Berliner helfen

„Wir sind richtige Freunde geworden“

Berliner Verein knüpft Patenschaften zwischen Ehrenamtlichen und Schülern aus arabischen Migranten-Familien

Schülerpatin Kyra mit Schülerin Rafif

Schülerpatin Kyra mit Schülerin Rafif

Foto: Sergej Glanze

Am Anfang war ein kleines grünes Buch, bunt beklebt mit ihren Namen. So hat die Patenschaft der 30-jährigen Kyra mit der zehnjährigen Rafif begonnen. Das war vor anderthalb Jahren, so genau wissen die beiden das gar nicht mehr. „Schauen wir doch im Buch nach“, meint Kyra, denn in dem Buch, das als Lernhilfe für die deutsche Sprache gedacht ist, lässt sich aus den liebevollen Zeichnungen und Begriffen auch die Geschichte der beiden herauslesen.

Wöchentliche Treffen bei der Familie

Einmal in der Woche, immer Donnerstags treffen sich die beiden: Kyra Meyer, Marketing-Managerin in einem Startup für Elektroroller und Rafif, Schülerin einer Kreuzberger Grundschule, die vor zwei Jahren mit ihrer Familie aus Syrien nach Berlin kam. Sie hat noch neun Geschwister im Alter von elf Monaten bis zu 20 Jahren, von denen einige auch einen Schul-Paten haben.

Deutsch lernen und Hausaufgabenhilfe

Die Patentreffs finden meist bei Rafif zuhause statt, wo die zehnjährige mittlerweile einen eigenen Arbeitsplatz für die Hausaufgaben hat. Das Ziel der Schüler-Patenschaften: Kinder aus arabischen Migrantenfamilien die deutsche Sprache Nahe zu bringen und sie fit für die Schule zu machen. Organisiert werden die ehrenamtlichen Paten von dem Verein Schülerpaten e.V., vor zehn Jahren gegründet mit dem Ziel, Kinder in sozial schwachen Migrantenfamilien zu fördern. Aktuell sind es 250.

Bildungspatenschaften dank Spenden

„Wir vermitteln Bildungspatenschaften, das Hauptanliegen ist die Schulaufgabenhilfe, wenn die Eltern wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht in der Lage sind, ihre Kinder entsprechend zu fördern“, erklärt Charlotte Schippmann vom Vorstand des Vereins, der sich aus Spenden finanziert und auch von Berliner helfen e.V. unterstützt wird.

Die ehrenamtlichen Paten sind zwischen 20 und 35 Jahre alt, sollten sich möglichst für ein Jahr verpflichten, um eine Beziehung zu dem Kind und seiner Familie aufzubauen.

Die Chemie muss stimmen

Bei einem ersten Kennenlernen, bei dem immer auch ein arabisch sprechendes Mitglied des Vereins anwesend ist, wird ausgelotet, ob die Chemie zwischen dem Paten und dem Kind und seiner Familie stimmt. „Bedingung ist, dass nicht nur die Eltern die Förderung wollen, sondern auch das Kind“, sagt Charlotte Schippmann. Die Paten müssen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und einmal die Woche nachmittags Zeit haben.

Eis essen und Fußball spielen

„Das Kind soll das Gefühl haben, da ist ein Mensch hundertprozentig nur für mich da“, betont Charlotte Schippmann. So wie bei Kyra und Rafif, die sich auf ihre wöchentlichen Treffen freuen und neugierig die Lebenswelt des jeweils anderen erkunden. „Ich habe arabische Zahlen und einige Wörter gelernt, aber Rafif hat unglaublich große Fortschritte in Deutsch gemacht“, sagt Patin Kyra stolz. Die Zehnjährige geht gern Fußballspielen und besucht mit Begeisterung den Lesekeller in ihrer Adolf-Glasbrenner-Grundschule in Kreuzberg.

Weitere Paten gesucht

Jetzt, wo es endlich wärmer wird, will sie mit ihrer Patin Kyra Eis essen gehen und ein Besuch im Jump House - ein Geburtstagsgeschenk - steht auch noch aus. „Wir sind richtige Freunde geworden“, meint Kyra. Gemeinsam lesen, spielen und lernen – die beiden sind sich sicher, dass ihre Patenschaft noch lange weitergeht.

Der Verein Schülerpaten freut sich über weitere ehrenamtliche Paten, die Nachfrage ist groß. Infos unter www.schuelerpaten-berlin.de