Kultur

Musik für alle im Pierre Boulez Saal

Vier etwa halbstündige Konzerte wurden am Sonnabend in dem Konzertsaal gegeben. Rund 1600 Besucher waren dabei.

Begeisterte Zuschauer beim Tag der offenen Tür in der Barenboim-Said-Akademie

Begeisterte Zuschauer beim Tag der offenen Tür in der Barenboim-Said-Akademie

Foto: Peter Adamik/ Barenboim-Said-Akademie

Das Licht geht aus. Drei dunkel gekleidete junge Männer betreten den Raum. Einer setzt sich an den Flügel in der Mitte des Pierre Boulez Saals, die anderen nehmen Klarinette und Bratsche zur Hand. Sofort wird es ruhig. Als der Klarinettist ansetzt, füllen die Klänge schlagartig den ganzen Raum und ziehen die Zuhörer in ihren Bann.

Insgesamt vier etwa halbstündige Konzerte wurden am Sonnabend im Boulez Saal in Berlin Mitte gegeben. Bereits zum dritten Mal lud die angeschlossenen Barenboim-Said-Akademie zum Tag der offenen Tür. Der Eintritt war frei und der Andrang mit etwa 1600 Besuchern hoch. „Ich war begeistert von der Architektur, vor allem aber vom Raumklang“, meinte Besucher Volker Breuer. Für ihn wie für viele andere war es der erste Besuch in dem von Stararchitekt Frank Gehry entworfenen und 2017 eröffneten Konzertsaal, der mit seinen 680 Plätzen häufig schnell ausverkauft ist.

„Wir wollen unsere Arbeit und die Künstler vorstellen, die mit dem Haus in Verbindung stehen“, sagte Katharina Foerster, Sprecherin der Akademie. Man wolle eine Brücke schlagen zwischen dem Konzert- und dem Lehrbetrieb. Motto der Veranstaltung war „Ein Tag mit Jörg Widmann“. Der Klarinettist und Komponist lehrt an der Akademie.

Zur Aufführung kamen fast ausschließlich Widmanns eigenen Stücke – zumeist gespielt von seinen Studenten.

Studenten spielen Stücke des Komponisten Widmann

Vereinzelt griff der 45-Jährige auch selbst zum Instrument, beobachtete das Geschehen jedoch zumeist vom Rand des Saales aus. „Ich liebe seinen moderne und ungewöhnlich Art, die Instrumente zu spielen“, sagte Zuschauer Michalis Kyrlis nach einer der Aufführungen. „Als der Sopran in dem Schubert-Stück eingesetzt hat, musste ich weinen“, ergänzte seine Kommilitonin Maria Hedsten.

Aber auch daneben gab es einiges zu entdecken. So wurde das Komponierzimmer Widmanns nachgebaut. In zwei Workshops konnten sich Interessierte den Instrumenten auf eine andere Art und Weise nähern. „Es geht dabei um den spielerischen Umgang mit Musik, den auch Widmann pflegt“, sagte Sprecherin Foerster. So erklärte die finnische Pianistin Helga Karen nicht etwa das Spiel auf den Tasten, sondern wie einem Flügel durch Schlagen auf den Korpus und direkt auf die Saiten ganz andere Töne entlockt werden können.

Drehorgel so groß wie ein Kleinlaster

Blickfang war eine Drehorgel so groß wie Kleinlaster, die vor dem Haupteingang auf der Französischen Straße aufgestellt wurde. Anders als zu erwarten, spielte sie nicht etwa „Das ist die Berliner Luft“, sondern komplexere Melodien. „Es ist eine gute Mischung aus durchaus gewollter Jahrmarktsatmosphäre und Anspruch, der die Leute ein bisschen überraschen soll“, so Foerster.