Mobilität

So verrückt können Verkehrsprojekte in Berlin sein

Grüne Punkte, Zick-Zack-Markierungen, sündteure Poller: Was mobile Berliner auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Stadt erleben.

Nach Tetris-Radweg: Berlin lacht über Fahrradbuckelpiste

Die Fahrradspur an der Warschauer Straße Ecke Frankfurter Allee weist starke Mängel auf und schickt Radfahrer über starke Bodenwellen.

Nach Tetris-Radweg: Berlin lacht über Fahrradbuckelpiste

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Gut gemeint, aber schlecht durchdacht: So sieht die verkehrspolitische Offensive des rot-rot-grünen Senats an vielen Orten in der Stadt aus. Mehr Platz für Fußgänger, mehr Schutz für Radfahrer, weniger Autoabgase und ein friedliches Miteinander - das sind hehre Ziele. Doch so manche Maßnahme verkommt zur Posse, über die man auch noch außerhalb der Stadtgrenzen spottet. Wir stellen fünf, nun ja, umstrittene Projekte vor.

Kreuzberg: Null Punkte für Punkte auf der Bergmannstraße

Neongrüne Punkte zur Entschleunigung auf der Bergmannstraße: Das ist die neueste Verkehrsberuhigungsaktion in Kreuzberg. Sie sorgt für jede Menge Spott und Kritik. Zum Twister oder Hüpfekästchen spielen auf dem Schulhof mögen die Punkte perfekt sein, aber ob sie Autofahrer zum Langsamfahren animieren, ist fraglich. Zumal schon nach einer Woche der Farbglanz verblasst ist. Naja, die Markierung hat ja auch nur schlappe 146.500 Euro gekostet.

Zehlendorf: Über den Zickzack-Radweg lachte ganz Deutschland

Der Zickzack-Radweg in Zehlendorf hat deutschlandweit Lacher hervorgerufen. Die auch als Tetris-Radweg bekannte Markierung wurde um die Wurzeln der Bäume herumgezogen, allerdings nicht mit einer geschwungenen, sondern einer eckigen Linie. Nach etwa zwei Wochen wurde der Radweg mit Sandstrahlern entfernt. Die letzte Nachricht vom einst so berühmten Radweg in der Leo-Baeck-Straße: Es wird definitiv keine neue Markierung mehr geben.

Prenzlauer Berg: Vorsicht, hier springen Menschen ins Parklet!

Geradezu absurd sind die Parklets an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg. Sie sind nur mit einem Sprung über den stark befahrenen Radweg erreichbar. Gegen die neue Gefahrenquelle gibt es jetzt Markierungen: Ein rot umrandetes Dreieck mit dem Piktogramm eines Fußgängers warnt Radfahrer vor Fußgängern, Fußgänger werden mit weißen Fahrrädern auf rotem Grund vor Radfahrern gewarnt. Ob man sich so besser verträgt? Nun ja, man testet die Parklets ja noch.


Zehlendorf: Wo Radfahrern (fast) die ganze Welt gehört

Hey, hier gibt es doch mal Platz genug, dachte man sich wohl beim Anlegen des Radwegs auf der Königstraße in Zehlendorf. Auf der Bundesstraße ist seit einigen Monaten ein Radstreifen mit einer durchgezogenen Linie abgetrennt, obwohl es zu beiden Seiten einen breiten Fuß- und Radweg gibt, der von Fußgängern kaum genutzt wird. Die Umgestaltung soll nach Auskunft der Senatsverwaltung die Verkehrssicherheit erhöhen und hat auch juristische Gründe. Sicherer wird es für Radfahrer dort aber nur, wenn sich die Autofahrer auch an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten.

„Vollpfosten-Radwege“ für Hunderttausende Euro

Die sogenannten geschützten Radfahrstreifen sind Trend in der Hauptstadt. Diese Wege sind durch massive, weiß-rot lackierte Poller vom Autoverkehr getrennt und mit grüner Farbe markiert. Mitte April wurde ein dritter Radfahrstreifen an der Hasenheide in Kreuzberg eingeweiht. Zwei gibt es bereits an der Holzmarktstraße in Mitte und am Dahlemer Weg in Steglitz-Zehlendorf.

Unstrittig ist, dass Radfahrer auf den Wegen wirklich gut geschützt sind. Aber die Kosten sind irre: Allein in Kreuzberg wurde für ein paar Hundert Meter eine knappe halbe Million Euro ausgegeben. Ob die Rechnung mit den „Vollpfosten-Radwegen“ aufgeht, muss sich noch zeigen.

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