Schulbauoffensive

Hier werden in Berlin neue Schulen gebaut

Am Leonardo-da-Vinci-Gymnasium in Neukölln wird Richtfest gefeiert. In ganz Berlin werden 60 neue Schulen gebaut.

So sieht der Rohbau des neuen Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums aus.

So sieht der Rohbau des neuen Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums aus.

Foto: Nina Kugler

Berlin. 30 Jahre musste das Leonardo-da-Vinci-Gymnasium auf einen Neubau warten. Nun geht plötzlich alles ganz schnell. 2017 war Spatenstich, ein Jahr später dann Grundsteinlegung. Und nun feiert Schulleiter Hans Steinke das Richtfest. Der Rohbau für das fünf-zügige Gymnasium mit künstlerischer und naturwissenschaftlicher Schwerpunktsetzung steht nun also. Voraussichtlich nach den Sommerferien 2021 sollen in den Neubau dann die rund 850 Schüler des Gymnasiums einziehen.

„Mit dem neuen Leonardo-da-Vinci-Gymnasium bauen wir im wahrsten Sinne des Wortes Zukunft“, sagte der sichtbar glückliche Bezirksbürgermeister, Martin Hikel (SPD).

Die neue Schule wird aus zwei ineinander verschränkten zwei- und dreigeschossigen Gebäuden bestehen. Außerdem wird es für die neue Schule gleich zwei Schulhöfe geben: Einen offenen, begrünten Innenhof sowie einen wettergeschützten, der als Eingangshalle und Aula dient. Die Eingangshalle kann bei größeren Veranstaltungen mit dem angrenzenden Mehrzweckraum zusammengeschlossen werden.

Die Baukosten belaufen sich auf rund 32 Million Euro, teilte das Bezirksamt Neukölln nun mit. Bisher war immer von rund 30 Million Euro die Rede.

Doch das Leonardo-da-Vinci-Gymnasium ist nur eine von 60 Schulen, die im Zuge der Schulbauoffensive in Berlin in den kommenden Jahren neu gebaut werden. Dafür hat der Senat 2,8 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

Vier neue Schulen für Neukölln

In Neukölln befindet sich neben dem Leonardo-da-Vinci-Gymnasium aktuell noch die Clay-Oberschule an der Neuhofer Straße im Umbau. Voraussichtlich 2021 sollen hier die Schüler in den Neubau einziehen können.

Im Bezirk sollen ab Mitte der 202er-Jahren außerdem noch weitere zwei Schulen gebaut werden. Die sind aber noch in Planung. Eine Gemeinschaftsschule soll an der Oderstraße 5 am Tempelhofer Feld gebaut werden. Aktuell stehen hier noch die Wohnwagen der Rollheimer. Eine drei-zügige Grundschule soll zudem am Koppelweg in Britz gebaut werden.

Gegenwärtig reichen sowohl im Grundschulbereich als auch im Oberschulbereich die angebotenen Schulplätze in Neukölln aus. Ein Defizit wird aber ab dem Schuljahr 2021/22 erwartet, dem mit Schulneubauten sowie mit weiteren Aus- und Umbaumaßnahmen an Bestandsschulen entgegengewirkt werden soll.

Mehr als 4000 Schulplätze fehlen in Spandau

Spandau gehört aufgrund der vielen Wohnungsbauprojekte zu den Bezirken, in denen in den kommenden Jahren besonders viele neue Schulen entstehen und bestehende erweitert werden sollen. Geplant sind fünf neue Schulen, ein weiterer Standort wird geprüft, außerdem ist noch offen, ob in der Siemensstadt im Zuge des Siemens-Innovationscampus eine Grundschule entstehen soll. Hierbei wolle man zunächst abwarten, wie viele Wohnungen auf dem Campus tatsächlich gebaut werden, um zu schauen, wie groß der Bedarf an zusätzlichen Schulplätzen ist, sagt Bezirksbürgermeister und Schulstadtrat Helmut Kleebank (SPD).

Dass der Bezirk dringend neue Schulen braucht, ist unstrittig: Werden keine gebaut, würden nach Angaben des Bezirksamts bis zum Schuljahr 2024/25 im Grundschulbereich insgesamt mehr als 3000 Plätze fehlen, bei den Sekundarschulen etwa 1500 und bei den Gymnasien knapp 700.

Kleebank hatte in dem Zusammenhang kürzlich vom Senat gefordert, entweder die Howoge zu beauftragen, die Schulbaukapazitäten deutlich zu erhöhen, oder aber eine zweite Wohnungsbaugesellschaft, wie die Gewobag, einzubinden. „Nur so kann eine größere Zahl Schulstandorte parallel geplant und gebaut werden“, sagt der Schulstadtrat.

Sieben Neubauten in Reinickendorf

Gleich sieben neue Schulen sollen in Reinickendorf gebaut werden. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht der Neubau einer dreizügigen Grundschule mit einer Drei-Felder-Sporthalle in der Thurgauer Straße Ecke Aroser Allee.

Neu gebaut werden soll auch eine sechszügige Sekundarschule inklusive einer Drei-Felder-Sporthalle am Waidmannsluster Damm 10-16. An der Avenue Charles de Gaulle 33 ist ein Neubau einer vierzügigen Grundschule mit einer Drei-Felder-Sporthalle geplant.

Die Chamisso-Grundschule am Senftenberger Ring 27 im Märkischen Viertel freut sich auf einen Neubau einer eigenständigen Grundschule am Standort der Chamisso-Grundschule mit einer Doppelsporthalle. Zur Zeit ist hier eine Machbarkeitsstudie in der Abstimmung.

Das Schumacher-Quartier, ehemals Flughafen Tegel, bekommt eine neue vierzügigen Grundschule. Nebenan wird zudem noch eine sechszügigen Sekundarschule mit zwei-zügiger Oberstufe gebaut. In der Cité Pasteur wird zudem eine zwei-zügigen Grundschule gebaut.

Aktuell fehlen bei den Grundschulen und den Gymnasien keine Schulplätze. Eine geringe Übernachfrage im Bereich der Sekundarschulen kann schulorganisatorisch ausgeglichen werden.

Allerdings wird im Zuge der wachsenden Stadt insbesondere der Bedarf an zusätzlichen Grundschulplätzen deutlich auch in Reinickendorf zunehmen: Prognosen gehen von 1000 Plätzen bis 2024/25 aus. Bei den Sekundarschulen geht man von einem zusätzlichen Bedarf von 300 Plätzen in 2024/25 aus. Bei den Gymnasien wird bisher in 2024/25 kein zusätzlicher Bedarf ermittelt.

So sieht es in Treptow-Köpenick aus

In Treptow-Köpenick ist nur eine Schule in Planung, und zwar die Gemeinschaftsschule Adlershof. 1300 neue Schulplätze sollen hier entstehen. Im kommenden Schuljahr werden laut Bezirk knapp 300 Schulplätze fehlen.

Wachsender Schulplatzbedarf in Tempelhof-Schöneberg

Im Investitionsprogramm des Landes Berlin sind für den Bezirk Tempelhof-Schöneberg insgesamt acht Neubaumaßnahmen vorgesehen. Hierbei handelt es sich sowohl um reine Neubauten, aber auch um Ersatzbauten nicht mehr sanierungsfähiger Altgebäude.

Aber: Diese Neu- und Ersatzbauten werden nicht ausreichen, den wachsenden Schulplatzbedarf im Bezirk zu decken. Daher ist eine weitere wesentliche Säule der Schulentwicklungsplanung im Bezirk der Ausbau und die Erweiterung von insgesamt 21 bestehenden Schulstandorten. Hier handelt es sich in der Regel um die Nutzbarmachung von Raumreserven im Gebäudebestand und die Erweiterung über Anbauten oder ergänzende Gebäude.

Eine neue Schule in Steglitz-Zehlendorf

In Steglitz-Zehlendorf ist nach Aussagen von Bildungsstadtrat Frank Mükisch (CDU) der Neubau von einer öffentlichen Schule geplant. Die drei-zügige Grundschule soll in Lichterfelde-Süd auf dem ehemaligen US-Militärgelände „Parks Range“ entstehen. Dort baut die Groth-Gruppe ein neues Stadtquartier mit 2500 Wohnungen. Die Schule wird etwa 450 Plätze haben.

Kleiner Bezirk, große Probleme: Friedrichshain-Kreuzberg

Der flächenmäßig kleinste, aber am dichtesten besiedelte Bezirk der Stadt, Friedrichshain-Kreuzberg, ist Anziehungspunkt für junge Familien. Viele Neubauprojekte sind auf Flächen entstanden, die dort nach der Wende erst richtig attraktiv wurden.

So ergab sich in den vergangenen Jahren ein großer Bedarf an Schulplätzen. Die Schülerzahlen wachsen in Friedrichshain deutlich dramatischer und flächendeckender als in Kreuzberg.

In Kreuzberg ist die Zunahme vor allem in den Altbaukiezen zu spüren. Anstehende oder bereits begonnene Neubauprojekte sind etwa: Ersatzneubau für das Heinrich-Hertz-Gymnasium am Ostbahnhof, drei-zügige Grundschule Corinthstraße, drei-zügige Grundschule Pufendorfstraße, zwei-zügige Grundschule Oderstraße/Gürtelstraße, Abriss und Neubau der Lenau-Grundschule. Erweitert wurden in den zurückliegenden Jahren zum Beispiel: Thalia-Grundschule (Alt-Stralau), Modersohn-Grundschule (Simplonstraße) und Zille-Grundschule (Boxhagener Straße).

Die Prognose im Bezirksamt deutet auf bevorstehende Krisenzeiten hin. Insbesondere in Friedrichshain werde man in den kommenden sieben bis acht Jahren „in eine sehr prekäre Situation kommen“, heißt es aus dem Schulamt. Man stelle sich ein auf weitere Verdichtung an mehreren Standorten, auf Containerlösungen und Überbelegung, das heißt die Aufnahme von mehr Klassen als rechnerisch vorgesehen.

3091 Schulplätze werden in Charlottenburg-Wilmersdorf gebraucht

In Charlottenburg-Wilmersdorf sind nach Angaben von Schulstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD) in den nächsten Jahren 3091 neue Schulplätze geplant. An den Grundschulen Alt-Schmargendorf, Helmuth-James-von-Moltke, Grunewald, Carl-Orff und Erwin-von-Witzleben werden sogenannte MEBs, modulare Ergänzungsbauten, mit jeweils 144 Plätzen errichtet. Nach Umbauten und Anbauten gibt es auch neue Plätze an der Dietrich-Bonhoeffer-Grundschule (77), Johann-Peter-Hebel-Grundschule (144), Ludwig-Cauer-Grundschule (77), Comenius-Schule (144), Sekundarschule Wilmersdorf (100), Halensee-Grundschule (144), Peter-Ustinov-Schule (582), Reinfelder-Schule (450) und in der Grundschule Glockenturm (432).

Für die Mierendorff-Grundschule sind ebenfalls zwischen 144 und 221 neue Plätze geplant. Neben neuen Unterrichtsräumen bekommen die Erwin-von-Witzleben-Grundschule, die Johann-Pater-Heble-Grundschule, das Friedrich-Ebert-Gymnasium und das Herder-Gymnasium neue Sporthallen. Die Sporthalle der Otto-von-Guericke-Schule wird aufgestockt.

Pankow plant neun neue Schulen

In Pankow sollen ab den 2020er-Jahren neun neue Schulen gebaut werden. Weitere elf sollen perspektivisch noch dazu kommen. Wann und wo die aber gebaut werden, ist bislang noch ungewiss.

Zudem fehlen aktuell zwei bis drei Grundschulen und zwei Oberschulen im Bezirk. Über 2000 Pankower Oberschüler werden derzeit in anderen Bezirk versorgt, wie beispielsweise rund 1100 Schüler an der ISS in Lichtenberg und circa 800 Schüler an Gymnasien in Reinickendorf.

Perspektivisch fehlen etwa 10.000 Schulplätze bis 2026/27. Aktuell sind rund 35.000 Schüler an den öffentlichen Schulen in Pankow. Im Schuljahr 2026/27 werden es aber deutlich über 44.000 sein. Deshalb sind 24 Neubauprojekte geplant – und auch notwendig.

Schulnetz in Lichtenberg muss erweitert werden

Das Schulnetz in Lichtenberg soll bis 2023/24 stark erweitert werden. Elf Schulen erhalten modulare Ergänzungsbauten aus dem Senatsprogramm, sechs davon sollen in diesem Jahr noch in Betrieb genommen werden.

In der Investitionsplanung sind 18 Neubauten vorgesehen, zwei weitere entstehen in Holzleichtbauweise als Schnellbauschulen und sollen 2019 beziehungsweise 2020 eröffnen. Drei Schulgebäude sollen reaktiviert werden und bis 2021 in Betrieb gehen, die Lew-Tolstoi-Schule am Römerweg 120 soll bis 2020 einen konventionellen Anbau erhalten. Geplant ist zudem die Übernahme der Hochschule für Technik und Wirtschaft an der Treskowallee 8 beziehungsweise ein Neubau auf dem Grundstück Römerweg.

Zu den Plänen sagt der zuständige Bezirksstadtrat Wilfried Nünthel (CDU): „Fast die Hälfte der Neubauprojekte von Wohnungen in Lichtenberg entstehen mittels Bebauungsplan. Bei Bebauungsplänen werden die Auswirkungen auf die benötigten Schulplätze im Rahmen des ,Berliner Modells zur kooperativen Baulandgewinnung‘ berücksichtigt. Bei den meisten größeren Neubauvorhaben mit Bebauungsplänen wird der Bezirk die adäquate Schulversorgung somit sicherstellen können.“

Einige Regionen seien aber bereits so stark verdichtet, dass dort keine neuen Schulen entstehen können. „In den Bestandsschulen muss dann geschaut werden, ob man die Schulen baulich erweitern kann wie es zum Beispiel zurzeit mithilfe der schnell und kostengünstig zu errichtenden Modularen Ergänzungsbauten geschieht“, so Nünthel.

Mitte hat keinen Platz für Neubauten

Viele junge Familien leben im Bezirk Mitte. Das bedeutet viele Kinder, die erst in die Kitas und dann in die Schulen drängen. An den Grundschulen werden dem Bezirk im Jahr 2024 fast 2000 Schulplätze fehlen. Schon ab 2020 hat der Bezirk bei Integrierten Sekundarschulen (ISS) über 1000 Schulplätze zu wenig. Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl nach aktuellen Berechnungen auf fast 2000 ansteigen.

Kaum besser sieht die Lage an Gymnasien aus. In den kommenden zehn Jahren brauchte der Bezirk 1600 Plätze zusätzlich, um alle Kinder und Jugendliche unterzubringen. Schon heute gehen wegen des Platzmangels an Mittes Schulen Hunderte Schüler in anderen Bezirken zur Schule.

Doch Standorte und konkrete Planungen gibt es bisher erst wenige. In der Sellerstraße 27-30 entsteht zum Schuljahr 2022/23 eine neue ISS mit sechs Zügen. Die gleiche Kapazität soll die neue ISS an der Pankstraße 70 in Gesundbrunnen haben, die ebenfalls ab Sommer 2022 in Betrieb gehen soll. Ob dort der bestehende Bau der ehemaligen Oberschule am Brunnenplatz saniert wird, oder es einen Neubau entstehen wird, ist noch offen.

In der Adalbertstraße wird die einstige Grundschule zum Schuljahr 2022/23 saniert und reaktiviert. Zum gleichen Schuljahr ist auch der Bau einer vier-zügigen Grundschule in der Reinickendorfer Straße in Gesundbrunnen geplant.

Marzahn-Hellersdorf braucht fünf neue Schulen

Fünf neue Schulen sollen in Marzahn-Hellersdorf gebaut werden. Im Schuljahr 2019/20 fehlen laut Bezirksamt rund 100 Plätze an den Grundschulen. Im Oberschulbereich sieht es hingegen besser aus: Für die siebte Klasse kann der Bezirk sogar insgesamt 100 Plätze mehr anbieten, als es Schulabgänger in dieser Klassenstufe gibt. Doch für die Zukunft rechnet der Bezirk dennoch mit steigenden Schülerzahlen – und Platzmangel an den Schulen.