Sport

Berlin wird 2023 Gastgeber der Special Olympics

Senat gibt nach langem Streit die Zuschüsse für die Special Olympics 2023 frei. Es geht eher um Inklusion als um Spitzensport.

Der Kieler Handball-Nationalspieler Rune Dahmke (l) und Athletin Michaela Harder entzündeten das Feuer während der Eröffnungsveranstaltung der Nationalen Special Olympics für Sportler mit geistiger oder mehrfacher Behinderung in der Sparkassen-Arena im Mai 2018 (Archivbild).

Der Kieler Handball-Nationalspieler Rune Dahmke (l) und Athletin Michaela Harder entzündeten das Feuer während der Eröffnungsveranstaltung der Nationalen Special Olympics für Sportler mit geistiger oder mehrfacher Behinderung in der Sparkassen-Arena im Mai 2018 (Archivbild).

Foto: Frank Molter / dpa

Berlin wird im Sommer 2023 Gastgeber für das weltweit größte Sportereignis für geistig behinderte Menschen sein. Zu den Special Olympics werden vom 16. bis 25. Juni 7000 Athleten, 3000 Trainer und Betreuer, 12.000 Angehörige und 20.000 freiwillige Helfer erwartet.

Dabei stünden weniger die sportlichen Spitzenleistungen im Mittelpunkt, sagte Sportsenator Andreas Geisel (SPD) am Montag: „Es geht nicht um ‘Schneller, Höher, Weiter’, sondern um Respekt und das Beispiel für Inklusion“, sagte Geisel. Das habe „gesellschaftsverändernde Kraft“. Das habe er in Abu Dhabi erlebt, wo er drei Tage während der Special Olympics im April 2019 zu Gast war.

Berlin stellt 35,7 Millionen Euro für die Special Olympics bereit

Mit einem Beschluss über den Zuschuss des Landes Berlin zu der Veranstaltung hat der rot-rot-grüne Senat am Dienstag den Weg frei gemacht. Berlin wird 35,7 Millionen Euro für die Special Olympics bereitstellen. Die Bundesregierung schießt die gleiche Summe zu. 4,2 Millionen Euro steuert Berlin aus dem Nachhaltigkeitsprogramm für die Verbesserung der Barrierefreiheit bei. Das nationale Special-Olympics-Komitee mit der früheren Berliner Finanzsenatorin Christiane Krajewski an der Spitze hofft auf weitere zehn Millionen Euro von Spendern und Sponsoren.

Im Senat war der Vorgang wochenlang umstritten. Die Grünen hatten sich dagegen gestellt, in einem solchen Umfang Zusagen im Vorgriff auf kommende Landeshaushalte zu machen. Das sei jedoch nicht als Gegnerschaft zu diesem großen inklusiven Sportfest gemeint, versicherten die Grünen.

Solche Großevents seien für Berlin ein gutes Geschäft

Schließlich war es Geisel aber doch gelungen, mit Verweis auf die näher rückende Unterschrift unter die Verträge über die Organisation die Koalitionspartner zum Einlenken zu bewegen. „Die Special Olympics passen so gut wie kaum eine andere Veranstaltung zu der offenen und toleranten Stadt Berlin“, betonte der Sportsenator.

Den vergleichsweise hohen Bedarf an Steuergeld erklärte der Sozialdemokrat aus dem Charakter der Veranstaltung. Viele Athleten benötigten intensive Betreuung, es müssten Spezialtransporte und Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden. Gleichwohl seien solche Großevents für die Stadt wegen der dadurch erzielten Steuereinnahmen auch volkswirtschaftlich gesehen ein gutes Geschäft.

Organisation der Spiele ist sehr komplex

Die Eröffnungsfeier werde im Olympiastadion stattfinden. „Die 74.000 Plätze kriegen wir voll“, versicherte der Senator. Die Athleten messen sich in insgesamt 25 Sommersportarten, die neben anderen auf dem Messegelände, in der Schmeling-Halle, der Schwimmhalle an der Landsberger Allee, im Olympiapark, dem Sportforum Hohenschönhausen, am Wannsee, dem Horst-Körber-Sportzentrum, im Velodrom, dem Mommsenstadion und im Bowlingcenter Schillerpark ausgetragen werden.

Um die Spiele in die Stadt zu holen und den Gedanken der Inklusion von Sportlern mit Handicap zu verdeutlichen, sind auch auf der Straße des 17. Juni Wettkämpfe im Beachvolleyball und die Sprints der Radrennfahrer geplant. Mit der Schlussfeier im Tiergarten sollen die Spiele ausklingen. Die Organisation insgesamt sei fast so komplex wie bei Olympischen Spielen, sagte Geisel.

Eine Alternative ist das Mommsenstadion in Charlottenburg

Kaum eine realistische Chance gibt es für den ursprünglichen Plan, die Leichtathleten im dann neu und barrierefrei errichteten Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg antreten zu lassen. Wie berichtet hatte sich die Sanierung des Stadions mehrfach verzögert. Unterdessen sind die Kosten für die bisherigen Pläne von 110 auf 150 Millionen Euro gestiegen. Darum wird das Projekt nun abgespeckt, um im Kostenrahmen zu bleiben. Die Zuschauerkapazität werde von 30.000 auf 20.000 abgesenkt.

Geisel sagte, die bisherigen Zeitpläne der für den Bau zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gingen nun von einer Fertigstellung im Mai 2023 aus. Das Risiko, dass man das Stadion im Juni 2023 dann doch nicht nutzen kann, dürfte aber kein Organisator eingehen. Deshalb wird als Alternative das Mommsenstadion in Charlottenburg ins Auge gefasst. Das sei auch schon bekannt gewesen, ehe im November 2018 der Zuschlag für Berlin erteilt worden war.

Neubau des Jahn-Sportparks muss bald beginnen

Inzwischen wird aber laut Geisel darüber nachgedacht, die Leichtathleten auf der Hanns-Braun-Sportanlage im Olympiapark antreten zu lassen. Das Olympiastadion selbst sei zu groß, denn so viele Zuschauer würden zu den Wettkämpfen nicht erwartet.

Auch wenn er für die Special Olympics nicht genutzt werden kann, muss der Senat Berlins zweitgrößtes Sportstadion neu errichten. Denn wegen Brandschutzproblemen hat der Jahn-Park in der derzeitigen Form nur noch einen Bestandsschutz bis Ende 2019. Spätester Zeitpunkt, um mit dem Neubau zu beginnen, ist deshalb das Frühjahr 2020. Sonst würde Berlin diese zentrale Sportanlage verlieren, weil die Genehmigung erlischt und im Wohngebiet keine neue zu bekommen wäre.