Kraftwerkssparte

Siemens gliedert 6000 Berliner Mitarbeiter aus

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Joachim Fahrun
Das Logo der "Siemens" Aktiengesellschaft ist an einem Gebäude zu sehen.

Das Logo der "Siemens" Aktiengesellschaft ist an einem Gebäude zu sehen.

Foto: dpa

Von der geplanten Ausgliederung der Kraftwerksparte sind in der Hauptstadt rund 6000 Siemens-Mitarbeiter betroffen.

Berlin/Görlitz/Erfurt. Siemens in Berlin steht der größte Umbau seiner Geschichte bevor. Rund 6000 Mitarbeiter am bisher größten Produktionsstandort des Konzerns sind von der Ausgliederung der Kraftwerkssparte betroffen. Am Dienstagabend hatte der Konzern verkündet, die kriselnde Sparte ausgliedern und bis September kommenden Jahres an die Börse bringen zu wollen. Kündigungen sollen gleichwohl zunächst ausgeschlossen bleiben, so die IG Metall.

Zu den Werken, die im Zuge des Konzernumbaus abgespalten werden sollen, zählten in der Hauptstadt das Gasturbinenwerk an der Huttenstraße in Moabit und Teile des Schaltwerks in der Siemensstadt. In Ostdeutschland sind zudem Erfurt und Görlitz betroffen. Bundesweit geht es um fast 20 Standorte mit zusammen deutlich mehr als 20.000 Beschäftigten.

IG Metall sieht Perspektiven für neues Unternehmen

Was die Pläne konkret für die Mitarbeiter und Standorte bedeuten, ist noch völlig offen. Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall und Aufsichtsratsmitglied der Siemens AG, bewertete die Änderung laut Mitteilung insgesamt positiv: „Es entsteht ein Unternehmen, das trotz mancher Unwägbarkeiten insgesamt die besseren Perspektiven für die Beschäftigten bietet.“

Siemens hatte schon länger über eine sinkende Nachfrage nach großen Turbinen geklagt, wie sie etwa an der Huttenstraße produziert werden. Nach langen Kämpfen um Arbeitsplatz-Abbau und Umstrukturierungen in den Werken hat sich die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat den Plänen von Siemens-Chef Joe Kaeser letztlich „angesichts der wirtschaftlichen Gesamtsituation zugestimmt“, teilte die IG Metall mit. Das neue Unternehmen werde seinen Firmensitz in Deutschland haben. Ferner gelte das Abkommen zur Standort- und Beschäftigungssicherung. Betriebsbedingte Kündigungen seien damit ausgeschlossen. Auch bleibe das künftige Unternehmen tarifgebunden, übernimmt die betriebliche Altersversorgung, Mitbestimmungsstrukturen sollten auf allen Ebenen weiter gelten, so die Gewerkschaft. Ferner verpflichtet sich der Vorstand, Innovationen mit Hilfe von Investitionen voranzutreiben und darüber hinaus einen Innovationsfonds analog zur Siemens AG einzurichten. „Wir haben erreicht, dass sich Siemens zu den Arbeitsplätzen in Deutschland und Europa bekennt.

„Bei einem Joint Venture zum Beispiel mit einem japanischen Wettbewerber hätten wir dazu zu große Risiken gesehen“, sagt Birgit Steinborn, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats und stellvertretende Vorsitzende des Siemens-Aufsichtsrates. Gleichwohl reagierten Berliner Siemensianer skeptisch: „Ich hätte mir vom Siemens-Vorstand mehr Mut zum Weitermachen gewünscht. Der Konzern könnte intelligenter handeln. Unsere Situation ist, dass bei uns ein Teil der Hochspannung betroffen ist. Damit stellen sich viele Fragen für die Kolleginnen und Kollegen. Das werden wir gemeinsam diskutieren müssen“, sagt der Betriebsratsvorsitzende vom Siemens-Schaltwerk, Rüdiger Groß. Er will die Kollegen am Donnerstag über die Entscheidung informieren.

Fertigung müsse für neuen Campus bleiben

Auch Günter Augustat, Betriebsratsvorsitzender vom Gasturbinenwerk wird am Donnerstag die Kollegen zusammenrufen. „Die ersten Informationen über die geplanten Ausgliederungen lassen uns für die Zukunft die Möglichkeit, dass wir als Berliner Gas & Power-Kolleginnen und Kollegen sicher unsere Produkte fertigen und unsere Fähigkeiten auch in Zukunft weiterentwickeln können. Detaillierte Verhandlungen stehen darüber aber noch aus“, sagt Augustat.

Was diese Entscheidung langfristig für die Beschäftigten bedeuten werde, sei nicht abzusehen. „Für uns ist der Erhalt der Fertigung insbesondere im Hinblick auf den Siemens-Campus 2.0 in Berlin zwingend“, sagt Regina Katerndahl, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Berlin. „Sollte die Ausgliederung, anders als angekündigt, mit schlechten Beschäftigungsbedingungen oder weiterem Personalabbau verbunden sein, werden wir uns wehren.“