Digitalisierung

Michael Müller eröffnet „CityLab“ als Berlins Zukunftslabor

Die Behörden sollen Bürgern und Unternehmern einen besseren Service bieten. Das neue CityLab in Schöneberg erprobt digitale Projekte.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller kommuniziert im CityLab mit dem Roboter „Bobby“.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller kommuniziert im CityLab mit dem Roboter „Bobby“.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Service

Berlin. Vielleicht ist der Roboter „Bobbi“ ein Teil der Zukunft bei der Berliner Verwaltung. „Bobbi“ antwortet im persönlichen Gespräch mit Behördengängern auf Fragen und schlägt auf einem Touchscreen Antwortmöglichkeiten vor. Noch ist „Bobbi“ ein Prototyp. Vorausgegangen war ein sogenanntes Chat-Bot-System, das seit 2017 auch Teil der Behörden-Internetseiten Berlins ist.

Einwohner sollen mithilfe der künstlichen Intelligenz schneller Antworten auf ihre Fragen erhalten. „Das System soll die Verwaltungsmitarbeiter bei Routine-Aufgaben und einfachen Anfragen entlasten“, erklärte Projektleiter Michael Meder von der Technischen Universität Berlin am Mittwochabend auch Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller.

Die Themen: Verwaltungsmodernisierung, Smart City, Digitalisierung

Der SPD-Politiker eröffnete am Abend das „CityLab“. In der Einrichtung im früheren Offiziershotel der US-Army am Flughafen Tempelhof sollen neue Projekte zur Digitalisierung erprobt werden. „Das CityLab ist ein Labor der Möglichkeiten und ein Ort, den es so bislang nicht gab in Berlin“, sagte Müller. Gemeinsam mit Bürgern, Behörden, Unternehmen und Wissenschaft sollen hier Lösungen für Herausforderungen des 21. Jahrhunderts entwickelt werden. Im Fokus stehen Verwaltungsmodernisierung, Smart City und Digitalisierung. Das Land Berlin finanziert das Möglichkeiten-Labor mit rund einer Million Euro zunächst für ein Jahr.

Ursprünglich hatte die Landesregierung gehofft, das Projekt schon innerhalb der ersten 100 Tage Regierungszeit realisieren zu können. Doch vor allem die Suche nach einem geeigneten Standort habe länger gedauert als geplant. Mit Blick auf die neuen Räume am Tempelhofer Feld sagte Müller, dieser Ort sei ideal. „Tausende Berliner kommen hier täglich vorbei. Wir wollen sie einladen, Berlin zu erleben und auch ihre Erwartungen zu formulieren“, sagte Müller.

Vernetzung zwischen Land und Bezirken lässt zu wünschen übrig

Vor allem über den Stand der Digitalisierung innerhalb der öffentlichen Verwaltung ärgern sich viele Berliner und Unternehmer. Viele Dienstleistungen seien zu langsam und noch analog anstatt schnell und digital, beklagte zum Beispiel jüngst die Industrie- und Handelskammer (IHK). Müller, der mit seinem Senat Mitte Mai den „Zukunftspakt Verwaltung“ beschlossen hat, weiß, wo der Schuh drückt. „Wir müssen besser vernetzt arbeiten zwischen Land und Bezirken und auch vorausdenken, was der Berliner als nächstes für Unterstützung von der Verwaltung braucht. Dafür das passende Angebot zu machen, ist eine Herausforderung“, sagte Müller.

Gleichzeitig betonte er, sich über das pauschale „Verwaltungs-Bashing“ zu ärgern. „Ich glaube, dass wir schon ein gutes Angebot machen“, erklärte er. Berlin habe in den letzten 30 Jahren mit dem Zusammenführen zweier Systeme große Aufgaben zu lösen gehabt. Ansiedlungen wie der Siemens-Innovationscampus zeigten, dass die Verwaltung durchaus leistungsfähig sei.

Eine Bewährungsprobe, noch kein Durchbruch

Das neue Experimentierfeld betreibt die Senatskanzlei gemeinsam mit der Technologiestiftung Berlin. „Im CityLab Berlin werden wir die digitalen Möglichkeiten nutzen, um innovative Angebote für die Stadt zu entwickeln. Digitalisierungsprojekte brauchen kollaborative Teams, die kreativ und agil auf Herausforderungen reagieren können“, sagte Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin.

Die Opposition hält das CityLab für einen guten Ansatz, mahnt aber weitere Anstrengungen an. „Die Inbetriebnahme des CityLab ist ein Hoffnungsschimmer in der digitalen Verwaltungswüste Berlins. Nun gilt es, die richtigen Menschen zusammenzubringen, Kreativität sowie Innovation so zu fördern, dass auch kundenfreundliche Dienstleistungen und Produkte entstehen können. Das Gründen des CityLab ist noch keine Bewährungsprobe. Die digitale Dienstleistungsangebote auch einzuführen, das wird der echte Erfolgsmaßstab sein“, sagte Bernd Schlömer, Sprecher für Digitalisierung der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.

CityLab geht nach zwei Jahren statt 100 Tagen an den Start

IHK-Präsidentin Beatrice Kramm betonte am Abend, dass der Blick von außen helfe, um verfestigte Strukturen und Denkweisen aufzubrechen. „Das CityLab bietet den Mitarbeitern der Verwaltung endlich einen Experimentierraum. Es geht darum, die eigene Schreibtischkante zu überwinden und gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln. Auch wenn aus 100 Tagen nun zwei Jahre wurden: Es ist gut, dass das CityLab eröffnet hat“, sagte Kramm.