Schulstreik in Berlin

Schüler versetzt - trotz „Fridays for Future“-Streik

Die Notenkonferenz am Lessing-Gymnasium in Wedding hat entschieden: Trotz häufigen Fehlens werden die Klimaaktivisten versetzt.

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Berlin. Das Bangen der Schülerinnen und Schüler hat ein Ende. Obwohl die Klima-Aktivisten des Lessing-Gymnasiums in Wedding wegen ihrer regelmäßigen Teilnahme an den „Fridays for Future“-Protesten viele Fehlstunden angehäuft haben, wird keiner sitzenbleiben. Das entschied die Notenkonferenz am Donnerstag.

„Es gibt keine streikbedingte Nicht-Versetzung“, erklärte Schulleiter Michael Wüstenberg am Freitagvormittag gegenüber der Berliner Morgenpost. „Einige Schüler haben zusätzlichen Unterricht in den Pausen und Freistunden bekommen, damit haben sie ihr Fehlen ausgeglichen.“ Zugleich betonte er, dass es sich bei den Streikenden nur um einen ganz kleinen Teil der Schülerschaft handle. „Wir haben 760 Schüler, die zu einem Großteil gar nicht bei Fridays for Future mitgemacht haben.“ Ein gutes Dutzend sei sehr aktiv beim Klimastreik dabei.

"Fridays for Future": Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit

Diese Schülerinnen und Schüler hatten allerdings für großen Wirbel gesorgt. Anlass war ein Schreiben des Schulleiters. Michael Wüstenberg hatte bereits vor Wochen vorsorglich auf mögliche Konsequenzen des Schulstreiks aufmerksam gemacht. Mehrere Klimaaktivisten hatten sich von dem Schreiben bedroht gefühlt und Ende Mai eine Kundgebung vor ihrer Schule organisiert. Dabei pochten sie auf ihr Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit und forderten, nicht als „Schulschwänzer“ behandelt zu werden.

Anfang der Woche hatten sie nochmals eine Pressemitteilung herausgegeben. Insgesamt 13 Schülerinnen und Schülern der 9. und 10. Klasse drohe die Nicht-Versetzung, hieß es darin. Schulleiter Michael Wüstenberg wurde vorgeworfen, „die aktivsten Schülerinnen und Schüler einschüchtern zu wollen, um den Protest zu schwächen“. Es habe Ausgleichsunterricht gegeben, der von der Schulleitung jedoch nicht anerkannt worden sei.

Das Problem: Den Aktivisten des Lessing-Gymnasiums drohten in einigen Fächern, die nur freitags unterrichtet werden, Sechsen im Zeugnis, weil sie nicht auf die erforderlichen Anwesenheitsstunden im Schulhalbjahr kamen. Das gefährdete die Versetzung.

„Fridays for Future“ beschäftigt Schulen weiter

Schulleiter Wüstenberg hatte gelassen reagiert. „Es ist nicht Sache des Schulleiters, Ersatzunterricht anzuerkennen und Versetzungsentscheidungen zu treffen, sondern die der Klassenkonferenz“, hatte er gesagt. Diese trat für die 9. und 10. Klassen am Donnerstag zusammen - und entschied für eine Versetzung der streikenden Schülerinnen und Schüler.

Das Thema „Fridays for Future“ ist damit aber noch nicht vom Tisch, vermutet Wüstenberg. „Auch nach den Sommerferien wird weiter gestreikt werden, Initiatorin Greta Thunberg hat ja zu einem Generalstreik aufgerufen.“ Daher würden sich auch die Schulen weiter mit „Fridays for Future“ auseinandersetzen müssen.

Der Schulleiter stellt klar, dass seine Informationen und die Regeln bezüglich des Schulstreiks weiter gelten. Man wolle den Protest nicht schwächen, doch müsse sich auch das Lessing-Gymnasium an die Regelungen im Schulgesetz halten und einen einheitlichen Umgang mit Schülerdemonstrationen pflegen.

Schulen haben Ermessensspielraum

Seit Wochen gehen Schülerinnen und Schüler bundesweit für den Klimaschutz auf die Straße. An den „Fridays for Future“-Schulstreiks in Berlin nehmen regelmäßig Tausende junge Klimaaktivisten teil. Am 29. März, als Initiatorin Greta Thunberg persönlich in Berlin mitdemonstrierte, waren laut Polizei rund 20.000 Teilnehmer dabei.

Trotz dieses Engagements, das zum freitäglichen Fehlen vieler Schülerinnen und Schüler führt, sieht man in der Senatsbildungsverwaltung auch an anderen Schulen keine Versetzungsgefährdung. „Wir haben keine Hinweise, dass Schüler wegen der Teilnahme am Streik nicht versetzt werden“, so Thorsten Metter, Sprecher von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), auf Anfrage. Die Schulen könnten es Schülern ermöglichen, beispielsweise Leistungen anders zu erbringen. Das hätten auch einige Schulen gemacht.

Außerdem gebe es Spielräume. So könne laut Schulgesetz die Klassenkonferenz bei der Note 6 und fehlendem Ausgleich trotzdem Ausnahmen machen, wenn zu erwarten sei, dass die betroffenen Schülerinnen und Schüler „auf Grund ihrer Leistungsfähigkeit und bisherigen Leistungsentwicklung erfolgreich in der nächsthöheren Jahrgangsstufe mitarbeiten können“.

Der Protest geht weiter

„Fridays for Future“-Gründerin Greta Thunberg hat jüngst verkündet, dass sie die Schule für ein Jahr komplett streichen und sich ganz auf den Kampf gegen die Klimakrise konzentrieren möchte.

Der Berliner Landeselternausschuss hat sich gegen Sanktionen für Schülerinnen und Schüler ausgesprochen, die während der Schulzeit bei „Fridays for Future“ demonstrieren. Man begrüße das politische Engagement der Jugendlichen, so der Elternverband.

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