Europäische Einigung

Auf die Straße für Europa: Demonstration gegen Nationalismus

25.000 Menschen demonstrieren eine Woche vor der Parlamentswahl gegen Nationalismus und Ausgrenzung.

Demonstranten versammeln sich am Alexanderplatz gegen Nationalismus in Europa.

Demonstranten versammeln sich am Alexanderplatz gegen Nationalismus in Europa.

Foto: Charlene Rautenberg

Berlin. Der Alexanderplatz füllte sich am Sonntagmittag nach und nach mit Menschen, die große Europa-Flaggen, bunte T-Shirts mit Sprüchen wie „Europa für Alle“ und Luftballons trugen. Rund um die Weltzeituhr waren alle Altersgruppen vertreten, wobei sich auffällig viele junge Erwachsene versammelten. Laut der Veranstalter waren 20.000 Menschen dem Aufruf zahlreicher Initiativen und Gruppen gefolgt, die unter dem Titel „Ein Europa für alle“ zu einer Demonstration gegen Nationalismus und Ausgrenzung aufgerufen hatten.

Anlass ist die Europawahl in einer Woche. Die Organisatoren befürchten, dass Nationalisten und Rechtsextreme mit weit mehr Abgeordneten ins Europaparlament einziehen, als bisher. „Wir lassen nicht zu, wenn Rechtsstaat und unabhängige Gerichte angegriffen, Menschen- und Freiheitsrechte eingeschränkt und das Asylrecht abgeschafft werden sollen“, heißt es in ihrem Aufruf.

Weitere Kundgebungen in ganz Europa

Die Demonstration, die um zwölf Uhr startete, führte bis zum Großen Stern. Laut Polizei waren ursprünglich 50.000 Teilnehmer angemeldet gewesen. Wie viele Menschen tatsächlich gekommen waren, konnte die Polizei am Nachmittag nicht sagen. Ein Sprecher teilte lediglich mit, dass die von den Veranstaltern erhoffte Teilnehmerzahl nicht ganz erreicht worden sei. Eine weitere Demonstration startete an der Volksbühne. Von dort zogen rund 5000 Berliner Künstler und Vertreter von Kultureinrichtungen zum Großen Stern.

Bei weiteren Kundgebungen, die parallel in weiteren deutschen Großstädten wie Köln, Frankfurt und München stattfanden, seien insgesamt über 150.000 Teilnehmer gewesen. Auch in 42 Städten in zwölf weiteren Ländern wie Frankreich, Polen und Österreich seien die Menschen für denselben Zweck auf die Straße gegangen.

Für den Großteil der Menschen, die zu der Demonstration in Berlin gekommen waren, ist die EU als Institution nicht wegzudenken. So auch für Johanna Schultheiss aus Potsdam, die wie ihre Freundin Saskia Schütze aus Königs Wusterhausen eine Europa-Flagge um die Schultern trug. „Wir wollen ein solidarisches Europa mit transparenten Prozessen“, sagt die 18-Jährige. Wen sie am kommenden Sonntag wählen will, wisse sie schon. „Aber es gibt auch viele Menschen, für die die EU weit weg ist. Da erwarte ich von den Parteien, dass sie ihre Ziele und Aufgaben besser im Wahlkampf vermitteln“, sagte die Demonstrantin.

EU müsse reformiert werden

Man müsse bewusst nationalistischen Tendenzen etwas entgegensetzen, betonte auch Elisa Stowe, eine weitere Teilnehmerin der Demonstration. „Aber die größte Gefahr ist, wenn Menschen denken, dass es mit der EU so weitergehen kann wie gehabt“, sagte die 24-Jährige aus Mitte. Wie viele andere Demonstranten findet sie, dass die EU reformiert werden muss, wenn sie fortbestehen will. „Wir müssen gerechter mit den Menschen im globalen Süden umgehen und Probleme wie die hohe Jugendarbeitslosigkeit in ost- und südeuropäischen Ländern stärker bekämpfen“, sagt Stowe. Außerdem müsse mehr für den Umweltschutz getan werden.

Christopher Herhause wird als Wahlleiter die Europawahl unterstützen und hat auch selbst schon gewählt. „Gewisse Nationalismen wird es immer geben, es muss nur maßvoll sein. Was gewisse Parteien hierzulande, aber auch in Ländern wie Ungarn abziehen, erinnert leider sehr an ein dunkles Kapitel unserer Geschichte“, sagte der 48-Jährige aus Wilmersdorf bei der Kundgebung.