Kulturareal

Bezirksverordnete wollen Sperrstunde am Holzmarkt verhindern

Das Bezirksamt wollte die Ausschankzeiten stark reduzieren. Die Betreiber reagierten entrüstet und haben nun viele Unterstützer.

Das Kultur- und Partyareal Holzmarkt lebt auch von seinem Gastrangebot.

Das Kultur- und Partyareal Holzmarkt lebt auch von seinem Gastrangebot.

Foto: BM

Berlin. Die Zuschauertribüne war voll: In der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) stand am Mittwochabend eine Einwohneranfrage auf der Tagesordnung, für die Betreiber und Freunde des Kulturdorfes Holzmarkt am Spreeufer ins ehemalige Kreuzberger Rathaus an der Yorckstraße gekommen waren. Sie sehen die wirtschaftliche Existenz ihres Friedrichshainer Projekts bedroht. Am Ende konnten sie die Mehrzahl der Parteien von der Dringlichkeit ihres Anliegens überzeugen.

Problem der genossenschaftlichen Betreiber ist eine aktuelle Anweisung aus dem Bezirksamt: Eine Genehmigung der dort umfangreich niedergelassenen kulturellen und gastronomischen Einrichtungen auf den öffentlichen Freiflächen soll nur erneuert werden, wenn die Betreiber ganz erheblich ihre Ausschankzeiten reduzieren.

Erhebliche Lärmüberschreitungen und Beschwerden

Hintergrund sind erhebliche Lärmüberschreitungen und Beschwerden, führte Wirtschaftsstadtrat Andy Hehmke (SPD) in der BVV aus. Die Holzmarktbetreiber sind nun angewiesen, den Ausschank an allen Wochentagen und auch am Wochenende um 21 Uhr einzustellen. Sonst gibt es keine neue Genehmigung.

Konstantin Krex von der Genossenschaft erklärte, dies sei an dieser Stelle völlig unverständlich. Das Areal befinde sich an einer vierspurigen Straße, dem Stadt- und Fernbahnviadukt und an der von Schiffen und Booten reichlich genutzten Bundeswasserstraße Spree. Krex unterstrich, dass auch die sozialen und kulturellen Einrichtungen auf dem Gelände, etwa Theater, Ateliers und Musikschule, durchaus „über den Verkauf von Getränken finanziert werden“.

Einseitig benachteiligende Regelung

Die Bezirksverordneten stellten sich am Ende mehrheitlich auf die Seite der Holzmarktmacher. In einem von Linken, SPD, CDU, FDP und Die Partei eingebrachten Dringlichkeitsantrag forderten sie das Bezirksamt auf, die Regelung zum Ausschank, also den Anreiz für Besucher und Gäste, das Gelände überhaupt zu besuchen, auszusetzen. Die Verordneten waren der Meinung, das Bezirksamt habe bisher nicht klar gemacht, warum die „einseitig benachteiligende Regelung getroffen wurde“. Stattdessen soll bis zum 31. Oktober die alte Ausschankregelung wieder eingesetzt werden, die kein Ende um 21 Uhr vorsah. Das Bezirksamt wurde aufgefordert, bei der nächsten Sitzung nach der Sommerpause im August darzulegen warum die Einführung einer Quasi-Sperrstunde erfolgen sollte. Der Antrag wurde mit den Stimmen der beantragenden Parteien mehrheitlich angenommen.

Appell an die Bezirksbürgermeisterin

Im Streit um die Zukunft des Areals meldete sich auch der Verband der Berliner Club- und Party-Wirtschaft Clubcommission zu Wort. Die Autoren erinnern daran, dass auf dem Grundstück Holzmarktstraße 25, „auf dem Investoren gerne graue Bürotürme, Hotels oder Luxuslofts gesehen hätten“, ein lebhafter Kulturort entstanden sei. „Wir können nicht zulassen, dass unsere Stadt ein so mutiges und freigeistiges Projekt verliert“, so die Autoren. Sie appellieren an Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne): „Liebe Monika, wir bitten Dich, persönlich den Diskurs mit Deinen Stadträten zu suchen und gemeinsam die Probleme mit dem Holzmarkt zu lösen.“