Jahn-Sportpark

Special Olympics 2023 in Berlin sind gefährdet

Der Jahn-Sportpark soll Vorzeige-Stadion für Behindertensport werden. Aber zu den Special Olympics wird er womöglich nicht fertig.

2018 kämpften die behinderten Leichtathleten bei der EM im Jahn-Sportpark um Medaillen – hier der Franzose Alexandre Dipoko-Ewane.

2018 kämpften die behinderten Leichtathleten bei der EM im Jahn-Sportpark um Medaillen – hier der Franzose Alexandre Dipoko-Ewane.

Foto: Foto: Jens Büttner / dpa

Berlin. Der Senat hat erhebliche Schwierigkeiten, Berlins zweitgrößtes Sportstadion zu erhalten. Die Kosten, um den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg zu einer behindertengerechten Anlage umzubauen, sind aus dem Ruder gelaufen.

War noch 2018 von 110 Millionen Euro die Rede gewesen, gehen die Experten der Senatsbauverwaltung inzwischen von 150 Millionen Euro aus. Versuche, diese Summe ins Sonder-Investitionsprogramm Siwana (Sondervermögen Infrastruktur wachsende Stadt und Nachhaltigkeit) einzustellen, erweisen sich als schwierig.

Umbau des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks: „Erhebliche Haushaltsrisiken“

Die Maßnahme sei „mit erheblichen Haushaltsrisiken verbunden und daher grundsätzlich ungeeignet für das Siwana“, schreiben die Beamten von Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD). Die Senatsverwaltung für Sport als zuständige Behörde steht nun unter Druck. Denn im Jahn-Park sollten eigentlich im Sommer 2023 die Leichtathleten bei den Special Olympics, den Weltspielen der behinderten Sportler, ihre Wettkämpfe austragen.

Berlin hatte den Zuschlag für dieses Großereignis mit 7000 Athleten und 3000 Betreuern aus aller Welt auch mit dem Angebot eines komplett inklusiven Jahn-Stadions erhalten. Nun steht jedoch infrage, ob der Umbau rechtzeitig abgeschlossen werden kann.

Insider berichten von möglicherweise gefährlichem Kriegsschutt, der für den Tribünenwall verbaut wurde. „Die Zeit rennt weg“, warnt der Präsident des Landessportbundes (LSB), Thomas Härtel. Den Jahn-Park bis 2023 zu modernisieren, sei eine „ziemlich große Herausforderung für den Senat“.

Senatsvorlage für Special Olympics blockiert

Zumal noch immer die Senatsvorlage in der Warteschleife hängt, mit der Berlin seinen Anteil von 30 Millionen Euro zur Finanzierung der Veranstaltung garantiert. Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) hat den Vorgang gestoppt. Nicht weil er etwas gegen die Weltspiele der Behinderten habe.

Das sei eine „tolle Veranstaltung“, sagte Behrendt der Berliner Morgenpost. Er sei aber dagegen, den Haushaltsberatungen vorzugreifen und schon jetzt eine so hohe Summe für die kommenden Jahre festzulegen.

Sportsenator Andreas Geisel (SPD) warnt dagegen, wenn der Senat nicht bald entscheide, könnten die notwendigen Verträge nicht am 30. Juni unterschrieben werden. Das würde die Special Olympics insgesamt gefährden. Eine Absage wäre „total peinlich für Berlin“, so LSB-Präsident Härtel.

Ausweichort wäre das ebenfalls marode Mommsenstadion

Für die Veranstalter wäre es auch schon eine Enttäuschung, wenn sie in das als Ausweichquartier für die Leichtathleten vorgesehene Mommsenstadion am Messegelände umziehen müssten. Das sei zwar im Bewerbungskonzept vorgesehen, sagte Sven Albrecht, Bundesgeschäftsführer des Special Olympics Deutschland e.V.

Man wolle aber lieber in Berlins Mitte sein, weil es „keine Selbstverständlichkeit sei, dass die Menschen zu uns kommen“. Die Eröffnungsfeier ist im Olympiastadion geplant, andere Wettkämpfe in den Messehallen.

Geisel will Umbauprogramm abspecken

Um die Modernisierung des Jahn-Stadions überhaupt zu retten und die Finanzierung zu ermöglichen, muss Sportsenator Andreas Geisel (SPD) nun die Kosten senken. Man sei dabei, das Bedarfsprogramm abzuspecken, sagte Geisel der Berliner Morgenpost. Ziel sei es, den Kostenrahmen von 110 Millionen Euro trotz gestiegener Baukosten einzuhalten.

So sei nun geplant, das Stadion nicht für 30.000, sondern nur noch für 20.000 Zuschauer auszubauen. Das hält Geisel für vertretbar, seit beschlossen wurde, auf jeden Fall die Laufbahn im Olympiastadion zu erhalten. Große Leichtathletik-Sportfeste könnten dann dort stattfinden und müssten nicht in den Jahn-Park ausweichen.

2019 läuft die Nutzungserlaubnis aus

Eine Alternative dazu, viel Geld in die traditionelle Heimstatt des DDR-Fußball-Serienmeisters BFC Dynamo zu investieren, sieht Geisel nicht. Die Anlage ist derart marode, dass jederzeit die Schließung droht. Zuletzt hatte ein Kabelbrand die Flutlichtmasten beschädigt.

Weil Teile herabzustürzen drohten, wurde das Stadion gesperrt, statische Untersuchungen der Masten laufen. Lange darf das alte Stadion aber nicht vom Netz gehen. Wird es einmal stillgelegt, erlischt der Bestandschutz für das mitten im Wohngebiet gelegene Stadion.

Eine neue Genehmigung wäre kaum zu erhalten. „Mir fallen deshalb nur schlechtere Alternativen zu einer Modernisierung ein“, sagte Geisel. Werde der Jahn-Park einmal geschlossen, „würden wir die ganze Sportstätte verlieren“, so der Senator, „das kann Berlin sich nicht leisten.“

Berliner Pokalfinale soll dennoch stattfinden

Beim Berliner Fußball-Verband (BFV) geht man aber inzwischen davon aus, dass das Stadion demnächst doch wieder öffnen kann.

Das Finale um den Landespokal zwischen dem Regionalligisten Viktoria und dem Oberligisten Tennis Borussia wird nach heutigem Stand am 25. Mai im Jahn-Park stattfinden, hieß es beim BFV. Die dringendsten Reparatur- und Sicherungsarbeiten sollten bis dahin abgeschlossen sein.

Sanierungsstau für Sportanlagen wächst

Die Lage im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gleicht der in vielen anderen Sportanlagen. Der Sanierungsstau ist erheblich. Und er wächst, wie aus einer Antwort der Sportverwaltung auf eine AfD-Anfrage hervorgeht. „Ein Abbau des Sanierungsstaus findet faktisch nicht statt“, kritisiert der Sportpolitiker Frank Scheermesser: „Das fährt gegen die Wand. Wenn das so weitergeht, werden Sportanlagen schließen müssen.“

Rechneten die Bezirke für ihre Hallen und Sportplätze in den Jahren 2016 bis 2019 noch mit 129 Millionen Euro, gehen die Stadträte für 2020 bis 2023 schon von 247 Millionen Euro aus. Das Sportforum Hohenschönhausen berechnet seinen Bedarf auf 120 Millionen Euro.

Ins Olympiastadion müssen in zehn Jahren 70 Millionen Euro für Sanierung und Instandhaltung gesteckt werden. Das Velomax und die benachbarte Schwimmhalle stehen mit 45 Millionen Euro in der Liste.