Klausurtagung

CDU fordert berufliche Eignungstests für Achtklässler

Berlins CDU-Fraktion berät „Visionen für eine Wirtschaftsmetropole“ - und will lernunwillige Jugendliche in die Pflicht nehmen.

Die Berliner CDU-Fraktion hat sich zur dreitägigen Klausur in Thüringen getroffen.

Die Berliner CDU-Fraktion hat sich zur dreitägigen Klausur in Thüringen getroffen.

Foto: Olaf Wedekind

Berlin. Die Wirtschaft in Berlin boomt, doch den Unternehmen fehlen zunehmend die Fachkräfte. Diesen Mangel will die Berliner CDU-Fraktion nun mit einer ganzen Reihe von Vorschlägen begegnen. „Wir wollen unter Einbeziehung der Jugendberufsagenturen, dass alle Kinder ab Klasse 8 hinsichtlich ihrer Eignungen und Talente geprüft und mit potenziellen Berufsfelder vertraut gemacht werden.“ So steht es in dem 31-seitigen Thesenpapier, das der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU, Christian Gräff, auf der Klausurtagung seiner Fraktion am Sonnabend in Thüringen vorgestellt hat. „Berlin 2030 – Visionen für eine Wirtschaftsmetropole, Freiräume für Innovationen“, nennt sich das Konzept, mit dem der Ausbildungsmarkt deutlich Aufschwung gewinnen soll.

„In den Lehrplänen soll der Bezug zu Ausbildungsberufen aufgenommen werden, damit sämtliche Berufsfelder wahrgenommen werden können“, forderte Gräff weiter. Darüber hinaus soll bei Bedarf eine „persönliche Berufsberatung für Jugendliche im familiären Umfeld“ stattfinden. Es bestehe dringender Handlungsbedarf.

Tausende Jugendliche ohne Lehrstelle

Tatsächlich gibt es trotz der prallen Auftragsbücher der Berliner Unternehmen noch immer Tausende Jugendliche, die auf einen Ausbildungsplatz warten. Im Oktober, zu Beginn des aktuellen Ausbildungsjahres, hatte die regionalen Arbeitsagentur Zahlen vorgelegt, die zunächst gut klangen. Demnach gab es in Berlin 22.000 Jugendliche, die sich um eine Lehrstelle beworben hatten – ein Plus von sechs Prozent. Zugleich hatte auch die Zahl der Ausbildungsplätze zugelegt, auch um sechs Prozent. Dennoch hatten aber von den Bewerbern einen Monat nach Start des Ausbildungsjahres 3445 noch keine Lehrstelle gefunden.

Ein Hauptgrund dafür, dass viele Bewerber leer ausgingen, liegt an der Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. So gibt es regelmäßig mehr junge Menschen als Ausbildungsplätze im Bereich Kraftfahrzeugmechatronik und Elektronik, während Bäcker und Metzger händeringend Nachwuchs suchen.

Wesentlich erarbeitet hat die Vorschläge der Abgeordnete Jürn Jakob Schultze-Berndt. Dieser hatte seiner Fraktion auch die Idee einer Ausbildungsgarantie für Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr unterbreitet. Doch dieser wollten seine Parteifreunde genauso wenig folgen wie dem Vorschlag, sie mit einer Ausbildungspflicht für Jugendlichen zu kombinieren.

Der Ansatz, als Staat dafür sorgen zu wollen, dass niemand zu Hause sitzen bleibt, sei grundsätzlich gut, formulierte es auch Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin und als Referent für die „Grundzüge einer smarten Wachstumsstrategie“ auf der CDU-Klausurtagung ebenfalls dabei. „Eine Übernahmepflicht für Unternehmen wäre dabei aber kontraproduktiv“, so sein Einwand.

Schon in der Schule die Weichen stellen

Immer wieder hatte die Berliner IHK darauf hingewiesen, dass in der Schule dringend die richtigen Weichen gestellt werden müssten. So würde jeder dritte Ausbildungsbetrieb bereits Nachhilfeunterricht für seine Azubis anbieten, weil diese mit enormen Wissenslücken aus der Schule kämen. Für Gräff ist die rot-rot-grüne Bildungspolitik denn auch ein wesentlicher Verursacher der Ausbildungsmisere. Denn diese habe dazu geführt, dass die Zahl der Schulabbrecher sich im vergangenen Jahr noch einmal deutlich vergrößert habe. Im vergangenen Schuljahr hätten rund 13 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschlusszeugnis verlassen, rund drei Prozent mehr als im Vorjahr.

„Um das Schulschwänzen in den Griff zu bekommen, wollen wir eine elektronische Zeiterfassung an den Schulen als disziplinarische Maßnahme für diejenigen Jugendlichen, die mehr als vier unentschuldigte Fehlzeiten in einem Schuljahr haben“, heißt es in dem Papier weiter. Zudem solle eine „Zentrale Berliner Beratungsstelle Schulversäumnis“ eingerichtet werden, die eine verpflichtende Betreuung für Schüler ab der vierten Fehlzeit durchführt. Darüber hinaus sollen deren Eltern elektronischen Zugriff auf Anwesenheitszeiten ihrer Kinder in der Schule haben.

CDU will Pflicht zum Besuch der „Summer-School“

Dieser Vorschlag kam bei den Bildungsexperten der rot-rot-grünen Regierungskoalition nicht gut an. „Da hat sich Herr Gräff wohl von China inspirieren lassen, wo der Persönlichkeitsschutz von Menschen kaum eine Rolle spielt und Schüler per Gesichtserkennung in der Schule überwacht werden“, so die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Marianne Burkert-Eulitz.

Bereits am Freitag hatte die Forderung der CDU, für Kinder mit ungenügenden Deutschkenntnissen den Besuch einer „Summer-School“ in den Ferien zur Pflicht zu machen, für Aufsehen gesorgt. „Zwang und Druck haben noch keinem Kind die Lust am Lernen zurückgebracht“, sagte Burkert-Eulitz. Eine Summer-School könne allenfalls ein freiwilliges Angebot sein, die sogenannten Ferienschulen mit kreativer Sprachbildung gebe es in Berlin allerdings längst.