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Klimawandel und Co. bei der Langen Nacht der Wissenschaften

Am kommenden Sonnabend findet wieder die Lange Nacht der Wissenschaften statt. 65 Forschungseinrichtungen geben Einblicke.

Im schallgedämpften Raum des Akustiklabors an der Technischen Universität  Berlin – eine Archivaufnahme von der Langen Nacht der Wissenschaften im vergangenen Jahr.

Im schallgedämpften Raum des Akustiklabors an der Technischen Universität Berlin – eine Archivaufnahme von der Langen Nacht der Wissenschaften im vergangenen Jahr.

Foto: Carsten Koall / pA / dpa

Kaum ein Wissenschaftsthema ist derzeit präsenter als der Klimawandel. Da ist es nur konsequent, dass Berlins „klügste Nacht des Jahres“, die lange Nacht der Wissenschaften, sich in diesem Jahr schwerpunktmäßig der Erderwärmung annimmt. Und „Fridays for Future“ ist es gedankt, dass sich viele Veranstaltungen vor allem an jüngere Besucher wenden. Das unterstrich am Mittwoch Berlins Regierender und Wissenschaftssenator Michael Müller.

„Neben dem Klima sind es hochbrisante politische Themen wie die Entwicklung von neuen Wohnformen in der Stadt, die zeigen: Wissenschaft und Unis sind nichts Abgehobenes, sondern nah dran am alltäglichen Leben.“ Für Müller ist das die beste Möglichkeit, den Kontakt von Forschung und Alltag hautnah zu erleben.

Wieder rund 30.000 Besucher erwartet

Den Startschuss gibt er dafür am kommenden Sonnabendnachmittag in der Beuth-Hochschule in Wedding. Anschließend will der Regierende mit einer Testfahrt im Elektrokart in die „klügste Nacht des Jahres“ starten. Seit 2001 wird den jährlich etwa 30.000 Besucher auf diese Weise der Zugang in Labore, Institute und Hörsäle erleichtert und neueste Wissenschaftsergebnisse erlebbar gemacht. Über 65 teilnehmende Institutionen laden in Berlin und Potsdam ein.

Vom Forschungspark in Adlershof, die Interessierten einen Eindruck von einem Marslabor geben wollen, über die Charité mit dreidimensionalen Einblicken in die Herzchirurgie für Medizin-Neugierige bis hin zum Geoforschungszentrum im Potsdam, das in Experimenten Vulkane Feuer spucken lässt.

Der Schwerpunkt liegt auf der Klimaforschung

Bei mehr als 2000 Programmschwerpunkten aus den Natur-, Gesellschafts- oder Geisteswissenschaften (160 davon allein in Englisch) ist für jeden etwas dabei, ist sich Professor Monika Gross, Präsidentin der Beuth-Hochschule und Vorsitzende der Veranstaltung, sicher. „Der Umfang an wissenschaftlichen Angeboten ist nirgends so groß wie in Berlin.

Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr mit über 500 Programmpunkten auf der Klimaforschung. Die jungen Leute von Fridays for Future haben gezeigt, wie wichtig ihnen Wissenschaft ist. Deshalb wollen wir Wissenschaft zum Anfassen gestalten. Beispielsweise in der Technik, wo bereits kleinere Kinder in einigen Programmen die Möglichkeit haben, selber zu basteln und zu experimentieren“, sagte Gross.

Angebote auch für Jugendliche und Kinder

Mehr als 300 Angebote sind in diesem Jahr speziell auf Jugendliche und Kinder zurechtgeschnitten. An der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Oberschöneweide etwa kann die Technik eines Windkraftrades auseinander- und unter die Lupe genommen werden. Dies soll auch die Diskussion über erneuerbare Energien anregen.

Die Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Mitte möchte sich dem Jugendphänomen des Umgangs miteinander in sozialen Netzwerken annehmen. Die Forscher dort diskutieren und zeigen, wie mit dubiosen Informationen und Freundschaftsanfragen umgegangen werden kann und wie Konflikte gelöst werden.

Blick in das eigene Gehirn

Gross betonte, dass es bei derlei Programmen um die Brücke zwischen dem sozialen Leben und dem wissenschaftlichen Fortschritt geht. Ziel der immer interaktiver werdenden Veranstaltung ist es, mehr Interessenten aus dem nichtakademischen Milieu für die Veranstaltung zu gewinnen. „Wir haben mit den Programmen viel in den pädagogischen Aufbau gesteckt, um es für jeden anschlussfähig zu machen“, so Gross weiter.

Für die etwas schwierigeren, aber nicht weniger spektakulären Projekte sorgt zum Beispiel die Charité. Professor Petra Ritter schwärmt ein wenig, als sie ihr Projekt vorstellen darf. Sie zeigt mit ihrem Team die virtuelle Darstellung des eigenen Gehirns. Die Teilnehmer können mit Hilfe einer Kappe als „Neuro-Headset“ ihr eigenes Gehirn in einer Simulation auf den Bildschirm erfahrbar machen. Das virtuelle Gehirn ist Teil einer internationalen Informatikerplattform und soll nun für die Medizin von entscheidendem Vorteil werden. Mit ihm können operative Eingriffe am Gehirn virtuell getestet werden.

Wie Kunst das Bild vom Arbeiter- und Bauernstaat prägt

Wer es etwas kulturkritischer mag, ist bei Ullrich Weiß am Leibnitz-Zentrum für zeithistorische Forschung in Potsdam an der richtigen Adresse. Der Forscher und sein Team widmen sich unter anderem dem medialen Erbe der DDR und fragen, wie Ost-Rockbands überleben und nach der Wende neue Erfolge für sich verbuchten konnten. Oder wie DDR-Journalisten es schafften, sich in eine freie Presse einzugliedern.

Über allem schwebt dabei die Frage, welche Bedeutung Fotografie, Film und Musik aus dieser Zeit haben, die auch heute noch maßgeblich das Bild vom Arbeiter- und Bauernstaat prägen.

Biologisch abbaubare Kunststoffe aus dem Bakterienstoffwechsel

Nicht nur die Jugend setzt sich fürs Klima ein. In ihren Laboren sitzen Forscher und tüfteln seit Jahren an Konzepten und Erfindungen, die menschliches Wirtschaften umweltschonender machen. So wie Sebastian Riedel von der TU Berlin. Der Bioverfahrenstechniker stellt am Wochenende sein Projekt zu „Bioplastik“ vor, einer günstigen Alternative zum herkömmlichen Kunststoff.

Dazu hat Seidel ein Gläschen der Bakterien, die aus nachwachsenden Rohstoffen „Polyhydrooxyalkanoate“ (PHA) herstellen für seine Präsentation mitgebracht. Eine dunkelgelbe Substanz, die gegen die Vermüllung des Planeten helfen könnte. „Diese PHA haben zwar dieselben Eigenschaften wie normales Plastik, sind aber in der Natur vollständig zu Kohlendioxid und Wasser abbaubar“, versichert der Forscher.