temperaturen werden Menschen oft unkonzentrierter, stolpern dann eher und stürzen."

Es sei außergewöhnlich, dass es so früh im Jahr so heiß sei, sagte der Meteorologe Thomas Dümmel von der Freien Universität (FU) mit Blick auf die Werte an der Messstation Dahlem. Er rechne mit einem Rekord bei der Juni-Mitteltemperatur: Der Wert, der aus Nacht- und Tageswerten errechnet wird, liege aktuell schon bei 21,7 Grad. Normal seien 16,5 Grad. Auch bei den Sonnenstunden und den Tagen mit mehr als 30 Grad schnitt der Juni demnach überdurchschnittlich ab.

Das sagen die Berliner zur Sahara-Hitze

Mediziner raten dazu, bei der Hitze viel zu trinken, vorzugsweise Wasser. Die Berliner Wasserbetriebe verweisen deshalb auf ihre fast 100 öffentlichen Trinkbrunnen in der Hauptstadt. Hier gibt es die Liste, wo die Quellen zu finden sind.

Fahrbahnschäden auf A10 durch Hitze

Die Hitze macht auch Brandenburger Straßen zu schaffen: Akute Fahrbahnschäden auf der Autobahn A10 südlicher Berliner Ring sind vermutlich darauf zurückzuführen. Am Mittwoch mussten auf der linken Richtungsfahrbahn - Richtung Schönefelder Kreuz - zwei von drei Fahrstreifen gesperrt werden, teilte der Landesbetrieb Straßenwesen am Donnerstag mit. Die Fahrbahn in diesem Bereich ist eine mit Asphalt überbaute Betonfahrbahn. Durch eine Alkali-Kieselsäure-Reaktion - umgangssprachlich Betonkrebs genannt - wurde sie geschädigt.

Auf einem Abschnitt dieser Richtungsfahrbahn werde derzeit eine Baustelle eingerichtet, um den schlechten Zustand zu beseitigen, hieß es. Die Hitze habe offenbar vorhandene Schäden verstärkt und beschleunigt. Die Arbeiten auf der linken Richtungsfahrbahn vom Schönefelder Kreuz bis westlich des Anschlusses Rangsdorf beginnen am Montag und sollen voraussichtlich bis zum Jahresende dauern.

In Brandenburg besteht derzeit nach Angaben des Infrastrukturministeriums auf mehr als 220 Kilometer der insgesamt 1600 Kilometer Fahrbahnen der Verdacht auf Betonkrebs. Seit 2015 hat das Land etwa 1,9 Milliarden Euro für die Verbesserung der Straßen, Radwegen und Brücken im Land investiert. In diesem Jahr kommen nach den Angaben weitere 618 Millionen Euro für Bau und Unterhalt hinzu. 460 Millionen Euro davon kommen vom Bund.

Hitzewelle führt zu angespannter Lage bei Blutversorgung

Die hohen Temperaturen und der Beginn der Sommerferien stellen das Deutsche Rote Kreuz bei der Sicherstellung der Blutversorgung vor eine Herausforderung. Blut ist nur sehr begrenzt haltbar. Blutplättchen sind nur vier Tage einsetzbar. Die aktuelle Situation stellt für die Patientenversorgung eine ernsthafte Bedrohung dar. An jedem Werktag benötigt der DRK-Blutspendedienst Nord-Ost in seinem Versorgungsgebiet 1.750 Blutspenden, um den Bedarf von Kliniken zu decken.

Alle DRK-Blutspendetermine unter www.blutspende.de oder über das Servicetelefon 0800 11 949 11 (kostenlos).

Grillverbote im Görlitzer Park, Viktoriapark und im Volkspark Friedrichshain

Rein formal falle der Monat bisher nicht zu trocken aus, allerdings habe es nur an einigen wenigen Tagen sehr stark geregnet. Davon habe die Natur kaum profitiert. Wegen der "extremen Trockenheit" verhängte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg Grillverbote: Im Görlitzer Park, Viktoriapark und Volkspark Friedrichshain müssen Besucher vorerst auf Bratwurst und Co. verzichten. Die Umweltverwaltung kündigte an, den Bezirken insgesamt eine Million Euro zum Wässern von Straßenbäumen bereitzustellen. Die Stadtreinigung helfe dabei wieder aus.

Busse einer sozialen Hilfsorganisation versorgten Obdachlose mit Wasser, Sonnencreme und Obst. Regina Kneiding, Sprecherin der Senatsverwaltung für Soziales, sagte: "Wir wissen, dass die Hitze herausfordernd ist für die Betroffenen." Der vom Land mitbezahlte Busservice unterstützt Menschen auf der Straße seit Mai und fährt verschiedene Stellen an. In den ganzjährig geöffneten Notunterkünften stehen laut Kneiding derzeit 200 Plätze zur Verfügung.

Besonders die Freibäder in der Innenstadt kämpfen in diesen heißen Tagen mit dem Andrang der Besucher. Das Prinzenbad liege bei den Zahlen immer ganz vorne, sagte ein Sprecher der Berliner Bäder. "Mit großem Abstand zum zweiten Platz - uneinholbar für alle anderen." Dann folgten am Dienstag die Bäder in Wilmersdorf, Neukölln, Gropiusstadt und am Wannsee.

Manche Berufsgruppen haben es an den heißen Tagen schwerer als andere. So müssen Polizisten weiterhin lange Hosen und geschlossene Schuhe tragen. "Auch bei hohen Temperaturen bleibt die Uniform unverändert", sagte ein Sprecher der Berliner Polizei. Lediglich der Mützenzwang könne vom Dienststellenleiter aufgehoben werden. Zudem dürfen die Polizisten dunkelblaue Poloshirts tragen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) klagte: "Wir haben immer noch diverse Dienststellen, auf denen die Räume nicht richtig klimatisiert sind und gerade auf den älteren Mannschaftswagen kann es richtig heiß werden." GdP-Sprecher Benjamin Jendro erklärte: "Es geht den Kollegen bei der Hitze aber wie anderen Berufsgruppen auch, außer dass es definitiv kein Hitzefrei geben kann." Polizisten müssten bei jedem Wetter zum Dienst.