Razzia

Pate der Zigaretten-Mafia in Berlin festgenommen

Zollfahndungsamt und Landeskriminalamt sind am Dienstagmorgen gegen die Zigarettenmafia vorgegangen.

Illegale Zigaretten

Illegale Zigaretten

Foto: Alexander Dinger / Privat

Berlin.  Das Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg und das Landeskriminalamt Berlin sind am frühen Dienstagmorgen gegen die Zigarettenmafia vorgegangen. Im Visier der Beamten der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Zigaretten (GeZig) war ein illegales vietnamesisches Zigarettenvertriebsnetz. Bei dem Einsatz konnte laut Zollfahndung sowohl der Haupttäter als auch der Zwischenhändler und ein Hauptabnehmer festgenommen werden. Gegen alle drei Personen wurde bereits im Vorfeld Haftbefehl vom Amtsgericht Berlin erlassen.

Polizisten finden 15.000 Euro Bargeld

Bei der Durchsuchung mehrerer Wohnungen und Fahrzeuge der drei Verdächtigen in Marzahn und Lichtenberg konnten mehr als 15.000 Euro Bargeld, Restmengen Zigaretten, zahlreiche Mobiltelefone sowie umfangreiche Unterlagen sichergestellt werden. Nach derzeitigem Erkenntnisstand der Ermittler stand wohl eine größere Zigarettenlieferung unmittelbar bevor. In einer der Wohnungen, die als „Schläferwohnung“ gemietet wurde, hielten sich auch drei Menschen ohne gültigen Aufenthaltstitel auf.

Hauptverdächtiger seit 2018 im Visier

Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll der mutmaßliche Haupttäter seit November 2018 im Visier der Ermittler gewesen sein. Der 42-Jährige Ngu N. hatte sich laut Ermittlern seit 2011 vom kleinen Zigarettenverkäufer in Luckenwalde zum selbstständigen Großverkäufer in Berlin „hochgearbeitet“. In der Vergangenheit wurde der Mann neunmal mit unversteuerten Zigaretten erwischt. Ngu N. hat wie seine mutmaßlichen Mittäter mehrere Aliasnamen. Auf einen der Festgenommenen laufen zwei Haftbefehle - auf einen jeweils anderen Namen.

Kontrolle über Weiterverkauf in den Osten Berlins

Als mutmaßlicher Pate organisierte der 42-Jährige selbstständig Zigarettenlieferungen aus Polen. Die Ermittler sind sich sicher, dass der Mann die Kontrolle über den Weiterverkauf in den Osten Berlins, sowie nach Luckenwalde und Hennickendorf hatte. Des Weiteren soll er im „Besitz“ zahlreicher Verkaufsplätze in Berlin gewesen sein, welche von ihm zwischen 500 und 1500 Euro pro Monat gemietet werden konnten. Viele der Plätze lagen am Bahnhof Lichtenberg. Bei Observationen und Überwachungsmaßnahmen stellten die Ermittler fest, dass Ngu N. von seinen Untergebenen häufig als Meister angesprochen wurde.

Ermittler gehen von hohem Steuerschaden aus

Allein im Zeitraum seit November 2018 konnten die Ermittler den Nachweis für den Verkauf von mehr als zwei Millionen Zigaretten erbringen. Der gesamte Steuerschaden beläuft sich laut Schätzungen des Zollfahndungsamtes auf knapp 500.000 Euro. „Die Ermittlungen in diesem Verfahren konnten wichtige Einblicke in die Strukturen der weiterhin agierenden vietnamesischen Zigarettenbanden geben“, sagte Christian Lanninger, Pressesprecher des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg.